08. Juli 2016

Günstige Hilfsmittel aus dem 3D-Drucker

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Fachhochschule Lübeck arbeiten an einer Methode, um mithilfe von 3D-Scans und 3D-Druckern individuell anpassbare Prothesen zu entwickeln, die sich einfach, kostengünstig und weitgehend aus recycelten Materialien herstellen lassen.

Dafür sind sie nun als eines von 100 Projekten in Deutschland als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ prämiert worden.

Ins Leben gerufen hat „3DPro“ Dr. Christian Zagel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere im Dienstleistungsbereich. Die Idee hatte der FAU-Wissenschaftler während seiner Arbeiten an einem 3D-Bodyscanner. Mithilfe einer Kamera wird ein dreidimensionales Ebenbild des Körpers erstellt, auf dessen Basis zum Beispiel passgenaue Schäfte für Prothesen gefertigt werden können. Die nötigen Bilder sollen entweder mit einer 3D-Kamera aufgenommen werden oder mit einer einfachen Handykamera. Damit das System auch Personen ohne technischen Hintergrund anwenden können, optimieren Forscherinnen der Fachhochschule Lübeck das Design der Nutzeroberfläche und prüfen es auf Gebrauchstauglichkeit.

Die Prothesen werden dann mit vergleichsweise günstigen 3D-Druckern hergestellt, soweit möglich aus recyceltem Kunststoff wie Plastikbechern. Um den Tragekomfort zu erhöhen, soll der Prothesenschaft am Ende noch mit weichem Silikon ausgekleidet werden. „Wir wollen, dass Anwender vor Ort, zum Beispiel Ärzte, mit dem System arbeiten können und dafür weder spezielle Kameras oder teure 3D-Drucker zur Verfügung haben, noch ausgebildete Ingenieure oder Orthopäden sein müssen“, erklärt Christian Zagel.

Erste Muster haben die Wissenschaftler bereits ausgedruckt, aktuell sind sie dabei, verschiedene Materialien Langzeit- und Belastungstests zu unterziehen. Außerdem werden derzeit Möglichkeiten evaluiert, wie das Projekt bei einem späteren Einsatz in der Praxis beispielsweise durch Social Crowdfunding finanziell unterstützt werden kann. Sobald die Software für den Scan-Prozess fertig ist, wollen die Forscher den 3D-Scan und den anschließenden Druck mit Testpersonen durchführen. Bis 2017 planen sie, erste Prothesen für Patienten herstellen zu können. Eine Ausweitung des Projekts auf andere Prothesenformen sowie Orthesen ist für die Zukunft ebenfalls geplant.