06. Juli 2016

ZVOS wendet sich gegen die Ausschreibung von Einlagen

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ZVOS-Präsident Werner Dierolf. (Foto: Andre Schrieber)
ZVOS-Präsident Werner Dierolf. (Foto: Andre Schrieber)

Der ZVOS hat sich mit einer Stellungnahme gegen die Ausschreibung von Einlagen an maßgebliche Politiker aus dem Gesundheits- und Sozialausschuss des Bundestages sowie an Patientenbeauftragte gewandt. Ebenso wurden Ministerien, Staatssekretäre und Senatoren informiert. Anlass war die inzwischen zurückgezogene Ausschreibung von Einlagen durch die AOK Sachsen-Anhalt.

"Die Ausschreibung von Einlagen, die die AOK-Sachsen-Anhalt angekündigt hatte, rüttelt an einer der Grundfesten der Hilfsmittelversorgung: Erstmals ist die Versorgung mit einem handwerklich individuell gefertigten Hilfsmittel durch eine Gesetzliche Krankenversicherung ausgeschrieben worden! “, kritisierte ZVOS-Präsident Werner Dierolf in einem Interview mit der Zeitschrift "Orthopädieschuhtechnik", das in der Juli/August-Ausgabe veröffentlicht wird. „Die Versorgung durch einen oder wenige Ausschreibungsgewinner gefährdet in hohem Maße die Versorgungsqualität.“

In seinem Schreiben an die Politiker machte der ZVOS deutlich, dass er Ausschreibungen im Bereich individueller Hilfsmittel entschieden ablehnt. Der Verband wies darauf hin, dass dies sowohl §127 Abs. 1 SGB V also auch den Gemeinsamen Empfehlungen zur Zweckmäßigkeit von Ausschreibungen widerspricht.

Der ZVOS zeigte den Adressaten auf, dass die Rechte der Patienten durch die Ausschreibung von Einlagen massiv beeinträchtigt würden. Weite Wege könnten einige Patienten dazu bringen, Hilfsmittel bei näher gelegenen Leistungserbringern auf eigene Kosten zu bezahlen oder ganz auf sie zu verzichten. Der Verzicht auf notwendige Hilfsmittel aber könnte gesundheitliche Folgen und dadurch auch höhere Folgekosten im Gesundheitswesen nach sich ziehen. Außerdem beschädige die Ausschreibung das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Leistungserbringer, für die die freie Wahl des Leistungserbringers unabdingbar sei.

Mit Bezug auf die Handwerksordnung betonte der ZVOS, dass der gesamte Prozess der Einlagenversorgung eine handwerkliche Tätigkeit ist und die Meisterpräsenz gewährleistet sein muss. Der Verband legte dar, dass die handwerkliche Fertigung und individuelle Anpassung eines Hilfsmittels eine bestimmte Arbeitszeit beansprucht. Ein gewisser Preis könne daher nicht unterschritten werden. Der ZVOS forderte die betreffenden Politiker dazu auf, sich für diese Belange einzusetzen. Erste Rückmeldungen sind bereits erfolgt.

Ein Interview mit ZVOS-Präsident Werner Dierolf über die Ausschreibung von Einlagen lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe der Zeitschrift "Orthopädieschuhtechnik" (erscheint Mitte Juli).