22. Juni 2016

Studie kritisiert Arbeitsbedingungen in der europäischen Schuhindustrie

Arbeiter in der Schuhindustrie in Mittel- und Südosteuropa verdienen oft weniger als in China, so das Ergebnis einer Studie der Clean Clothes Kampagne „Labour on a Shoestring“, die in Kooperation mit GLOBAL 2000 im Rahmen der internationalen Initiative „Change your Shoes“ erscheint. Ergänzt wird der Bericht durch eine Bewertung von 29 Schuhunternehmen, darunter sieben österreichische Marken. Europäische Unternehmen würden sich zu wenig darum kümmern, unter welchen Bedingungen ihre Schuhe produziert werden, lautete die Bilanz von Clean Clothes.

„Das Hauptproblem sind die viel zu niedrigen Löhne“, erklärt Kathrin Pelzer von der Clean Clothes Kampagne. Der gesetzliche Mindestlohn in Albanien, Mazedonien oder Rumänien liege mit 140 Euro, 145 Euro und 156 Euro pro Monat sogar noch unter dem von China. Weil viele Arbeiterinnen pro Stück statt pro Arbeitsstunde bezahlt würden, leisteten sie zudem unbezahlte Überstunden oder verzichten aus Produktivitätsgründen auf Sicherheitsmaßnahmen, die vor Chemikalien und Unfällen schützen. In vielen Fabriken sei es im Winter sehr kalt und im Sommer so heiß, dass immer wieder Arbeiterinnen kollabierten. Eine Familie zu gründen scheine vielen Arbeiterinnen nicht finanzierbar.

Die Studie
Im Rahmen der Studie wurden 29 Firmen, darunter sieben österreichischen Unternehmen, im Auftrag der AK Wien und AK OÖ befragt. Erhoben wurde unter anderem, ob existenzsichernde Löhne für ArbeiterInnen vorgesehen sind und welche Arbeitsschutzmaßnahmen vorausgesetzt werden. Die befragten Firmen wurden in fünf Kategorien eingeteilt: "Nichts zu sagen", "Zögerliche erste Schritte", "Kommt in die Gänge", "Auf gutem Weg", "Im Laufschritt voraus". Von den 29 Unternehmen konnte nach den Kriterien der Studie keines der besten Kategorie „Im Laufschritt voraus“ zugeordnet werden. Die Marken El Naturalista, Eurosko und Adidas schafften es in die zweitbeste Kategorie. Bei den in Österreich ansässigen Unternehmen schnitt die Firma Legero am besten ab, die mit ihrem Think! Chilli Schnürer einen Schuh mit dem Österreichischen Umweltzeichen im Angebot hat.

Mehr Transparenz gefordert
„Transparenz in der Zulieferkette ist bei Schuhunternehmen noch eine Seltenheit“, meint Elisabeth Schinzel. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in Europa, so Schinzel, lieferten Information über ihre Maßnahmen für faire Arbeitsbedingungen.  „Wir hoffen aber mit dieser ersten Bewertung, Firmen dazu motivieren zu können, Konsumenten und Konsumentinnen besser über die Herstellung ihrer Schuhe zu informieren, denn für viele Konsumenten zählen auch die ‚inneren Werte‘.“