08. Juni 2016

Eurocom wendet sich gegen Ausschreibung von Einlagen durch die AOK Sachsen-Anhalt

Mit einem dringlichen Appell, von ihrem Ausschreibungsvorhaben im Einlagenbereich abzusehen, hat sich der Industrieverband Eurocom an die AOK Sachsen-Anhalt gewandt. Orthopädische Einlagen, so Eurocom, eigneten sich per se nicht für Ausschreibungen. Die Patienten müssten sich auf deutliche Qualitätseinbußen bei der Versorgung mit Einlagen einstellen, wenn die AOK Sachsen-Anhalt an ihren Plänen festhalte. Die AOK Sachsen-Anhalt hatte unlängst mitgeteilt, ab dem 1. Oktober 2016 die Versorgung ihrer Versicherten mit Einlagen auszuschreiben. Die Ausschreibung wird in drei Gebietslosen erfolgen, die die Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau betreffen. Zuschlagskriterium ist der Preis.

In ihrem Schreiben an die AOK Sachsen-Anhalt verweist eurocom darauf, dass sich orthopädische Einlagen aufgrund ihres erheblichen Grades an handwerklicher Zurichtung und des hohen Dienstleistungsanteils nicht für Ausschreibungen eignen würden. Dies sei bereits in den 2009 vom GKV-Spitzenverband und den Leistungserbringerverbänden vereinbarten gemeinsamen Empfehlungen zur Zweckmäßigkeit von Ausschreibungen festgehalten worden.

Zudem käme die Ausschreibung zu einem völlig falschen Zeitpunkt. Angesichts der massiven Probleme mit Ausschreibungen im Inkontinenzbereich befasse sich der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages aktuell mit einem Gesetzesvorhaben, das eine bessere Qualität in der Hilfsmittelversorgung, insbesondere bei Ausschreibungen, sicherstellen soll. „Es ist zu erwarten, dass mit diesem Reformgesetz Rahmenbedingungen für künftige Ausschreibungen festgelegt werden“, so Dr. Ernst Pohlen, Geschäftsführer von eurocom. „Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, warum die AOK Sachsen-Anhalt ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt eine Ausschreibung ankündigt.“

Ein weiteres Problem sieht der Industrieverband in der flächendeckenden Versorgung mit für die Patienten akzeptablen Wegen zum. „Die Präqualifizierungskriterien sehen vor, dass Einlagen nur in zugelassenen Betrieben der Orthopädie-Technik und Orthopädieschuhtechnik mit Meisterpräsenz abgegeben werden können“, betont Dr. Pohlen. „Angesichts der in diesem Bereich vorherrschenden kleinen Betriebsgrößen und des Fachkräftemangels sehen wir hier erhebliche Probleme. Viele Ausschreibungsgewinner dürften nicht in der Lage sein, die Versorgung adäquat sicherzustellen.“

Nach Auffassung von eurocom sei die Versorgung mit Einlagen auch ohne Ausschreibungen für die Krankenkassen wirtschaftlich durchführbar. Für Einlagen gelten bereits seit vielen Jahren Festbeträge, die sich in der Praxis bewährt hätten. Dies und die Möglichkeit für die Versicherten, eine höherwertigere Versorgung gegen Übernahme der dadurch entstehenden Mehrkosten zu wählen, würde eine optimale Versorgung gewährleisten.

Die Eurocom, der nahezu alle im deutschen Markt operierenden europäischen Unternehmen aus den Bereichen Kompressionstherapie und  Orthopädische Hilfsmittel angehören, will sich in den kommenden Wochen auch in politischen Gesprächen dafür einsetzen, dass die AOK Sachsen-Anhalt ihre Ausschreibung wieder zurückzieht.

 (Quelle: Eurocom)