25. Mai 2016

Die Gesundheitshandwerke im Dialog mit dem Patientenbeauftragten

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Foto: ZDH/Agentur Bildschön
v.l.: Karl-Heinz Schneider, Uwe Breuer, Thomas Truckenbrod, Matthies, Marianne Frickel, Klaus-Jürgen Lotz, Karl-Josef Laumann, Werner Dierolf. (Fotos: ZDH/Agentur Bildschön)

Ende April 2016 fand in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin der Parlamentarische Abend der Gesundheitshandwerke statt. Der diesjährige Ehrengast war der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie der Bevollmächtigte für Pflege, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (Bundesministerium für Gesundheit). Diskutiert wurde über die Themen Prävention, E-Health und Hilfsmittelreform.

Bereits zum zweiten Mal war die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft Veranstaltungsort des Parlamentarischen Abends der Verbände der Gesundheitshandwerke. Die unmittelbare Nähe zum Bundestag garantierte auch in diesem Jahr eine Vielzahl an Gästen aus Politik und Selbstverwaltung.

Auf dem Spitzentreffen unterstrich Karl-Heinz Schneider, Vize-Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), dass das Handwerk für Qualität und Dienstleistungsorientierung steht. Der Präsident des Zentralverbands Orthopädieschuhtechnik (ZVOS), Werner Dierolf, skizzierte in seiner Begrüßungsrede eine Welt ohne Gesundheitshandwerke und verdeutlichte damit den hohen sozialen Stellenwert ihrer Leistungen für die Menschen. „Ohne die Gesundheitshandwerke würden mich die meisten nicht sehen, viele nicht richtig hören, das Buffet würde uns gleich nicht so schmecken, weil wir nicht kauen könnten. Manch ein gehandicapter Mensch hätte gar keine Chance hier und ansonsten teilzunehmen – ohne Prothesen, Rollstühle, Rollatoren… Und manch einer stünde nicht hier, weil längst wegen Diabetes die Füße amputiert wären, weil kein Diabetischer Schutzschuh Mobilität und im Endeffekt Leben rettet. Unser Land sähe komplett anders aus!", so Dierolf.

Meister als Gewähr für Qualität
Karl-Josef Laumann legte in seinem Statement gleich zu Beginn ein klares Bekenntnis pro Handwerk ab: „Der Meis­ter im Handwerk ist die beste Gewähr für hohe Qualität, Verbrauchersicherheit, Fachkräftesicherung und Leistungskraft. Wenn Sie daran festhalten, hat das Handwerk auch in der Zukunft den sprichwörtlichen goldenen Boden!" Anschließend skizzierte der Patientenbeauftragte seine Pläne zur Reform im Hilfsmittelbereich. Dazu gehöre insbesondere die Überarbeitung des Hilfsmittelverzeichnisses hinsichtlich Aktualisierung und Qualitätskriterien. Aber auch das Thema Kostentransparenz müsse angegangen werden. Darüber hinaus müsse die Kooperation der Professionen im Gesundheitswesen verbessert werden. Dazu gehört für Laumann auch, dass Berufsgruppen Tätigkeiten übernehmen, zu denen sie fachlich und technisch in der Lage sind, bei denen aber das derzeitige Standesrecht Grenzen aufzeige.

E-Health-Gesetz: Gesundheitshandwerke einbeziehen
In der anschließenden Diskussion zeigte Marianne Frickel (Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, biha) die leider vergeblichen Bemühungen der Gesundheitshandwerke im Gesetzgebungsverfahren zum sogenannten E-Health-Gesetz auf, von Anfang an Zugang zur Telematikinfrastruktur zu erhalten. „Die ausschließliche Berücksichtigung der approbierten Professionen
diskriminiert die nicht-ärztlichen Leis­tungserbringer und behindert ein sach­orientiertes Versorgungsgeschehen. Das kann nicht im Sinne der Patientinnen und Patienten sein", sagte Frickel. Man werde jedoch alles daran setzen, die Beteiligung weiterer Leistungserbringer zügig auf anderen Wegen voranzubringen. Hierfür bekam sie die Unterstützung des Patientenbeauftragten. Er machte jedoch deutlich, dass der Datenschutz in diesem sensiblen Feld immer gewährleis­tet sein müsse und jeder Leistungserbringer tatsächlich auch nur die Informationen erhalten dürfe, die für die Versorgung nötig sind.

Prävention stärken – mit den?Gesundheitshandwerken
Uwe Breuer (Präsident des Verbands Deut­scher Zahntechniker-Innungen, VDZI) erläuterte die Präventionsvorhaben (Screening 55+) der Gesundheitshandwerke. Die Folgen des demographischen Wandels sprechen deutlich dafür, die Kompetenzen der Gesundheitshandwerke stärker in die Überlegungen zu einer Anpassung der Versorgungsstrukturen einzubeziehen. Breuer erklärte: „Wir wollen mit diesem Projekt die Gesundheitspolitik daran erinnern, dass es auch bei den Gesundheitshandwerken bisher unausgeschöpftes Wissen und Können gibt, das man bei einer solchen Diskussion nicht vergessen darf." Diese Hinweise griff Staatssekretär Laumann auf und plädierte für mehr Augenhöhe zwischen den approbierten und nicht-approbierten Professionen.

Keine Preispolitik auf Kosten der Patienten
Die Gesundheitshandwerke setzen sich seit jeher für eine Stärkung kollektiv-vertraglicher Strukturen ein. Derartige Verträge, so wurde betont, schaffen die notwendige Balance zwischen den überwiegend finanziellen Belangen der Krankenkassen und den versorgungspolitischen Anliegen der kleinen und mittleren Leistungserbringer. Selektiv-Verträge und Ausschreibungen hingegen unterwandern einen fairen Interessenausgleich zum Wohle der Patienten und Patientinnen.

„Wir erleben zunehmend ein Diktat der Krankenkassen im Bereich der Versorgungsverträge. Die Erfahrungen der letzten Jahre insbesondere mit Ausschreibungen haben deutlich gezeigt, wie sehr diese Preispolitik auf Kosten der Patientenversorgung geht. Die Gesetzgebung muss hier den Krankenkassen klare Grenzen setzen. Es kann nicht sein, dass allein der Preis bestimmt“, sagte Klaus-Jürgen Lotz (Präsident Bundesinnungsverbands für Orthopädietechnik, BIV OT). Auch in diesem Punkt signalisierte der Patientenbeauftragte seine Zustimmung und kündigte an, dass zukünftig die Versorgungsqualität stärker durch die Krankenkassen überwacht und im konkreten Fall gegengesteuert werden muss.

Thomas Truckenbrod (Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen, ZVA) fand zum Abschluss deutliche Worte für den Erfolg der Gesundheitshandwerke: „Das, was die Qualität der Gesundheitshandwerke ausmacht, ist zu großen Teilen unserem Ausbildungssystem geschuldet. Damit sind wir auf den demographischen Wandel vorbereitet und können uns aktiv in das Versorgunggeschehen einbringen." Der weitere Verlauf des Abends war geprägt von  intensiven Gesprächen unter den Gästen, die erst zu später Stunde ihren Ausklang fanden.