27. April 2016

Kinderhausschuhe und Handtaschen im Visier von Öko-Test - HDS/L nimmt Stellung

In der April-Ausgabe der Zeitschrift Öko-Test (Erscheinungstermin 31. März 2016) wurden Testergebnisse für Kinderhausschuhe und Handtaschen aus nichtledernen Materialien veröffentlicht. Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) kritisierte eine mangelnde Transparenz der Studie sowie eine willkürliche Festlegung der Bewertungskriterien.

„Wie bei vorhergehenden Untersuchungen legt Öko-Test auch in diesem Fall eigene Bewertungskriterien zugrunde. Die Grenzwerte dieser Bewertungskriterien scheinen häufig willkürlich entstanden zu sein. Immer wieder ändert Öko-Test unangekündigt und ohne Übergangsfristen Prüfparameter und Grenzwerte. Es ist nicht auszuschließen, dass bei einer weiteren Testrunde neue Parameter hinzukommen und Grenzwerte verschärft werden. Öko-Test nimmt dabei in Kauf, dass auch Produkte, die alle gesetzlichen Vorgaben einhalten oder sogar weit unterschreiten, negativ bewertet werden“, kritisiert HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert die Vorgehensweise des Magazins. Die Beurteilung der Öko-Test Grenzwerte im Hinblick auf ihre toxikologische und ökologische Relevanz falle schwer. „Wir bedauern es sehr, dass der Verlag immer wieder für sich in Anspruch nimmt, eigene Grenzwerte bei seinen Tests festzulegen. Die gesetzlichen Vorgaben spielen da nur eine untergeordnete Rolle. Damit wird es natürlich für den Laien sehr schwer solche Testergebnisse zu beurteilen.“

Taschen aus nichtledernen Materialien
Öko-Test benutzt in seiner Berichterstattung über Taschen aus nichtledernen Materialien das Kunstwort „Kunstleder“, das im wissenschaftlichen Sinne gar nicht existiert, stellt der HDS/L klar. Öko-Test testete 15 Taschen, von bekannten Marken bis hin zu Handelsmarken. Bis auf drei Artikel wurden alle Taschen mit mangelhaft oder ungenügend bewertet. Vor allem die laut Öko-Test deutlich erhöhten Mengen an PAK und zinnorganischen Verbindungen wurden kritisiert. "Für ein Land, das weltweit zu denen mit den strengsten gesetzlichen Vorgaben gehört, ist das schon ein erstaunliches Ergebnis", heißt es in der Pressemitteilung des HDS/L. "Üblicherweise werden Grenzwerte von unabhängigen Expertengremien diskutiert, begründet und verabschiedet. Bei Öko-Test vermissen wir diese Transparenz. Dadurch ist es für Industrie und Handel unmöglich, sich mit den Befunden auseinanderzusetzen und eventuell vorhandene Verbesserungspotenziale auszuloten. Und die Verbraucher werden verunsichert“, sagt Manfred Junkert.

Kinderhausschuhe
Unter den 14 getesteten Kinderhausschuhen sind auch Modelle der WMS-Lizenznehmer Elefanten und Superfit, teilt der HDS/L mit. „Wir können das schlechte Abschneiden dieser Hausschuhe nicht nachvollziehen“, sagt Manfred Junkert. Alle WMS-Lizenznehmer hätten sich verpflichtet, weit über die gesetzlich geregelten Parameter hinaus freiwillig auf kritische Substanzen zu verzichten. Die Grenzwerte für kritische Substanzen in WMS-Schuhen richteten sich nach den aktuell gültigen SG-Kriterien für Schuhe bzw. nach Ökotex Standard 100 für textile Materialien. Auch diese Kriterien seien strenger als die Kriterien der EU-Umweltblume und des Blauen Engels für Schuhe. Diese Zeichen würden gewährleisten, dass nach dem heutigen Erkenntnisstand keine Gefahren für die Gesundheit zu befürchten sind. Junkert verwies darauf, dass der SG-Prüfkriterienkatalog für Schuhe von Experten der beteiligten Institute (TÜV, Fresenius, PFI) auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt wurde.

"Wir stellen einmal mehr mit Bedauern fest, dass sich die Grundlagen der Prüfungsmethoden von Öko-Test nicht nachvollziehen lassen. Wir vermissen hier jegliche Transparenz. Es ist für uns daher sehr schwierig, mit diesen Ergebnissen umzugehen. Das gilt nicht zuletzt für die Verbraucher: Eine solche Berichterstattung verunsichert die Eltern ohne Grund."