22. November 2017

Neuer Vorstand leitet Generationenwechsel ein

Vorstand_NRW_klein ostechnik.de - Neuer Vorstand leitet Generationenwechsel ein
Für den neuen Vorstand gab es von der Geschäftsstelle eine bunte Tüte (v.l.): Beisitzer Diethelm Vogel, Lehrlingswart Dirk Klein, Stellvertretender Obermeister Michael Volkery, Beisitzer Klaus Diedenhoven, Obermeister Philipp Radtke und Rainer Schmenk, weiterer Stellvertreter. (Foto: Christiane Mahnke)

Der langjährige Vorsitzende der Innung für Orthopädieschuhtechnik Rheinland-Westfalen, Ludwig Vorholt, tritt aus Altersgründen bei Neuwahlen nicht mehr an. Sein Nachfolger Philipp Radtke aus Lünen ist einer der jüngsten Landesinnungs- und Obermeister seiner Zunft.

Etwas zu beginnen erfordert Mut, etwas zu beenden noch mehr, so eine bekannte Lyrikerin. Beides hat Landesinnungs- und Obermeister Ludwig Vorholt in den vergangenen Jahren während seiner Zeit an der Spitze des Verbandes und der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Rheinland/Westfalen bewiesen. Mitte November legte der 60-Jährige sein Amt – trotz ungebremster Leidenschaft für sein Handwerk – wie von ihm geplant in jüngere Hände. „Jetzt ist mal der Nachwuchs dran“, lautete Vorholts Begründung und Credo für die turnusgemäßen Neuwahlen zum Gesamtvorstand während der Herbstversammlung der Innung Mitte November. So folgt Philipp Radtke aus Lünen mit gerade einmal 38 Jahren im Amt und ist damit einer der jüngsten Obermeister seiner Zunft in der Bundesrepublik. Auch der langjährige stellvertretende Landesinnungsmeister Christoph Wallenborn aus Köln machte der jüngeren Generation Platz und verzichtete auf eine Kandidatur. Neue Stellvertreter im Innungsverband sind Michael Volkery aus Unna und Werner Siebelhoff aus Dortmund. Für Vorholt aber heißt es: „Eine erfolgreiche Ära geht zu Ende“ – da waren sich die 300 Innungsmitglieder bei seiner Verabschiedung einig.

„Herr Vorholt ist kein Fähnchen im Wind"
Stehende Ovationen und minutenlanger Beifall brandete auf, als Geschäftsführerin Irene Zamponi eine bewegende und zugleich sehr persönliche Rede zum Abschied „ihres Chefs“ hielt. „Eine Aufgabe, die ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge erfülle“, sagte sie. Das lachende Auge beziehe sich auf die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit sowie wichtige Weichenstellungen für jedes einzelne Innungsmitglied. Das weinende Auge gelte der Persönlichkeit Vorholts, den die Geschäftsführerin als bodenständigen, besonnenen und vorausschauenden, aber auch anspruchsvollen Charakter beschrieb, dem es stets darum ging, Interessen zum Ausgleich und auf einen Nenner zu bringen. „Herr Vorholt ist kein Fähnchen im Wind. Er verspricht nichts, was er hinterher nicht halten kann“, sagte sie. „Und es gilt für ihn: bei fester Überzeugung offen für den Standpunkt und das Argument des anderen. In der täglichen Zusammenarbeit hieß das, dass er Menschen seines Vertrauens hat machen lassen, sich aber zugleich intensiv einbrachte, wenn es wichtig wurde.“


Aus neun mach eins: Fusion in 2006 zur Großinnung ist prägend
Es geht Vorholt eben um die Sache, nicht um seine Person. Das wurde auch bei seiner Dankesrede einmal mehr deutlich. „Nur gemeinsam ist man stark“, lautete sein Resümee einer erfolgreichen Arbeit des Gesamtvorstandes, zu der jedes Mitglied dieses Gremiums beigetragen habe. Die Handschrift dieses Gesamtvorstandes ist heute noch präsent und prägend: Nach der Fusion der vormals neun Einzelinnungen zu einer Großinnung Rheinland/Westfalen im Jahr 2006 installierte das Gremium eine eigene Geschäftsstelle – „eine gut funktionierende Verwaltungseinheit, die trotzdem als Arbeitgeberverband der Kreishandwerkerschaft eng verbunden ist“, so Vorholt. „Ich glaube, dass wir dieses Vorhaben gut in die Tat umgesetzt haben“, zog er ein Fazit, das der Gesamtvorstand einhellig begrüßte. Die Triebfeder seines Handelns wurde dem Schalke-Fan „in die Wiege“ gelegt. Sein Vater war im Jahr 1969  bereits Gründungsmitglied der Innung Emscher-Lippe und des Landesverbandes Westfalen. 1990 folgte der Junior dem Senior als Vorstandsmitglied und verfolgte seitdem den Zusammenschluss zu einer Landesinnung Nordrhein-Westfalen. Ziel war es stets, sich als Dienstleister für das von Kleinbetrieben geprägte Handwerk zu engagieren.


Künftiges Augenmerk gilt Image und Bürokratieabbau
In Philipp Radtke sieht Vorholt einen sehr talentierten und geeigneten Nachfolger, dem er „beruhigt den Staffelstab des Landesinnungs- und Obermeisters in die Hände legt“, so Vorholt. Er wünsche dem aus Lünen stammenden Orthopädieschuhmachermeister Ausdauer, Tatkraft und Geduld. Radtke wurde ohne Gegenstimme zum neuen Innungschef gewählt. Sein Augenmerk will er vor allem auf die Entbürokratisierung in der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und Spitzenverbänden richten und das Image des Gewerks verbessern. An seiner Seite stehen im neu gewählten Vorstand als Stellvertreter Michael Volkery aus Unna und Rainer Schmenk aus Duisburg. Das Führungstrio wird unterstützt von den Beisitzern Klaus Diedenhoven aus Kleve und dem Sauerländer Diethelm Vogel, die von den Innungsmitgliedern mit großer Zustimmung erneut in den Vorstand gewählt wurden. Der Kölner Dirk Klein komplettiert das Gremium als neuer Lehrlingswart. Das heißt zugleich, dass ein weiterer „Aktivposten“ und zudem eine Säule des nordrhein-westfälischen Orthopädie-Schuhtechnikerhandwerks von Bord geht: Karl Schmenk aus Essen beendete ebenfalls aus  Altersgründen seine seit zwölf Jahren währende Tätigkeit als Lehrlingswart. Der „Mister ÜBL“ und Mitgestalter der überbetrieblichen Ausbildung auf Landes- und Bundesebene erhielt nebst stehenden Ovationen auch einen hochwertigen Präsentkorb als Dankeschön.  


Sichtlich gerührt: Vorholt wird erster Ehrenobermeister
Schöne Geste zum Abschluss: Als erste Amtshandlung ernannte Radtke nach einstimmigem Votum der Mitglieder seinen Vorgänger zum Ehrenobermeister und überreichte dem sichtlich gerührten Vorholt die Urkunde der Handwerkskammer Düsseldorf „in Anerkennung und Würdigung seiner verdienstvollen Tätigkeit“.

Christiane Mahnke