01. Februar 2008

Nichts überstürzen

(1.2.08) Nachdem die Verhandlungen zwischen dem Zentralverband Orthopädieschuhtechnik und der DAK über einen Vertrag zur Schuhversorgung nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kamen, hat die DAK mit anderen Vereinigungen und Leistungserbringern Verträge geschlossen. Was tun, um weiterhin die Patienten versorgen zu dürfen? Auf keinen Fall irgendetwas überstürzen, meint Zentralverbandspräsident Werner Dierolf im Interview mit der Zeitschrift Orthopädieschuhtechnik.

Herr Dierolf, viele Betriebe sind nun verunsichert wie es weitergeht. Einige der Vertragspartner werben bereits heftig um neue Mitglieder aus der Orthopädieschuhtechnik. Wie sollen sich die Betriebe verhalten?
Ich kann gut verstehen, dass sich unsere Mitglieder Sorgen machen. Aber es besteht absolut kein Grund, sich überstürzt irgendwem anzuschließen. Die DAK konnte diese Verträge nur abschließen, weil nach der Ausnahmeregelung des § 126, SGB V noch alle Betriebe bis zum Jahresende lieferberechtigt sind. Wenn alle Nicht-Vertragspartner ab morgen keine DAK-Versicherten mehr annähmen, würde die Versorgung in vielen Regionen zusammenbrechen, vor allem natürlich in den Flächenländern beziehungsweise ländlichen Gebieten.
Im Grunde sind die DAK und ihre Vertragspartner in der Not. Die DAK weiß nicht, auf wie viele Vertragspartner sie zählen kann, aber sie weiß, dass es zu wenig sind, um die gesetzlich geforderte wohnortnahe Versorgung bundesweit sicher zu stellen. Daraus erklären sich die heftigen Anwerbeversuche von Orthopädieschuhtechnik-Betrieben, die ja teilweise mit Unterstützung der DAK stattfinden. Die DAK will das Jahr nutzen, genügend Betriebe für eine flächendeckende Versorgung zu gewinnen, denn ab 1. Januar 2009 sollen ja nur noch Vertragspartner versorgen dürfen. Die Frage ist, ob unsere Betriebe dafür den Steigbügelhalter spielen sollen. Ich meine, nein. Die wohnortnahe Versorgung ließe sich ganz einfach mit uns als Partner sicher stellen.

Jene Betriebe, die Mitglied einer Vereinigung sind, die einen Vertrag mit der DAK abgeschlossen haben, stehen nun vor der Frage, ob sie diesen Vertrag unterschreiben oder nicht ...
Wer einer Vereinigung angehört, die einen Vertrag abgeschlossen hat, mag vielleicht im ersten Moment aufatmen. Zu früh freuen sollte er sich nicht. Diese Verträge sind ab nächstem Jahr kündbar. Und es gibt keinerlei Garantie, dass die vereinbarten Preise stabil bleiben und dass seine Vereinigung auch mit den anderen Kassen zum Zug kommt. Und dann muss man sich auch überlegen, wo man noch Mitglied werden muss, um seine Stammkunden weiter versorgen zu können.

Wie würden Sie selbst in einer solchen Situation entscheiden?
Ich bin selbst Mitglied einer Vereinigung, die einen Vertrag abgeschlossen hat. Ich werde den Vertrag aber nicht unterschreiben, weil es dazu derzeit keinen Grund gibt. Und ich kann nur jedem raten, sich von niemandem unter Druck setzen zu lassen. Es besteht absolut kein Zwang, diesen Verträgen beizutreten. Jeder kann das für sich entscheiden.

Wie wird der Zentralverband auf die neue Situation reagieren? Flexibilität in der Vertragsgestaltung scheint gefragt zu sein.
Wir werden den Zentralverband strukturell so aufstellen, dass wir flexibel auf unterschiedliche Angebote reagieren können und damit auch künftig im Vertragsgeschehen eine führende Rolle spielen. Man darf nicht vergessen, dass die DAK zwar eine große, aber nicht die einzige Krankenkasse ist. Mit den anderen Kassen führen wir sehr konstruktive Gespräche.
Der Zentralverband ist unserer Überzeugung nach immer noch der beste Partner für die Kassen. Und das bleibt er auch, wenn alle Mitglieder geschlossen hinter dem Zentralverband stehen und nicht zu anderen Vereinigungen abwandern. Jetzt ist die Solidarität im Handwerk gefragt. Wer nicht will, dass er künftig einen wesentlichen Teil seines Umsatz für Gebühren aufwendet, um überhaupt liefern zu dürfen, der hält jetzt dem Zentralverband die Stange und tritt dem DAK-Vertrag nicht bei. Unser Ziel ist ganz klar: Jedes Innungsmitglied muss auch weiterhin alle Patienten versorgen können, ohne irgendwo zusätzliche Gebühren bezahlen zu müssen.

(Das komplette Interview finden Sie in der Ausgabe 2/08 der Orthopädieschuhtechnik).