08. Februar 2008

Prävention ist nicht gleich Kosten sparen

(8. 2. 2008) Niederländische Wissenschaftler sind im Auftrag des Gesundheitsministeriums in Den Haag der Frage nachgegangen, wie effektiv Präventionsprogramme gegen Adipositas sind. Tenor der Studie, über die Anfang der Woche die Stuttgarter Nachrichten berichteten: Eine effektive Prävention der Adipositas senkt zwar die Kosten, die bei der Behandlung von Folgekrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck anfallen. Doch insgesamt sind vorbeugende Maßnahmen kein Mittel gegen steigende Gesundheitsausgaben, wie Präventionsbefürworter stets argumentieren.

Die entscheidende Rechengröße der Niederländer ist die durchschnittliche Lebenserwartung. Übergewichtige haben im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen eine um vier Jahre reduzierte Lebenszeit von 80 Jahren. Raucher stehen mit 77 Jahren noch etwas schlechter da. Weil Menschen desto höhere Gesundheitsausgaben verursachen, je länger sie leben, schneiden die Gesundheitsbewussten in der Kostenbilanz schlechter ab.


Für Oliver Schöffski, Gesundheitsökonom an der Universität Erlangen-Nürnberg, ist Prävention trotz dieser Ergebnisse unverzichtbar. Sie verbessere die medizinische Versorgung. Zugleich räumt er jedoch in den Stuttgarter Nachrichten mit zwei verbreiteten Trugschlüssen auf: „Erstens ist es falsch, zu erwarten, dass anfallende Präventionskosten an anderer Stelle im Gesundheitswesen wieder reingeholt werden könnten. Zweitens ist Prävention nicht schon allein deshalb gerechtfertigt, weil es Prävention ist.“ Vorbeugende Maßnahmen müssten sich wie alle medizinischen Leistungen anhand harter Daten rechtfertigen lassen. Schöffski: „Die Mittel sind knapp. Man muss immer fragen, wo man mehr fürs Geld bekommt.“ Da könne es sinnvoller sein, zusätzliche Mittel in die Krebsforschung statt in eine Kampagne gegen Fettleibigkeit zu stecken.

Zum Originalbeitrag aus den Stuttgarter Nachrichten