29. Juli 2016

Vorfußentlastungsschuh bei Diabetischem Fußsyndrom

4_4_2 ostechnik.de - Vorfußentlastungsschuh  bei Diabetischem Fußsyndrom

Eine Stellungnahme der Initiative Chronische Wunde e. V.  
Von K. Kröger, A. Bültemann, J. Dissemond, V. Gerber, B. Jäger, C. Münter


Zusammenfassung
Ein Vorfußentlastungsschuh ist ein preisgünstiges und effektives Mittel zur Ent­lastung des Vorfußes. Bei einem Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom ist der Vorfußentlastungsschuh aber häufig nicht in der Lage, genau diese Entlastung sicher zu stellen.

Dies liegt nicht am Vorfußentlastungsschuh, sondern am komplexen Zusammenspiel von diabetischer Polyneuropathie, Bewegungsablauf und Schuh. Die Verordnung und Anwendung eines Vor­fußentlas­tungsschuhs bei einem Patienten mit ­diabetischem Fußsyndrom und einer schlecht heilenden Wunde am Vorfuß ist in den meisten Fällen nicht sachgerecht und damit falsch.

Die nachfolgende Stellungnahme der Initiative Chronische Wunden e. V. klärt   über diese Problematik auf und dient als Argumentationshilfe für die Fälle, in denen das Wundteam die Verordnung ­eines Vorfußentlastungsschuhs für nicht indiziert hält.

Das Gehen zählt wie das Stehen zu den Au­tomatismen und ist eine Verhaltensweise, die, nachdem wir sie als Kind einmal ge­lernt haben, selbsttätig vom Zentralnervensystem gesteuert wird.
Der Mensch ist ein Zehenballengänger   und rollt über den Vorfuß und die Zehen ab. Im Idealfall führen wir beim Gehen den angehobenen Fuß nach vorne, setzen ihn mit der Ferse auf und rollen über die laterale Fußseite ab. Sobald die Körpermitte über den aufgesetzten Fuß nach vorne verlagert wird, berührt nur noch der Fußballen den Boden und trägt unser ganzes Körpergewicht, da in diesem Moment der gegensei­tige Fuß bereits angehoben ist. Der Fußbal­len wird beim Ab­rollen entsprechend der Länge der Metatarsalknochen von lateral nach medial belastet, so dass zuletzt nur noch der erste Zeh den Boden berührt, bevor der Fuß erneut angehoben wird.
Je schneller wir gehen, desto kürzer sind die Belastungszeiten. Je langsamer wir gehen, desto länger sind sie. Je größer die Auflagefläche ist, desto geringer sind die lokalen Druckspitzen.

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