29. Juli 2016

DGOOC-Beratungsausschuss Orthopädieschuhtechnik: Stellungnahme zu sensomotorisch wirkenden Fußorthesen (SMFO)

4_1_Seite_26 ostechnik.de - DGOOC-Beratungsausschuss Orthopädieschuhtechnik: Stellungnahme zu sensomotorisch  wirkenden Fußorthesen (SMFO)

Sensomotorische Einlagen – in der neuen Bezeichnung „sensomotorische Fußorthesen“ – werden seit über 15 Jahren in der Orthopädieschuhtechnik eingesetzt. In die allgemeine Kostenerstattung der gesetzlichen Krankenkassen haben sie bislang noch nicht Eingang gefunden. Gründe hierfür sind, dass es bislang erst wenige wissenschaftliche Studien dazu gibt, aber auch das Fehlen verbindlicher Kriterien für die Indikationen und die handwerkliche Ausführung.

Der Beratungsausschuss der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) für das Orthopädieschuhmacherhandwerk, hat die Konzepte und Studien zu sensomotorischen Fußorthesen gesichtet und bewertet. In seiner Stellungnahme gibt er Hinweise, welche Kriterien bei der Verordnung und Ausführung dieser Fußorthesen beachtet werden müssen. Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir die Stellungnahme.

Dieses Papier nimmt zur Wirkung, den handwerklichen Voraussetzungen, der Evidenzlage der Literatur und zu Indikationsbereichen sogenannter „sensomotorischer“ Einlagen Stellung. Die o.g. AG hat sich dazu in insgesamt 3 Wochenendseminaren getroffen, es wurden die Empfehlungen in Unterarbeitsgruppen erarbeitet und anschließend wiederum im Plenum konsentiert. Die Literaturanalyse erfolgte über eine Metaanalyse zum Stichwort „sensomotorische Einlagen, sensomotorische Fußorthesen, afferenzstimulierende Einlagen“.

Generelle Vorbemerkungen:
Der Fuß ist ein hochsensibles, sensomotorisches Organ. Entwicklungsgeschichtlich war er in der Evolution zunächst ein Tast- und Greiforgan. Diese Funktion ging durch die Verwendung von Schuhwerk zwar zurück, eine Funktion des Fußes als Afferenzorgan ist aber verblieben.
Bei der Versorgung mit Einlagen/ Fußorthesen, über die gezielt Einfluss auf das motorische System genommen werden soll, können zwei grundsätzliche Versorgungsrichtungen unterschieden werden:
1. sogenannte sensomotorische, propriozeptive Fußorthesen (SMFO)
2. sogenannte „neurologische“ Einlagen, d.h. Fußorthesen bei neurologischen und neuroorthopädischen Krankheitsbildern.

Im Folgenden sollen derartige Versorgungen generell als sensomotorische Fußorthesen (SMFO) bezeichnet werden, um eine einheitliche Nomenklatur zu garantieren. Beide Versorgungskonzepte können in erster Linie durch den Aufbau der eingesetzten Einlagen unterschieden werden.
• Sensomotorische Fußorthesen zeichnen sich durch eine relativ starke Profilierung des fußseitigen Einlagen-Bereiches aus. Zudem werden in der Regel Elemente mit einer Härte von dreißig bis vierzig Shore eingesetzt. Die Höhen der Elemente variieren je nach Fuß-Areal, Alter des Patienten und zu versorgendem Beschwerdebild zwischen drei (Zehenbereich) bis zwanzig Millimeter (mediale Längswölbung beim Erwachsenen). ·
• Bei den als neurologisch bezeichneten Einlagen werden hingegen Elemente eingesetzt, deren Höhen von ein bis vier Millimetern variieren können und deren Härte zwischen dreißig und sechzig Shore liegt.
Der postulierte Hintergrund beider Versorgungsrichtungen ist, dass durch gezielte Reizsetzung in unterschiedlichen Arealen des plantaren Fußes über spezielle Fußorthesenelemente Einfluss auf das sensomotorische System und somit auf die motorische Kontrolle genommen werden kann. Als Folge der Reizsetzung sollen durch unter anderem veränderte Muskelaktivitäten verschiedene Beschwerden an den unteren Extremitäten, aber auch sekundär im Rumpfbereich zu versorgen sein.
Zu beachten ist, dass einerseits auch traditionell hergestellte orthopädische Einlagen generell sensomotorisch wirken, andererseits auch das Schuhwerk unspezifische Wirkungen auf die Sensorik des Fußes hat. Daher müssen für die sogenannten „sensomotorischen Fuß­orthesen“ besondere Anforderungen und Indikationskriterien gelten.
Konsens besteht unter allen Teilnehmern, dass schwerwiegende strukturelle Defizite, kontrakte Fehlstellungen, oder Veränderungen, die die therapeutische Zielsetzung einer „sensomotorischen Fußorthese (SMFO)" als nicht erreichbar erscheinen lassen, Kontraindikationen gegen die Abgabe einer derartigen Einlage sind.
Dieses Papier bezieht sich nicht auf „sensomotorische Fußorthesen (SMFO)“ für neuroorthopädische Krankheitsbilder. Daher sind in den Indikationsbereichen die neuroorthopädischen Krankheitsbilder (bspw. IcP) nicht aufgenommen. Der Grund dafür ist, dass es bei diesen Krankheitsbildern individuell stark unterschiedliche Ausprägungen gibt, die eine Systematisierung der Einlagenwirkungen schwierig erscheinen lassen.

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