04. Mai 2017

Zur Wirkung von Einlagen

Der Fuß ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Boden
Foto: minicell/fotolia

Von Wolfgang Laube, Michael Kaune und Gregor Pfaff

Zusammenfassung

Die Fußsohle ist die Schnittstelle Mensch–Boden. Sie hat sich mit dem Fuß zum „Sensor“ entwickelt, um die Informationen für die Gangsensomotorik und die posturalen Gleichgewichtsregulationen zur Verfügung zu stellen. Das Gehen basiert auf diesen Informationen mit folgenden Ein­fluss­faktoren:

Bodenbeschaffenheit, Konstruktion und Beschaffenheit der Schnittstelle Fußsohle – Boden, anatomische Struktur, sensomotorische Funk­tionen des Fußes einschließlich der Funktionskette bis zum Kopf und des cranio-mandibulären und optischen Sys­tems.

Es gibt intensive Anstrengungen, die ­klinisch positiven Erfahrungen mit Einlagen, also der gezielten Veränderung der Schnittstelle Mensch – Boden, aus biomechanischer und neurophysiologischer Sicht zu objektivieren. Die Untersuchungsansätze sind sehr umfangreich, vielgestaltig, variabel und nutzen verschiedene Einlagendesigns. So gibt es viele Wirkungsnachweise, aber auch uneinheitliche und negative Ergebnisse.

Einlagen führen zu einer verbesserten Diskriminationsfähigkeit des Sprunggelenks sowie einer verbesserten posturalen Kontrolle und damit Balancefähigkeit bei jungen und älteren Menschen. Des Weiteren kommt es zu einer positiven Beeinflussung von bestimmten koordinativen sportlichen Leistungen. Einlagen verändern das sensomotorische Innervationsmuster der Beinmuskulatur. Die lumbale Wirbelsäulenbelastung kann durch eine günstigere zeitliche Synchronisation zwischen destabilisierenden externen und muskulär stabilisierenden internen Kräften optimiert werden.

Die Wirkkette lautet: biomechanische Veränderung der Schnittstelle Mensch-Untergrund – biomechanische Beeinflussung und Veränderung der funktionellen Anatomie – Provokation eines veränderten Afferenz- und Reafferenzmusters – angepasste Modifikation beziehungsweise Veränderung des sensomotorischen Programms, da das sensorische Afferenzmus­ter über dessen neuronale Verarbeitung direkt das motorische Efferenzmuster generiert.

Das Kind lernt das bipedale Gehen an der Hand der Eltern in der Regel zwischen dem 10. – 12. Lebensmonat und kann es zunächst noch sehr unkontrolliert und unsicher, aber selbstständig, zwischen dem zirka 14. – 16. Monat ausführen. Gemeinsam mit der Entwicklung der Gleichgewichtsorgane und des ­Gehirns qualifizieren sich bis zum ­18. – 20. Monat die posturalen Regulationen (diese verantworten das Gleichgewicht, die Balance) für das Gehen. Es wird fortschreitend sicherer. In den nächs­ten zirka fünf Jahren erreicht die Gangsensomotorik das Lern- beziehungsweise Qualitätsstadium der sogenannten „freien Verfügbarkeit“ (Meinel und Schnabel 1998). Das bedeutet, dass die posturalen Regulationen das Gehen und Laufen selbst bei sehr variablen äußeren Bedingungen nahezu zu 100 Prozent absichern. Stürze sind extrem selten beziehungsweise finden ausschließlich nur noch unter extremen gleichgewichtsstörenden Bedingungen statt. Die Gleichgewichtsregulation ist höchstgradig stabil und funktioniert absolut sicher und erfolgreich.

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