04. Oktober 2017

Diagnostik und Therapie der Gonarthrose

Gonarthrose
Darstellung einer deutlichen Varusfehlstellung mittels Lasar posture. Die Kraftlinie zeigt eine Verschiebung in den medialen Gelenkspalt.

Zusammenfassung

Die Kniearthrose führt zu Schmerzen, da der Gelenkknorpel verschleißt und die Gelenkinnenhaut schmerzhaft gereizt ist. ­Typischerweise entstehen Anlaufschmerzen zum Beispiel nach dem Aufstehen, aus dem Sitzen oder Liegen. Die Beweglichkeit des Kniegelenks vermindert sich und es können Reizergüsse entstehen, so dass das Kniegelenk nicht mehr gestreckt werden kann. Als Folge bildet sich eine zunehmende Fehlstatik des Beckens und der Wirbelsäule aus, die zu weiteren Problemen führen kann.

Als nicht-operative Behandlungsme­thoden kommen Muskelaufbautraining, Bandagen/Orthesen, Medikamente, Hyaluronsäure, Plated Rich Plasma-Injektionen ins Kniegelenk, physikalische Maßnahmen sowie Einlagen, Bandagen und Orthesen in Frage. Können die Schmerzen damit nicht mehr ausreichend gelindert werden, sind operative Maßnahmen angebracht. Im Frühstadium einer Arthrose führt man gelenkerhaltende Eingriffe durch. Bei hochgradiger Arthrose und/oder Instabilität ist eine gelenkersetzende Operation per Knieendoprothese (Knie-TEP) indiziert.

Definition und Epidemiologie

Historisch berichtet Sir Benjamin Collins Brodie 1821 über „Die Ulcerationen des Gelenkknorpels“. Der berühmte Berliner Pathologe Rudolf Virchow prägt 1863 den Begriff Arthrosis deformans. Und schließlich begründet Hackenbroch sen. (1968) die moderne Arthrosetheorie.

Definitionsgemäß handelt es sich bei der Kniegelenkarthrose um einen Verschleiß des Kniegelenkes. Ursache für diesen Verschleiß ist das Missverhältnis mechanischer Resistenz des Gelenkknorpels und seiner mechanischen Beanspruchung.

Epidemiologisch entwickelt sich bei 8 bis 10 Prozent der Bevölkerung eine Kniegelenkarthrose. Prävelenzfaktoren sind höheres Alter, Über- aber auch Untergewicht und niedriges Bildungsniveau (Michael 2010, Dillon 2006). Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Flechtenmacher berichtete 2014 auf dem DKOU Kongress über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Arthrose: So gehen 70000 verlorene Erwerbstätigkeitsjahre und zehn Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf das Konto der häufigs­ten Gelenkerkrankung Arthrose; dabei sei die häufigste Ursache die Kniegelenksarthrose, so Flechtenmacher, mit sieben Milliarden Euro direkten Krankheitskosten.

Ursachen der Gonarthrose

Fehlbelastungen werden vor allem bei Achsenfehlstellungen der unteren Extremität, wie dem O- oder X-Bein gefunden. Hierdurch treten neben einer ungleichmäßigen Druckverteilung am Gelenk unphysiologische Scherkräfte an umschriebenen Arealen des hyalinen Knorpels auf (Abb. 1). Der Knorpel reißt ein und es entwickelt sich eine fortschreitende Chondromalazie (Knorpelverschleiß).

Die Gelenkinkongruenz kann sowohl nach Unfällen wie auch nach Operationen auftreten. Beispiele hierfür sind Bandverletzungen am Kniegelenk, wie Kreuzbandrisse, Seitenbandrisse und/ oder auch Meniskusrisse sowie traumatische Knorpelverletzungen ebenso wie die Folgen von Gelenkbrüchen des Kniegelenkes (Abb. 2). Trotz guter operativer Rekonstruktion bleibt meist eine geringe Inkongruenz zurück.

Unter Störungen im subchondralen Knochen werden zum Beispiel Osteomalazie sowie lokalisierte Prozesse wie die Osteonekrose (Absterben eines Knorpel-Knochenbereiches durch Minderdurchblutung) verstanden. Das bei diesen ­Erkrankungen geschwächte Knochengerüst kann der auftretenden Belastung nicht widerstehen, was die Ursache einer Arthrose sein kann. Eine Sonderform, die meist bei älteren Menschen auftritt, ist der M. Ahlbäck.

Bei Systemerkrankungen seien hier vor allem die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises angesprochen, bei denen das Kniegelenk bis zu 70 - 80 Prozent mitbetroffen ist. Bei diesem Krankheitsbild kommt es auf enzymatischem Weg über immer wiederkehrende Ge­lenk­ergüsse zu Knorpelverschleiß und somit zur Arthrose.

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