13. März 2017

Der Spreizfuß

Ein Jahr nach Spreizfußkorrektur des Fußes

Zusammenfassung

Der Spreizfuß stellt eine dreidimensionale Strukturstörung des Fußes dar, die geprägt ist von einem Auseinanderweichen der Mittelfußknochen und einem Höhertreten der Köpfchen des ersten und fünften Mittelfußknochens. Neben einer seltenen, angeborenen Ursache kommen vor allem Übergewicht, eine verkürzte Wadenmuskulatur sowie Bandinstabilitäten bei der Entstehung des Spreizfußes in Betracht.

Durch die Verbreiterung des Vorfußes kommt es zu vermehrter Druckbelastung im Bereich des inneren Groß­zehengrundgelenkes und des äußeren Kleinzehengrundgelenkes. Durch die Druck­umverteilung zu Lasten der zweiten, dritten und vierten Mittelfußköpfchen entstehen dort schmerzhafte Schwielen, die im Falle der Hammerzehenentwicklung durch die damit verknüpfte Verlagerung des Fußsohlenpolsters vor die Mittelfußköpfchen noch verschärft werden können.

Die Behandlung ist primär konservativ mit Krankengymnastik, Einlagenversorgung und Schuhzurichtung. Nur bei Therapieresistenz kommen operative Verfahren zur Anwendung.

Der Spreizfuß ist eine der am häufig­s­ten gestellten Diagnosen in der Orthopädie. Dennoch gibt es wie bei kaum einer anderen Diagnose so wenig wissenschaftlich Fassbares und selbst in Lehrbüchern finden sich sehr kontroverse Auffassungen über die Pathobiomechanik, Entstehung und Behandlung. Selbst in der sonst so differenzierten amerikanischen Literatur der Fußärzte (Podiater) findet sich mittlerweile kein Eintrag zum „Splayfoot“ mehr. Teilaspekte des Spreizfußes werden unter Senkfuß, Plattfuß, Hallux valgus und Schneiderballen abgehandelt.

Dennoch scheint es gerade an dieser Stelle Sinn zu machen, den Spreizfuß mit seinen Teilaspekten einmal von Grund auf aufzuarbeiten Einigkeit herrscht darüber, dass dem Spreizfuß ein Auseinanderweichen der Mittelfußknochen zu eigen ist. Es gibt aber keine Angaben über exakte Winkelgrade, die die Grenze zwischen Normalen und Krankhaftem beschreiben.

Die Fußquergewölbe

Wenn das Augenmerk auf den Spreizfuß gelenkt wird, muss auch das Thema des queren Fußgewölbes in Betracht gezogen werden. Zum Thema Fußquergewölbe besteht ebenfalls keine Einigkeit und einige Orthopäden stellen seine Existenz gar in Abrede. Dabei kann im Atlas der Praktischen Anatomie von Lanz und Wachsmuth, in der Funktionellen Anatomie der Gelenke von Kapandji und in Hohmanns Buch über Fuß und Bein darüber nachgelesen werden und selbst Morton hat schon im Jahr 1935 eine schöne Abhandlung darüber geschrieben. Letztendlich demonstrieren zahlreiche Schnittbildgebungen (Kernspin- oder Computertomographien) des Fußes die Existenz eines hinteren queren Fußgewölbes, welches durch die Keilbeine und das Würfelbein gebildet wird, und die eines vorderen queren Fußgewölbes, welches durch die Mittelfußknochen seine Gestalt annimmt. Einige Fußexperten halten diese Bezeichnung für nicht korrekt, da die Mittelfußknochen, von den Basen abgesehen, keinen unmittelbaren Kontakt im Bereich ihrer Schäfte und Köpfchen mehr aufweisen, sondern mit Bändern verspannt sind. So ist die Bezeichnung „vordere Querverspannung beziehungsweise  Querwölbung des Fußes“ schärfer, da sich die einwirkenden Kräfte nicht wie bei dem statischen Konstrukt des Gewölbes auf die einzelnen Bestandteile umverteilen, sondern der Kraftschub von Bändern aufgefangen werden muss.

Selbstverständlich reichen beim gesunden Fuß alle Mittelfußköpfchen gleichermaßen auf das Fußsohlenpolster, sodass in diesem Areal kein relevanter querer Fußbogen mehr zu konstatieren ist. Da das plantare Fettpolster in der Fußmitte unter den Mittelfußköpfchen um wenige Millimeter dicker ist, könnte sogar auch dort ein queres Gewölbe propagiert werden.

Die natürliche Geometrie des Fußes

Wird das Fußskelett in der Röntgen­stand­aufnahme von oben betrachtet, ergibt sich ein natürliches Auseinanderweichen der Mittelfußknochen, welches seinen Ursprung in der Divergenz von Sprungbein und Fersenbein nehmen kann. Meistens bleibt der Winkel zwischen Sprung- und Fersenbein aber erhalten und der Fuß „fächert“ erst in der sogenannten Lisfrancschen Gelenklinie zwischen Mittelfußknochen und Fuß­wurzel auf. Dabei bilden der erste und fünfte Mittelfußknochen einen Winkel von über 30°.

Dabei zielt die Sprungbeinlängsachse normalerweise  zwischen den ersten und zweiten Mittelfußknochen und die Fersenbeinlängsachse verläuft parallel mit der Längsachse des fünften Mittelfußknochens (Abb. 1a). In der seitlichen Röntgenstandaufnahme des gesunden Fußes setzt sich die Längsachse des Sprungbeins im ersten Mittelfußknochen fort (Abb. 1b). Auf Grund der Form des Fersenbeins, welches das Sprungbein trägt, wird so das innere Fußlängsgewölbe gebildet. Auf der Fußaußenseite fügen sich Fersenbein, Würfelbein und der fünfte Mittelfußknochen zu einem relativ niedrigen äußeren Fußlängsgewölbe. Rückfuß, Fußwurzel und Mittelfuß bilden also ein Fußskelett mit einem Längs- und Quergewölbe.

Diese Gewölbe werden sowohl durch passive als auch durch dynamische Strukturen gehalten. Passive Strukturen sind zum einen die Fußknochen mit ihren speziellen Formgebungen, die größtenteils keilförmig sind und dadurch die Gewölbe durch sich selbst stützen. Außerdem zählen zu den passiven Strukturen auch die sehr starken und straffen Ligamente, die Druckkräfte in Zugkräfte umwandeln. Insbesondere der Plantarfaszie kommt hier große Bedeutung sowohl für die Längs- als auch für die Querverspannung zu (siehe auch Orthopädieschuh­technik 2/2016; 20-23).

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