06. April 2017

Lärmschutz in der Orthopädieschuhtechnik

laute Maschinen sind aus der Orthopädieschuhtechnik nicht wegzudenken
Foto: Fotogloria/ZVOS

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Tätigkeiten an lauten Maschinen sind aus der Orthopädieschuhtechnik nicht wegzudenken. Sie können zu Gehörschäden führen. Wie groß sind die Gefährdungen durch die einzelnen Tätigkeiten? Das hat der Messtechnische Dienst „Lärm“ der BG ETEM genauer untersucht. Heiko Kusserow, Lärmschutzexperte der BG ETEM, gibt Auskunft zu den Ergebnissen – und dazu, wie man sich schützen kann. Von Annette Switala

Herr Kusserow, muss man sich als Ortho­pädieschuhmacher Sorgen um sein Gehör machen?

Man sollte auf jeden Fall einige Vorkehrungen treffen, um sein Gehör gesund zu erhalten. Der durchschnittliche Lärmpegel, dem Ortho­pädieschuhmacher an einem 8-Stunden-Tag ausgesetzt sind – wir nennen das den Tages-Lärmexpositionspegel – liegt bei rund 84 dB(A). Der Wert, der als Grenze beispielsweise bei der Betrachtung von Berufskrankheiten gesetzt wird, liegt bei 85 dB(A). Der Gesetzgeber hat seinerseits Werte festgelegt, die als Schwelle für die Verpflichtung für Lärmschutzmaßnahmen durch den Arbeitgeber gelten. Der untere Auslösewert liegt da bei 80 dB(A), der obere bei 85 dB(A). Die Orthopädieschuhtechnik befindet sich mit ihrem Tages-Lärmexpositionspegel also knapp unter dem oberen Auslösewert, also nicht im roten, aber durchaus weit im gelben Bereich. Doch bei dem von uns als Ergebnis angegebenen Tages-Lärmexposi­tionspegel handelt es sich um einen Durchschnittswert. Bei den 45 Messtagen in verschiedenen Orthopädieschuhtechnik-Betrieben, die wir herangezogen haben, lagen 11 Messtage bei 85 dB(A) und darüber, an einem Tag ging der Wert bis 92 dB(A). Da sind wir in Bereichen, in denen Maßnahmen zum Gehörschutz getroffen werden müssen.

Welche Maßnahmen sind vorgeschrieben?

Laut der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung muss der Arbeitgeber ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) Gehörschutz bereitstellen, eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung und Unterweisung seiner Mitarbeiter durchführen und Angebote zur arbeitsmedizinischen Vorsorge machen. Ab 85 dB(A) ist es Pflicht, Gehörschutz zu tragen. Lärmbereiche müssen gekennzeichnet und wenn möglich abgegrenzt werden. Vorsorge muss ab 80 dB(A) angeboten werden, ab 85 dB(A) ist die Teilnahme daran Pflicht. Werte über 85 dB(A) traten in der Orthopädieschuhtechnik hauptsächlich dann auf, wenn an Maschinen gearbeitet wurde.

Sie haben in Ihrer Untersuchung zwischen  verschiedenen Tätigkeiten differenziert. Welche Arbeiten verdienen aus Ihrer Sicht beim Gehörschutz besonderes Augenmerk?

Besondere Beachtung muss man den Tätigkeiten an der Ausputzmaschine schen­ken. Mit einem Schalldruckpegel (LAeq) von 87,3 dB ist sie zwar nicht die lauteste Maschine in der Orthopädie­schuhtechnik, aber der Anteil an der täglichen Arbeitszeit ist sehr hoch – statis­tisch gesehen wird 31 Prozent des Arbeitstages daran gearbeitet, man ist also ein Drittel der Arbeitszeit allein durch die Ausputzmaschine gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt.

Bei einer logarithmischen Betrachtung des Lärmpegels sagt man, dass eine Lärm­pegel-Erhöhung von 3dB(A) die Einwirkzeit des Lärms halbiert. Das bedeutet, dass 88 dB(A) über vier Stunden genauso schädlich sind wie 85 dB(A) über acht Stunden. Und vier Stunden an der Ausputzmaschine kommen schnell zusammen. So betrachtet kann schon allein die Ausputzmaschine zu einem gehörschädigenden Lärm führen. Hinzu kommt, dass die Lärmpegel sehr stark davon abhängen, welche Materia­lien bearbeitet werden. Wir haben fest­gestellt, dass es beim Schleifen bestimmter Ma­terialien, zum Beispiel Carbon, zu Pegeln von bis zu 95 dB(A) kommen kann.

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