07. Juni 2021

Erfolgreicher Start des KomZet OST an allen drei Standorten

Multimedia-Tafeln im Unterricht. Foto: Frederic Großmann
FREDERIC GROSSMANN | CHRISTOPH SCHNELLER | ANNETTE KERKHOFF
 
Das Kompetenzzentrum Orthopädieschuhtechnik (KomZet OST) hat jetzt an allen drei Standorten seine Arbeit aufgenommen. Die damit eingeleitete Weiterentwicklung der drei Bildungsstandorte BfO Hannover1, BOSS Langen2 und MSS Siebenlehn3 wird zukünftig die professionellen, organisatorischen Rahmenbedingungen des modernen Wissenstransfers und der Wissensvernetzung innerhalb der gesamten Orthopädieschuhtechnik-Branche sicherstellen. 
1 Bundesfachschule für Orthopädieschuhtechnik Hannover – BfO, Niedersachsen
2 Bildungszentrum Orthopädie-Schuhtechnik Südwest – BOSS, Hessen
3 Meisterschule Orthopädieschuhtechnik Siebenlehn – MSS, Sachsen
 
Bereits im Oktober 2020 ist zunächst der Standort Langen und im Januar 2021 Siebenlehn mit der Umsetzung der geförderten Projekte gestartet. Jetzt folgte im März 2021 der Start in Hannover. „Nachdem das erste Kennenlernen digital schon sehr gut geklappt hat, freuen wir uns gemeinsam darauf, das KomZet OST zu dem bereits in vorangegangenen Veröffentlichungen benannten Leuchtturm der Branche werden zu lassen“, so Dr. Annette Kerkhoff, Projektleiterin des Kompetenzzentrums. Die bewilligten standortbezogenen sowie die standortübergreifenden Projekte werden von den jeweiligen Projektverantwortlichen und deren Kooperationspartnern umgesetzt. Die aufgeführten Vorhaben (Abb. 1) werden im Laufe der Förderphase unter der Verantwortung des jeweiligen Standortes durchgeführt. Die Kompetenzen sowie neues Wissen werden für das Kompetenzzentrum als Ganzes erarbeitet, da die Angebote und Kompetenzen trotz der Aufteilung standortübergreifend zugänglich sein werden. Von großem Vorteil ist dies gerade aufgrund der geographischen Verteilung der Standorte.
 
Auflistung der geförderten Projekte des KomZet OST. Grafik: KomZet OST
 
Die Zusammenarbeit der einzelnen Standorte im Rahmen der Förderphase wird auch in gemeinsamen Projekten deutlich. Das erste standortübergreifende Thema lautet: „Neues Wissen in die Fachdidaktik aller Lehrgangsstufen implementieren“. Zu diesem ersten Teilprojekt werden im Folgenden eine Bestandsaufnahme dargelegt und bereits erste Ergebnisse präsentiert.Vorab sei gesagt, dass dieses erste Teilprojekt nicht nur inhaltlich und fachlich eine große Rolle spielt, sondern auch entscheidend für den weiteren Projektablauf ist, um unsere Zusammenarbeit zu koordinieren. Dies ist gerade durch die aktuelle Ausnahmesituation besonders wichtig. Die bereits erkennbaren Erfolge zeigen, dass trotz der aktuellen Lage die Zusammenarbeit der einzelnen Teile des KomZets sehr gut funktioniert. Regelmäßige Meetings finden online statt (Abb. 2). Jeder der Standorte ist eng an die jeweils ortsansässige Meisterschule geknüpft. Daraus resultiert die Möglichkeit, auf kurzen Wegen Einfluss auf die aktuelle Wissensvermittlung im Bereich der Orthopädieschuhtechnik zu nehmen. Auch hier zeigt gerade die Corona-Pandemie den Wert eines modernen und zeitgemäßen Konzeptes zur Vermittlung der Lerninhalte in allen Lehrgangs­stufen, um beispielsweise Unterrichtseinschränkungen zu überbrücken. Bereits am BOSS sowie an der MSS fanden digitale Fernunterrichte mit positiver Resonanz statt. Aufgrund der stetigen Weiterentwicklung des Handwerks bedarf es aber auch einer stetigen Anpassung der Lerninhalte. Dies gilt sowohl für die Inhalte der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung im Rahmen der Berufsausbildung als auch in der Meisterausbildung. Zudem muss geprüft werden, welches Wissen darüber hinaus, zum Beispiel im Rahmen von Lehrgängen und Weiterbildungen, bereits jetzt und in Zukunft vermittelt werden sollte. Die Stärkung und Sicherung des Handwerks ist unser oberstes Ziel. Bei der Bearbeitung des ersten Teilprojektes wurde deshalb vor allem darauf geachtet, dass die durchgeführten Maßnahmen auch mittelfristig zu einer Qualitätssicherung in der Lehre führen.
 
Erstes gemeinsames digitales Teammeeting des KomZet OST (v. l. oben: ­Sandra Fischer, Frederic Großmann, Dr. Annette Kerkhoff; unten: Marion ­Limbach, Christoph Schneller). Foto: KerkhoffAktueller Stand
Um notwendige Schritte zu erkennen bedarf es einer Ist-Analyse. So wurden umfangreiche Befragungen von Schülern, Dozenten, Meistern und Mitarbeitern durchgeführt. Auf Grundlage dieser Befragungen wurde analysiert, in welchen Bereichen Veränderungen notwendig sind. Bei der Auswertung bestätigte sich unter anderem die Notwendigkeit zum Aufbau eines E-Learning-Systems. Die Umsetzung eines solchen Systems wird bereits durch den Standort Langen vorangetrieben. Hierzu wurden verschiedene Lern- und Videokonferenzplattformen überprüft, verglichen und bewertet. Es wurde mit zahlreichen Lehrern aus verschiedenen Schulformen kommuniziert und deren Erfahrungen im Bereich E-Learning gesammelt und bewertet. Zudem wurde ein Koordinator der Hessischen Lehrkräfteakademie im Dezernat Medien in mögliche Entscheidungsfindungen eingebunden. Zurzeit werden Anfragen bei Partnern für E-Learning Projekte vorbereitet. Die bisherige Auswertung der Ergebnisse hat zudem gezeigt, dass es langfristig sinnvoll ist, die Prüfungsordnung insbesondere der Meisterausbildungen an das neue Wissen anzupassen. Nur durch eine Aktualisierung der Prüfungsordnung ist eine nachhaltige Reaktion auf die Änderungen in der Branche möglich. Um das neue Wissen möglichst breit in die Branche zu tragen, ist es sinnvoll, in der nahen Zukunft entsprechende Seminare und Weiterbildungen anzubieten, um das lebenslange Lernen im Handwerk zu fördern und attraktiv zu gestalten. Dies spiegelt sich im weiteren Aufbau von zertifizierten Seminaren in Credit-Systemen wieder. Als weiteres Resultat der Analyse konnte festgestellt werden, dass besonders die fachliche Qualität der Dozenten als sehr gut bewertet wird. Dies ergibt sich aus der sehr praxisnahen Wissensvermittlung, da viele Dozenten selbst aktiv im Handwerk tätig sind. Anregungen gab es im Bereich der Didaktik. Gerade neue Lehrmedien und Lernmethoden werden zu selten angewendet. Moderne Medien zur Wissensvermittlung stellen teilweise noch eine Hürde dar. Um die Dozenten unter anderem auch hier zu unterstützen, wird die Konzeptionierung eines Weiterbildungsangebotes im Bereich der Didaktik im Handwerk angedacht. Dieses Angebot soll sich sowohl an Dozenten von Bildungseinrichtungen des Handwerks als auch an die Betriebe und deren Ausbilder selbst richten. Denn über die Grundausbildung hinaus geschieht auch ein Großteil der Wissensvermittlung innerhalb der Betriebe. Doch gerade in den Betrieben muss stets der Spagat zwischen Wissensvermittlung und effektiver Arbeit geschafft werden, denn am Ende kann nur mit wirtschaftlichem Erfolg auch Wissen weitergegeben werden. Um hier zu unterstützen soll im Rahmen der Weiterbildung ebenfalls aufgezeigt werden, wie sich praktisches und theoretisches Wissen im Tagesgeschäft vermitteln lässt. Neben diesen allgemeinen Umsetzungen im Rahmen des ersten Teilprojektes wurden an den einzelnen Standorten verschiedene Anpassungen durchgeführt, um die Wissensvermittlung zu optimieren. So wurden zum Beispiel in Siebenlehn und Langen Multimedia-Tafeln angeschafft (Abb. 3), die zeitnah in die Unterrichtsräume integriert werden. Damit kann eine noch bessere Wissensvermittlung auf aktuellem Stand gewährleistet werden. Dazu werden die Dozenten im Umgang mit der neuen Hard- und Software geschult. Zukünftig wird das KomZet OST an den drei Standorten zu den jeweiligen Schwerpunkten fachübergreifend Initiativen aus dem Handwerk, der Zulieferindustrie und den Hochschulen bündeln, um daraus verschiedene Projekte zu entwickeln. Wir möchten die Arbeit des Kompetenzzentrums so transparent wie möglich gestalten, damit die Branche auch aktiv an der Entstehung teilhaben kann. Bis zur Fertigstellung unserer Webseite erreichen Sie uns unter der angegebenen Kontaktadresse. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.
 
Anschrift für die Verfasser:
Dr. rer. nat. Annette Kerkhoff, Projektleitung
KomZet OST, Standort Hannover
Ricklinger Stadtweg 90 – 92, 30459 Hannover
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