07. Juni 2021

Hand in Hand mit dem Roboter

Werner Hampel, CEO der Robtec GmbH, leitete das Seminar. Foto: Franz Fischer
CHRISTINA BAUMGARTNER
 
Welches Potenzial haben Industrieroboter in der OST? Wie können sie in den Betrieben eingesetzt werden und welche Hürden gibt es dabei? Der Verein Praeparatio e.V. hat ein Seminar bei der Firma Robtec in Mainburg organisiert, um Orthopädieschuhmachern einen ersten Eindruck zu vermitteln. Während Roboter in der industriellen Fertigung schon lange eine wichtige Rolle spielen, sind sie in Handwerksbetrieben noch recht selten anzutreffen. Um herauszufinden, welche Möglichkeiten die Orthopädieschuhtechnik für den Einsatz von Industrierobotern bietet, hat der Verein Praeparatio e.V. am 21. April ein Seminar bei der Firma Robtec in Mainburg organisiert. Dort werden seit 1994 Industrieroboter programmiert und gewartet. „Eine Schulung dauert normalerweise drei Tage, da es aber zunächst einmal darum ging, einen ersten Eindruck zu bekommen, haben wir uns auf eine eintägige Veranstaltung beschränkt“, erzählt Franz Fischer, erster Vorsitzender von Praeparatio e.V. Gleich zu Beginn des Seminartages wurde erfasst, was für die insgesamt sechs Teilnehmer von besonderem Interesse war: Bei welchen Arbeitsgängen und wie flexibel können die Roboter eingesetzt werden? Auch Fragen zur Sicherheit und den benötigten Räumlichkeiten beschäftigten die Orthopädieschuhmacher. „Die Roboter können sehr vielfältig eingesetzt werden“, fasst Franz Fischer seine Eindrücke aus dem Seminar zusammen. „Einen Roboterarm kann man sich vorstellen wie einen verlängerten menschlichen Arm“, beschreibt der Orthopädieschuhmachermeister aus Amberg. „Vorne sind Greifer angebracht, an die vom Extruder über das elektrische Messer bis zum Kugelschreiber alle möglichen Geräte angebracht werden können“. 
 
Ein Roboter dieser Größe kommt bereits für den Einsatz in einem OST-Betrieb in Frage (l.). Durch das Steuergerät erhält der Roboter seine „Arbeitsanweisung“: Wie das funktioniert, durften alle Teilnehmer des Seminars selbst ausprobieren (r.). Fotos: Franz Fischer
 
Roboter statt Fräse?
In der Orthopädieschuhtechnik eignen sich Industrieroboter besonders für das Fräsen. „Vorteilhaft ist, dass der Roboter einen größeren Arbeitsbereich hat als eine normale Fräse, in diesem Fall 90 Zentimeter in alle Richtungen – der Roboter kann einen Kreis fahren“, erklärt Franz Fischer. Mit seinen sechs Achsen könne er beispielsweise rund um ein Holzstück fahren, das sei bei der Fräse nicht möglich. Ein weiterer Pluspunkt des Roboters: Er ist schwerer und damit auch stabiler als die Fräse. „Das ist für das Fräsen ebenfalls besonders günstig, da er eine höhere Geschwindigkeit erreichen und damit beispielsweise auch ein massives Stück Buchenholz fräsen kann“, so Fischer. Dabei arbeiten die Roboter auch noch sehr genau, wie er erklärt: Die Wiederholgenauigkeit (beschreibt, wie genau eine einmal angefahrene Position beim erneuten Anfahren erreicht wird) liege bei 0,1 Millimetern. Ein weiterer möglicher Einsatzbereich in einem OST-Betrieb sei neben dem Fräsen auch das Schneiden. Der Industrieroboter könnte dann zum Beispiel Decksohlen ausschneiden.
 
Sicherheitsbereich rund um den Roboter
Auch was es in punkto Sicherheit zu beachten gibt, erfuhren die Seminarteilnehmer: Beispielsweise, dass rund um den Roboter ein durch eine Absperrung gesicherter Bereich eingerichtet werden muss, der nicht betreten werden darf, wenn der Roboter in Betrieb ist. Neben der Vermittlung theoretischen Wissens standen auch praktische Übungen auf dem Programm: So durfte jeder der sechs Teilnehmer selbst Hand anlegen und dem Roboter über das Steuergerät eine Arbeitsanweisung erteilen. 
 
Sechs Seminarteilnehmer kamen am 21. April im bayerischen Mainburg zusammen, um sich über die Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern in der Orthopädieschuhtechnik zu informieren. Foto: Franz Fischer
 
„Wir haben gesehen, dass es funktioniert“
Zu dem Seminar inspiriert wurde Franz Fischer durch seinen Besuch in einem Orthopädietechnik-Betrieb, der bereits seit längerem einen Industrieroboter als Fräse für Korsettversorgungen nutzt. Dass Indus­trieroboter in Orthopädieschuhtechnik-Betrieben derzeit bereits eingesetzt werden, hält er für nicht sehr wahrscheinlich. Dass die Technik für die OST aber anwendbar sei, daran gebe es keinen Zweifel, so Fischer. Das habe auch das Seminar gezeigt, in dem ein Leisten-Datensatz verarbeitet wurde. „Wir haben gesehen, dass es funktioniert“, sagt Franz Fischer, das Handicap sei derzeit aber noch die teure Software. Da der Programmieraufwand für einen Sechs-Achs-Roboter deutlich höher ist als für eine Fräse mit vier Achsen, ist auch die Roboter-Software deutlich teurer. „Die Hardware ist dagegen durchaus erschwinglich“, meint Franz Fischer. Ein generalüberholter Roboter, der sich für den Einsatz in einem OST-Betrieb eignet, liege in der Preisspanne von 15 000 und 25 000 Euro. Im Vergleich dazu kostet eine Isofräse über 30 000 Euro, gibt Fischer zu bedenken. Dabei sei der Roboter stabiler und habe einen größeren Einsatzbereich. Sein Fazit: „Wir haben im Seminar einen guten ersten Eindruck von den Industrierobotern bekommen. Die Hardware macht einen guten Eindruck, die Bedienung ist nicht zu kompliziert und hat etliche Vorteile gegenüber einer normalen Fräse. Auch die Software ist einfach zu handhaben, der Knackpunkt hier ist aber noch der Kostenfaktor“. Derzeit plant Franz Fischer, das Thema Industrie­roboter in der Orthopädieschuhtechnik bei der Praeparatio-Hauptversammlung im November nochmals aufzugreifen.
 
Artikel als PDF herunterladen: