14. September 2021

Nachfolge ungewiss

Foto: cirquedesprit/AdobeStock

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WOLFGANG BEST | ANNETTE SWITALA | CHRISTINA BAUMGARTNER

Die Zahl der Betriebe in der Orthopädieschuhtechnik sinkt. Viele Inhaber, die das Rentenalter erreichen und ihren Betrieb abgeben wollen, finden keinen Nachfolger. Existenzgründungen sind selten geworden. Viele scheuen das Risiko und den Aufwand. Gelingt es, diesen Trend zu stoppen?

Am 1. Juli ist nach 37 Jahren Schluss. Dann schließen Christiane und Reinhart Schmidt ihren Orthopädieschuhtechnik-Betrieb in Pasewalk für immer zu. 1984 wurde der Betrieb in der DDR gegründet, und über all die Jahre war das Ehepaar – beide gelernte Orthopädieschuhmacher –  für ihre Patienten der Ansprechpartner für gutes Gehen. Das hätte nach dem Willen der beiden auch so bleiben sollen, wenn sie in Rente gehen. Schon vor Jahren hatten sie mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen, nachdem sich die beiden Kinder entschieden hatten, andere Berufe zu ergreifen.

Leider blieben alle Bemühungen erfolglos. Der Versuch, im nahegelegenen Polen einen Nachfolger zu finden, da in der Region viele Fachkräfte aus Polen in der medizinischen Versorgung tätig sind, scheiterte daran, dass es den Beruf des Orthopädieschuhmachers dort nicht gibt. Ein Jungmeister aus Niedersachsen zeigte ernsthaftes Interesse. Der Betrieb entsprach zwar genau seinen Vorstellungen, doch letztendlich sagte auch er ab. „Die Begründungen für die Absagen waren immer gleich“, berichtet Christiane Schmidt: Pasewalk liegt „am Ende der Welt“, ohne gute Infrastuktur und ohne „weiche“ Standortfaktoren. Dazu habe viele die ausufernde Bürokratie mit den Krankenkassen abgeschreckt, aber auch die Preisliste der dortigen AOK. 

Das Ehepaar Schmidt ist bei Weitem kein Einzelfall. Bei unseren Gesprächen mit OSM und einigen Innungen hörten wir immer wieder ähnliche Berichte über Betriebe, die nur schwer einen Nachfolger finden, und über die mangelnde Bereitschaft des Meisternachwuchses, einen Betrieb zu übernehmen oder einen eigenen Betrieb zu gründen.

„Die Zahl der Hauptbetriebe sinkt kontinuierlich“, berichtet Gerold Elkemann, Geschäftsführer der Landesinnung Bayern, „während die Zahl der Großbetriebe mit Filialen zunimmt“. „Es ist kein dramatisches Sterben“, erklärt die Innung Rheinland-Westfalen. Aber auch dort beobachtet man ein langsames Abschmelzen der Betriebszahlen. „380 Mitglieder hatte die Landesinnung Baden-Württemberg noch vor zehn Jahren. Heute sind es noch 270“, veranschaulicht Andreas Frühauf, Landesinnungsmeister Baden-Württemberg, wie sich auch ein langsamer Rückgang langfristig auf die Mitgliedszahlen auswirkt.

Stabil scheint die Lage in Thüringen zu sein, von wo Geschäftsführerin Sabine Arnold berichtet, dass sich Betriebsschließungen und Neugründungen noch die Waage halten.

Bernd Rosin-Lampertius, Geschäftsführer des Innungsverbandes Nord-Ost, beobachtet zwei Entwicklungen. Was die reine Anzahl der Betriebsstätten angeht, gebe es tendenziell einen Rückgang. Allerdings sei es in Ballungsräumen eher so, dass Betriebe übernommen werden und so die Zahl der Betriebsstätten dort gleichbleibt. In der Fläche komme es häufiger vor, dass Betriebe ganz aufhören oder geschlossen werden. Auf dem Land sei es häufig so, dass die Inhaber in eigenen Räumen arbeiten, vielleicht noch etwas Schuhhandel und Reparatur machen und so ein Auskommen bis zur Rente haben. Für eine erfolgreiche Fortführung oder Übernahme seien aber die Bedingungen im Umfeld oder der Region aufgrund mangelnder Infrastruktur und zunehmendem Ärztemagel oft schwierig. „Auch Betriebe, die wirtschaftlich gut aufgestellt sind, haben Probleme, einen Nachfolger zu finden“, so Rosin-Lampertius.

Zu viel Bürokratie

Auch bei den Gründen für die schwierige Nachfolgeregelung und die Scheu, eine Existenz zu gründen, scheint es bundesweit ähnliche Probleme zu geben. Eine „Ermüdung“ in Bezug auf die Bürokratie nennt es Bernd Rosin-Lampertius.

„Zu DDR-Zeiten habe ich mich einmal im Monat an einem Wochenende zu Hause an den Schreibkram gemacht“, erinnert sich Christiane Schmidt. „Jetzt bin ich täglich durchschnittlich die Hälfte meiner Arbeitszeit im Büro, obwohl unser Betrieb nicht größer geworden ist.“

„Die bürokratischen Anforderungen haben in den letzten Jahren massiv zugenommen“, weiß Andreas Frühauf aus vielen Rückmeldungen aus seiner Innung. Ein Beispiel seien die Anforderungen für die Präqualifizierung. Hier würden teilweise Umbauten gefordert, die in manchen Betrieben aus baurechtlichen Gründen gar nicht möglich seien. Die Präqualifizierungsanforderungen sieht auch Gerold Elkemann als eines der wesentlichen Hindernisse für eine Betriebsübergabe. Selbst wenn der Betrieb innerhalb der Familie weitergegeben wird, verliere der Betrieb sofort den Bestandsschutz und sehe sich oft mit räumlichen Anforderungen konfrontiert, die nicht umzusetzen seien.

Dass die Auflagen der Präqualifizierung für manche Inhaber den Ausschlag geben, ihren Betrieb zu schließen, berichtet auch die Innung Rheinland-Westfalen. Bei der Folge-Präqualifizierung habe es einige Inhaber gegeben, die sich dem Verfahren nicht mehr stellen wollten und den Betrieb aufgaben oder verkauften.

Frühauf beklagt auch die bürokratischen Auflagen in den Krankenkassenverträgen, die nicht nur enorm umfangreich, sondern oft auch undurchsichtig seien. Hinzu kommen die Anforderungen aus der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR), die zusätzliche Anforderungen an die Betriebsabläufe und die Dokumentation der eigenen Arbeit stellt. „Kleinere Betriebe haben nicht die Ressourcen, um das alles zu bewältigen und drohen vom Markt zu verschwinden“. Gegenüber größeren Filialbetrieben, die Personal für Verwaltungstätigkeiten abstellen können, seien die kleineren Betriebe hier im Nachteil. Daneben mache derzeit auch die Corona-Pandemie den Betrieben das Leben schwer.

Auch Sabine Arnold erhält Rückmeldungen von Betrieben, die berichten, dass der Verwaltungsaufwand in den Thüringer Betrieben zunehmend gestiegen ist. Die Innung versuche immer, Lösungen mit den Krankenkassen im Sinne der Betriebe auszuhandeln und die Betriebe zu unterstützen.

Keine Lust auf Selbstständigkeit?

Die angespannte Situation in den Betrieben scheint sich bei den potenziellen Nachfolgern herumgesprochen zu haben. Gerold Elkemann unterrichtet auch an der Meisterschule in Landshut und erfährt dort immer wieder, dass sich die meisten nach der Meisterprüfung lieber anstellen lassen wollen. Die Selbstständigkeit erscheine ihnen angesichts der Entwicklungen im Gesundheitswesen zu unsicher und zu aufwändig. „Dass es anderen Handwerksberufen nicht besser ergeht, ist kein Trost“, so Elkemann.

Bernd Rosin-Lampertius nimmt es als gesamtgesellschaftliches Problem wahr, dass es nicht mehr als sonderlich erstrebenswert gilt, selbst unternehmerisch aktiv zu werden. Das werde durch die aktuelle Situation noch verschärft. „Viele jüngere Inhaber, die vielleicht vor vier oder fünf Jahren einen Betrieb übernommen haben, waren geschockt, dass sie wegen der Corona-Pandemie auf einmal um ihre Existenz kämpfen mussten, obwohl sie vorher gut zurechtkamen. Die Ärzte verordneten nicht, die Patienten blieben aus. Alles, was sie sich aufgebaut hatten, war auf einmal weg.“ Einige hätten deshalb gesagt: „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich es nicht gemacht!“

Dass eine Festanstellung für Meisterschüler heute im Vordergrund steht, schlägt sich auch in Zahlen nieder. „Neugründungen sind uns in in den letzten Jahren sehr wenige bekannt“, sagt Andreas Frühauf. Gerold Elkemann, der die Mitgliederentwicklung in der Landesinnung genau verfolgt, bestätigt dies. Kaum jemand gehe noch das Risiko ein, einen eigenen Betrieb zu gründen.

Wo es keine Existenzgründer gibt, fehlt es auch an Nachfolgern für Inhaber, die ihren Betrieb abgeben wollen. Und so kommt es oft dazu, dass aus einem eigenständigen Betrieb nach einer Übergabe die Filiale eines größeren Betriebs wird. Häufig ist das ein Sanitätshaus, doch nicht unbedingt. So beobachtet die Innung Rheinland-Westfalen, dass Betriebe nach einem Verkauf eine Filiale eines Orthopädieschuhtechnik-Betriebes werden, der wächst und zum Beispiel Betriebe aus seiner Region übernimmt. Eine Entwicklung zu größeren Betrieben in der Orthopädieschuhtechnik hat auch Bernd Rosin-Lampertius beobachtet.

Betriebsübergabe frühzeitig planen

„Die Nachfolge gelingt am ehesten in der Familie, wenn die Kinder den Beruf ergreifen und den Betrieb auch übernehmen wollen“, ist die Erfahrung von Andreas Frühauf. Ist das nicht möglich, so rät er seinen Kollegen, nicht zu lange mit einer Übergabe zu warten.

 „Viele Betriebsinhaber gehen das Thema Nachfolge zu spät an und wundern sich dann, dass sie auf die Schnelle keinen Käufer für ihren Betrieb finden“, ist die Erfahrung von Thomas Ehrle, Vorstandsmitglied im Zentralverband Orthopädieschuhtechnik und selbst als Unternehmensberater aktiv. Mindestens drei Jahre rechnet Ehrle als Vorlauf für eine erfolgreiche Betriebsübergabe.

„Wer seinen Betrieb übergeben will, muss sich zunächst die Frage beantworten, was den eigenen Betrieb für einen Käufer interessant machen könnte“, so Ehrle. „Auch wenn man selbst noch gut mit einem Betrieb verdient, bedeutet dies nicht, dass ein Käufer den Preis bezahlt, den sich der Inhaber vorstellt. Denn der Käufer bewertet den Betrieb meist anders als man selbst“.

Potenzielle Käufer würden vor allem nach der Zukunftsfähigkeit eines Betriebes schauen. Dazu zählten, neben den Faktoren wie Standort und Umfeld (Kliniken, Arztpraxen, Ärztehäuser), auch der technische Stand der Werkstatt oder wann das letzte Mal modernisiert wurde.

Ob die Räume funktionell aufgeteilt und mit moderner Technik ausgestattet sind und qualifiziertes Personal im Betrieb bleibt, seien weitere wichtige Fragen. „Grundlegend ist natürlich, ob nach einem Eigentümerwechsel die räumlichen Anforderungen der Präqualifizierung erfüllt werden können“, erklärt Ehrle.

„Man muss die Braut hübsch machen“, meint er. Oft müsse in einem oder mehreren Bereichen nachgebessert werden und vielleicht in Technik investiert werden oder Schwerpunkte verstärkt werden, damit der Betrieb auch einen Käufer findet und einen angemessenen Preis erzielt. Dazu benötige man Zeit. „Eineinhalb bis zwei Jahre müssen Sie für die Verkaufsvorbereitungen veranschlagen“, so Ehrle. „Und dann sollte man noch mindestens ein Jahr einkalkulieren, bis man einen Käufer gefunden hat und mit ihm handelseinig wird“. Deshalb seien drei Jahre eher schon knapp veranschlagt. Sein Ratschlag sei deshalb, schon möglichst früh an eine mögliche Nachfolge zu denken.

Jetzt um Nachwuchs bemühen

Um die Betriebe hierbei zu unterstützen, hat die Landesinnung Thüringen zusammen mit der Handwerkskammer Erfurt zum Thema Nachfolge eine Online-Veranstaltung angeboten. Angesichts des steigenden Altersdurchschnittes der Betriebe hält sie für sehr wichtig, sich noch intensiver um den Nachwuchs zu bemühen. Die Nachfrage nach Fachkräften sei im gesamten Handwerk höher als das Angebot an Bewerbern. „Da müssen wir als Beruf transparenter werden und in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten“, betont Arnold. „Wenn wir unser Handwerk nicht so verkaufen, dass wir bei den Jugendlichen Interesse für eine Ausbildung wecken, dann wird es schwierig mit der Nachwuchsgewinnung.“ Aus diesem Grund sucht die Landesinnung Thüringen zum Beispiel durch einen jährlichen Artikel in einem Thüringer Fachmagazin zum Thema – Ausbildung in der Orthopädieschuhtechnik – oder durch Social Media den Kontakt zu Schulen und Schülern, weil viele gar nicht wüssten, wie interessant und vielfältig der Beruf ist. Auf der Homepage der Innung finden Interessierte dann die ganze Bandbreite des Berufes inklusive der Perspektive hinsichtlich eines Hochschulstudiums.

Dass sich Nachwuchswerbung auszahlt, kann An­dreas Frühauf bestätigen: „Es ist ein positives Zeichen, dass wir wieder zwei Schulklassen ausbilden können“. Frühauf führt dies unter anderem auf die angehobene Ausbildungsvergütung zurück. In Bayern ist es im vergangenen Jahr trotz Corona gelungen, die Zahl der Auszubildenden stabil zu halten.

Selbstständigkeit wieder attraktiv machen

Bis aus einem Auszubildenden ein Meister wird, der sich selbstständig machen will, vergehen ein paar Jahre. Angesichts des Altersdurchschnitts in der Branche wird dies ein Wettlauf mit der Zeit. „Ich kenne die Altersstruktur der Mitgliedsbetriebe“, sagt Bernd Rosin-Lampertius. „Ich weiß, dass in den nächsten Jahren viele in Rente gehen werden und manche Betriebe eher keinen Nachfolger finden werden“. Altersmäßig fehle das Mittelfeld, das nachrücken könnte

Gerold Elkemann hat ähnliche Zahlen bei seinen Mitgliedern und vermutet, dass es bei den meisten anderen Innungen nicht wesentlich anders aussieht. „Die Innungen überaltern dramatisch“, ist seine Befürchtung – neben der Tatsache, dass sie durch Betriebsschließungen Mitglieder verlieren.

„Weniger Mitglieder bedeutet leider auch weniger Verhandlungsmacht gegenüber den Krankenkassen.“ Auch die politische Vertretung, um die derzeitigen Rahmenbedingungen wieder zu verbessern, sieht Elkemann wesentlich durch die derzeitige Entwicklung erschwert – zumal die Orthopädieschuhtechnik derzeit keine einheitliche Stimme habe.

Doch was müsste sich ändern, damit es wieder gelingt, junge Menschen für die Übernahme eines Betriebes oder die Gründung einer eigenen Existenz zu begeistern?

Christiane Schmidt hätte dafür durchaus konkrete Vorschläge. Sie würde zunächst die Meisterausbildung kostenfrei machen. Studieren koste schließlich auch nichts. Vor allem aber würde sie die bürokratischen Vorschriften und die Voraussetzungen, welche die kleinen Betriebe gar nicht erfüllen können, abschaffen. Und es sei dringend nötig, die Krankenkassenverträge zu vereinfachen und zu vereinheitlichen.

„Es braucht keine teuren Kampangen, um Jungmeister zu motivieren, sich selbstständig zu machen oder bestehende Betriebe zu übernehmen“, sagt Christiane Schmidt. „Es ist wichtig den zukünftigen Unternehmern den Einstieg zu vereinfachen.“ Dazu müssten die Einstiegshürden gesenkt werden und die jungen Meister bräuchten die Perspektive, dass sie sich tatsächlich den Patienten widmen können und sich nicht nur um die Verwaltung kümmern müssen. „Die Tätigkeit des Orthopädie-Schuhmachers finde ich immer noch wunderschön, das Führen eines Betriebes jedoch nicht mehr“, ist Christiane Schmidts Fazit nach 37 Jahren Selbstständigkeit.

Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen zu ändern, ist eine mühsame und langwierige Angelegenheit. Sie wird dennoch von den Verbänden der Leistungserbringer mit Ausdauer und Nachdruck betrieben. Einstweilen sind Lösungen gefragt, welche die Betriebe kurzfristig entlasten können. Bezüglich des Verwaltungsaufwandes, der ja offenbar eine der größten Hürden beim Schritt in die Selbstständigkeit ist, bieten sich heute schon digitale Lösungen an, welche die Betriebsinhaber entlasten. So kann ein Vertragsmanager, in dem alle wesentlichen Verträge hinterlegt sind, bei der täglichen Arbeit eine wesentliche Unterstützung sein. Selbst für die Bewältigung der Anforderungen der MDR gibt es Softwareunterstützung. Auch ein Kontakt mit dem Softwareanbieter kann sich lohnen, um die Betriebssoftware eventuell noch etwas effizienter nutzen zu können. Nicht zu vergessen sind die Hilfestellungen der Verbände und Handwerkskammern.

Es gibt auch heute noch Beispiele für erfolgreiche Übernahmen und Existenzgründungen. Bernd Rosin-Lampertius sieht die jüngeren Kollegen dabei durchaus im Vorteil, vor allem wenn es um den Einsatz digitaler Lösungen in der Produktion oder in der Verwaltung geht, die dem Betriebsinhaber das Leben erleichtern. Schließlich seien sie quasi mit der Digitalisierung aufgewachsen.

Versorgungsauftrag gefährdet

Angesichts der aktuellen Strukturveränderungen wundert sich Bernd Rosin-Lampertius, warum sich die Kostenträger nicht für das Thema interessieren. „Der Rückgang der Betriebe, vor allem in der Fläche, betrifft ja nicht nur uns als Innung oder die Betriebe selbst. Letztendlich betrifft es doch auch die Kostenträger. Da brechen ganze Versorgungsstrukturen für ihre Versicherten im ländlichen Raum weg.“

Aus seiner Sicht müssten auch die Krankenkassen eine Notwendigkeit sehen, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. „Gerade in dünn besiedelten Gebieten, wie es sie in Mecklenburg-Vorpommern gibt, aber auch in anderen Bundesländern, ist der Versorger oft 50 Kilometer weit entfernt und der Bus fährt ein- oder zweimal am Tag. Das ist vor allem bei einer immer älter werdenden Bevölkerung ein wachsendes Problem. Das scheint mir bei den Krankenkassen noch nicht richtig angekommen zu sein“. Auf der einen Seite würde in den Verträgen die Versorgung innerhalb eines engen Zeitrahmens gefordert. Auf der anderen Seite gebe es schon heute Regionen, in denen die Krankenkassen froh sein können, wenn sie überhaupt einen Versorger für ihre Versicherten finden. Rosin-Lampertius sieht hier primär die Krankenkassen in der Pflicht. „Sie haben den Versorgungsauftrag zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung.“

„Es muss auch im Interesse der Politik sein, dass unsere Betriebe eine Zukunft haben“, betont Gerold Elkemann. „Die Zahl der Diabetespatienten steigt, immer mehr ältere Menschen brauchen die Hilfe der Orthopädieschuhtechnik. Auch jüngere Menschen benötigen unsere Leistungen, um fit zu bleiben. Unser Handwerk wird gebraucht! Aber wer soll das machen, wenn es immer weniger Betriebe gibt?“