03. Dezember 2021

Bloggen im Auftrag der Fußgesundheit

Für den langjährig berufserfahrenen Meister müssen geeignete Kinderschuhe auf jeden Fall bestimmte Kriterien erfüllen. Das versucht er den Eltern auch in Fachvorträgen zu vermitteln – und in seinem Blog. Foto: Ungermann

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PETRA ZIMMERMANN
Für Patrick Ungermann ist sein Beruf eine Berufung. Unter anderem entwickelte der vielbeschäftigte Orthopädieschuhmacher-Meister aus einer „Schnapsidee“ heraus einen erfolgreichen Blog, um sein größtes Anliegen umzusetzen: Menschen mit Hilfe von Fachwissen über Fußgesundheit aufzuklären. Mit Erfolg.
 
Die Idee für den Blog „Gehwerkstatt“ entstand aus einem zufälligen Gespräch mit einem Kollegen über Laufschuhe. Angesichts der Unübersichtlichkeit im Internet fragte der Kollege den online-versierten Patrick Ungermann direkt, ob er nicht Lust hätte, einen Blog über Laufschuhe zu machen. Und der antwortete, ohne lange zu überlegen, spontan mit Ja. „Eine leichtfertige Antwort“, lacht Ungermann heute über seine schnelle Zusage. Denn er merkte erst hinterher, auf was er sich eingelassen hatte.
 
„Aber dann hat es mich gepackt“, sagt Ungermann, und seit Oktober 2020 arbeitet er in seiner Freizeit an dem Blog – jeden Tag ein bis zwei Stunden kommen da zusammen. Bis zur Jahresmitte 2021 war der 33-Jährige noch Leiter der Orthopädieschuhtechnik in der Orthopädischen Werkstatt einer Sendenhorster Klinik, aber die tägliche Pendelei aus Kamen kostete viel Zeit, so dass er sich schweren Herzens entschloss, die Klinik nach acht Jahren zu verlassen. Denn er wollte mehr Zeit für seine Frau und die beiden Kinder haben. „Die Zeit in der Sendenhorster Klinik war für mich die prägendste, hier wurden alle meine jetzigen Interessen und die Liebe zum Beruf in die richtigen Bahnen gelenkt“, so Ungermann, er integrierte und leitete dort seit seinem Meisterbrief 2015 die Sparte Schuhtechnik. „Mein Beruf ist für mich eine Berufung, die mich voll und ganz erfüllt, weil ich hier den Menschen helfen kann und meiner Kreativität freien Lauf lassen darf. Deshalb war für mich klar, hier machst du deinen Meisterbrief.“
 
Aber die Wege dorthin waren verschlungen: Ursprünglich wollte Ungermann eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker machen, musste diese nach dem ersten Lehrjahr aufgrund einer Allergie gegen Öl- und Schmierstoffe jedoch abbrechen. Durch Zufall sei er dann nach einem Praktikum zu seinem jetzigen Beruf gekommen und begann 2006 eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher. „Der Weg hierher war nicht immer einfach für mich. Aber ich würde um keinen Preis der Welt etwas ändern wollen. Meine Erfahrungen haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“ Bei seinem letzten Arbeitgeber kümmerte sich Ungermann unter anderem auch um den Social Media Auftritt der Firma, denn leider, so Ungermann, „ist das in unserer Branche noch immer keine Selbstverständlichkeit“.
 

Begeisterung für Füße wecken

Mit seinem Blog „www.gehwerkstatt.de“ will der engagierte Orthopädieschuhmacher-Meister Aufklärungsarbeit leisten, hier postet er Beiträge rund um die Fußgesundheit. „Mein Blog soll helfen zu verstehen, was man bei Problemen mit den Füßen, Knien, Hüften oder dem Rücken tun oder welche vorbeugenden Maßnahmen man ergreifen kann.“ Gleichzeitig agiert er eigenaktiv in Social Media Kanälen oder ist Interviewpartner in Podcasts.
 
Durch seine vielseitige Online-Präsenz ergaben sich bis heute zahlreiche bundesweite und internationale Kontakte, denn viele Leute suchen den direkten Kontakt zu Fachleuten, stellen konkrete Fragen oder suchen Empfehlungen. „Ich versuche die Menschen wieder mehr für unser Fundament – die Füße – zu begeistern. Vor allem Kinder liegen mir dabei sehr am Herzen, da viele aus Unwissenheit der Eltern oft komplett falsches Schuhwerk tragen.“ Auch Kinderärzte beschäftigen sich seiner Meinung nach zu wenig mit den Füßen der Kinder. Leider würden auch manche Berufskollegen zu oft und zu früh Einlagen für Kinder anfertigen.
 

In seiner mobilen Beratung bei den Interessenten zuhause bietet Patrick Ungermann auch Kinderfußmessungen an. Foto: UngermannProblemfeld Kinderversorgung

Für den langjährig berufserfahrenen Meister müssen geeignete Kinderschuhe flexibel, mit einer flachen Sohle ohne Absatz und einer breiten Zehenbox vorne mit einem Abrollspielraum von 12 mm ausgestattet sein.
 
„In der Regel haben Kinder keine Fußfehlstellungen, diese entstehen durch zu frühes Laufen mit Schuhen oder falsches Schuhwerk“, sagt Ungermann. Er lädt die Eltern dazu ein, die Füße ihrer Kinder selber auszumessen und mittels einer selbstgefertigten Papierschablone die Länge und Breite der Füße festzustellen. „Leider gibt es heute ja nur noch sehr wenige Kinderschuh­läden mit guter Beratung, in der Regel gehen die Leute zu den großen Sortimentern, die ungeeignete Schuhe für Kinder anbieten.“ Diese Sparte will er als OSM, vielleicht im Rahmen einer zukünftigen Selbstständigkeit, auf jeden Fall bedienen.
 

Frühzeitig aufklären

Da Ungermann selbst kleine Kinder hat, habe er schnell gemerkt, dass man schwer und selten fundierte Informationen zum Thema Kinderfüße und Kinderschuhe findet. Aus diesem Manko heraus entstand die Idee, als Fachmann Vorträge und Beratungen zu diesem Thema anzubieten. „Ich möchte versuchen, mehr Eltern früh genug abzuholen und aufzuklären“, so Ungermann. Deshalb sucht der OSM den Kontakt zu Familienzentren sowie Kitas und bietet Fachvorträge an, um Eltern frühzeitig über die Fußgesundheit ihrer Kinder aufzuklären. Das Interesse sei stärker, als er jemals gedacht habe, so Ungermann, aber die Corona-Vorschriften hätten bislang die Umsetzung ziemlich eingeschränkt. Doch das werde sich in Zukunft hoffentlich ändern.
 

Mobile Beratung

Über seinen Blog bietet Ungermann mittlerweile mobile professionelle Beratung an. Ob die Analyse von Fußfehlstellungen, Gang- und Laufanalyse, Schuh- und Laufschuhberatung oder die Beratung über orthopädieschuhtechnische Hilfsmittel, der OSM kann aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung alles abdecken. Termine sind über seine Homepage buchbar, er fährt dann zu den Ratsuchenden nach Hause. „Diese mobile Beratung biete ich im Umkreis Ruhrgebiet an, sie dauert mindestens eine halbe Stunde, abhängig vom Thema.“ Dafür nimmt der OSM immer sein Handwerkszeug, wie zum Beispiel Trittspur-Kasten, Messwerkzeuge, Verkürzungsausgleich usw. mit. Falls gewünscht, bringe er geeignete Produkte zum Ausprobieren mit. „Ich habe entsprechende Firmenkontakte aufgebaut, um kostenlose Muster präsentieren zu können.“ Für die Kinderversorgung zum Beispiel zeige er den Eltern Minimalschuhe bzw. Barfuß-Schuhe, um ihnen die relevanten Kriterien für den Schuhkauf zu erklären.
 

Kooperation mit Fachleuten

Mittlerweile seien sein Blog und sein Engagement für Fußgesundheit eine Herzenssache. Die meisten Blog-Beiträge schreibt Ungermann selbst, aber er sucht auch die Kooperation mit anderen Fachleuten. „Zuletzt habe ich mit Yvonne Kordt zusammengearbeitet, die als Barfuss movement Coach tätig ist, sie betrachtet die Füße zuerst und analysiert das Gang- bzw. Laufmuster. Sie hat Texte und Fotos zum Thema ,Stärkung unserer Fußmuskulatur‘ beigesteuert.“ Als umtriebiger OSM hat Patrick Ungermann natürlich auch private Kontakte zu anderen aktiven Kolleginnen und Kollegen. „Zum Beispiel tausche ich mich regelmäßig mit meiner Freundin Anastasia Anastasiadou aus.“ Gerade diese Kontakte würden die eher träge Branche voranbringen, um neue Ideen umzusetzen. Nicht umsonst beschreibt Ungermann auf seiner Homepage den Beruf im Orthopädieschuhhandwerk mit sehr viel Enthusiasmus.
 

Kinderschuhe kaufen soll eigentlich Spaß machen. Aber viele Eltern sind aus Unwissenheit dabei überfordert, deshalb will OSM Ungermann über Kinderfüße aufklären. Foto: Petra ZimmermannViel zu tun

Und es gibt so viele Bereiche, in denen agile Orthopädieschuhhandwerker tätig werden könnten. Zum Beispiel wird angesichts der Alterung der Gesellschaft die Beratung im Altenheim oder Betreuten Wohnen immer wichtiger. „Hier gibt es aus meiner Erfahrung viel Beratungsbedarf vor Ort, denn das Pflegepersonal hat keine Zeit, sich auch noch um eine passgenaue Schuhversorgung für behinderte alte Menschen zu kümmern.“ Ebenso wissen auch viele Arbeitnehmende nicht, dass sie in Sicherheitsschuhe keine normalen Einlagen reinstecken dürfen. „Hier haben sich online schon viele Ratsuchende an mich mit Fragen gewandt: Wer bezahlt das Ganze, wie muss das ablaufen?“ Ungermann plant auch hier, langfristig mit mobiler Beratung tätig zu werden.
 

Produktangebote

Der 33-Jährige ist auf der Höhe der Zeit und nutzt Affiliate Programme. Nicht nur seine Kooperationspartner auf seiner Homepage bieten Produkte aus den Bereichen Füße, Schuhe und Lederpflege an, die Ungermann weiterempfiehlt, er recherchiert und probiert auch selber neue Produkte aus: Derzeit sind es Einlegesohlen aus Ceylon-Zimt gegen Fußschweiß. „Obwohl ich nie viel von Einlegesohlen gehalten habe, bin ich von diesem Produkt begeistert. Aber ich empfehle eh nur Produkte, von denen ich rückhaltlos überzeugt bin.“
 

Zeit für Freizeit?

Bei soviel Engagement im Beruf, würde man meinen, kann keine Zeit für Hobbys bleiben. Bei Patrick Ungermann weit gefehlt. „Ich stehe sehr gerne als Schiedsrichter auf dem Basketball-Spielfeld.“ Besonders begeistert ist er vom Rollstuhlbasketball, hier pfeift er in der 1. und 2. Bundesliga als Schiedsrichter. „Diese Sportart ist der Wahnsinn, hier werden Menschen mit und ohne Handicap zusammen vereint und harmonieren als Team. Das Spiel ist unglaublich schnell. Was die Spieler im Rollstuhl an Athletik, Ausdauer und Technik zeigen, ist einfach nur bemerkenswert und deshalb liebe ich diese Sportart.“ Kein Zweifel, was Patrick Ungermann macht, macht er mit viel Herzblut. Und deswegen wird er ohne Zweifel seine weiteren beruflichen Pläne mit Erfolg umsetzen – Bloggen mit Enthusiasmus gehört auf jeden Fall dazu.
 
 
 
Anschrift der Verfasserin:
Petra Zimmermann
Schleswiger Str. 30
48147 Münster
 
Kontaktdaten
OSM Patrick Ungermann
www.gehwerkstatt.de
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Instagram: www.instagram.com/gehwerkstatt
 
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