08. Februar 2017

Die Sieger kommen aus Hessen

1. Sieger des PLW 2016 ist Marius Knichelmann und sein Gesellenstück

Im November 2016 fanden in der Handwerkskammer Münster die Bundeswettbewerbe des Praktischen Leistungswettbewerbs (PLW) des Deutschen Handwerks und des Wettbewerbs „Die gute Form im Handwerk“ statt. In der Orthopädieschuhtechnik stellten sich acht Landessieger mit ihren Gesellenstücke der Bewertungskommission. Die ersten Sieger kamen in diesem Jahr aus Hessen. Von Thomas Schmidt

Rund 3000 gerade geprüfte Gesellinnen und Gesellen beteiligten sich 2016 auf bis zu drei Ebenen (Innungen, Handwerkskammern und Fachverbände) an den landesweiten Ausscheidungswettbewerben. 816 Teilnehmerinnen und Teilnehmer maßen sich im Anschluss auf der Bundesebene.

Der mit rund 35 Prozent hohe Anteil weiblicher Landessiegerinnen macht deutlich, dass immer mehr Frauen ihre Zukunft im Handwerk suchen und finden. In 125 Wettbewerbsberufen (inklusive Fachrichtungen) erreichten 266 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die besondere Auszeichnung der ersten drei Plätze. I. Bundessieger: 117; II. Bundessieger: 88; III. Bundessieger: 61. Mit 38 von 117 ersten Bundessiegern war in diesem Jahr Bayern das erfolgreichste Bundesland, gefolgt von Baden-Württemberg mit 24 ersten Bundessiegern.

Acht Teilnehmer bei der Orthopädieschuhtechnik

Die Bewertungskommission mit der Vorsitzenden Birgit Funk-Kleinknecht sowie den Beisitzern Wolfgang Bröring (Meis­ter) und Kai Bröring (Geselle) musste unter acht Landessiegern aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-West­falen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen die Sieger küren.

Auf Platz 1 im PLW kam Marius Knichelmann aus Kahl (Ausbildungsbetrieb Richard Ludwig, Frankfurt a. M.). Auf den 2. Platz hatte es Rein­hild Schepmann aus Senden (Betrieb ­Michael Möller, Münster) geschafft. Den 3. Platz konnte Manuel Liepert aus Ostendorf (Betrieb Hessing Stiftung, Augsburg) belegen

Die Sieger

Praktische Prüfung Note 1, Theoretische Prüfung Note 1: Bei diesem Ergebnis ist es kein Wunder, wenn man auf dem Treppchen ganz oben landet – so wie Marius Knichelmann. Sicher war es hilfreich, dass schon die Eltern, Großeltern und weitere Generationen davor Schuhmacher waren. Immerhin wurde das Haus der Fußgesundheit in Aschaffenburg 1820 gegründet. „Ich habe immer in diese Generationenfolge eintreten wollen“, so der 21 Jahre alte Junggeselle Knichelmann. Nach einer Ausbildung bei Richard Ludwig in Frankfurt besucht er jetzt die Meisterschule in Langen. Später, viel später, könnte er sich vorstellen, das Geschäft zu übernehmen, dann in der achten Generation.

Die Zweitplatzierte Reinhild Schepmann begann ihre Ausbildung im August 2012 im Unternehmen Möller Orthopädie Schuh Technik in Münster. Ihr Berufswunsch entwickelte sich durch ein Gespräch mit einer Orthopädieschuhmacherin, die begeistert über ihren Beruf erzählte. Im Praktikum wurde dann das Interesse für den Schaftbau geweckt.

Für die Gesellenprüfung entschied sie sich für eine Damenschuhversorgung mit Peronaeuskappe links und Spitzfußausgleich von 2,5 Zentimetern auf beiden Seiten. Bei der Schaftgestaltung war es ihr wichtig, ein schlichtes und dennoch elegantes Modell zu wählen. Sie suchte ein dunkelbraunes Kalb-Nubuk-Leder aus, abgesetzt mit orangefarbenen Nähten, um dem modischen Aspekt gerecht zu werden. Sowohl die orangefarbenen Schnürsenkel als auch die Absatzform unterstreichen die damenhafte Eleganz des Schuhs. Als Ausdruck ihrer handwerklich präzisen Arbeitsweise hatte sie sich für einen anspruchsvollen Natur­ausputz entschieden. Während der Prüfung gab es Schwierigkeiten mit der Verklebung des Rahmens. Doch beim zweiten Versuch hielt auch das.

Der dritte Gewinner Manuel Liepert fertigte ein Paar elegante Herrenschnürstiefel, geklebt mit Lederrahmen, Lederlaufsohle, Lederabsatz mit Antirutsch­zonen und Ausputz in Schwarz. Das Schaftmodell ist ein elegantes Budapester-Modell mit Lederkombination ­Nappa Schwarz/Weiß, Schnürung und einer Schafthöhe von 21 Zentimetern. Seine orthopädischen Merkmale: hoher Schaftstiefel mit Quartier-, Laschen- und Schaftrandpolster, Arthrodesenkappe beidseitig, Spitzfußausgleich links 1,5 Zentimeter, Sohlenversteifung teilflexibel beidseitig, medialer Flügelabsatz mit Absatzrolle beidseitig.

Ein Spiel aus Stier und Torero war die Idee des 19-jährigen Junggesellen für sein Sohlenmuster. Die Schwierigkeit dabei ist, mit einem Akkuschrauber und einem Forstnerbohrer die Vertiefungen für die Sohlenpads in die fertige Sohle einzubohren - hier kann viel daneben gehen. Zudem kann die Sohlenfarbe nicht im Leder verlaufen, was am Prototyp leider noch zu sehen ist.

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