06. Juni 2017

Atmungsaktive Membranen

Leder – Futter – Membrane
Foto: Lamparter

Membranen sind atmungsaktive Leichtgewichte. Professionell eingebaut, schützen die hochtechnisierten „Häutchen“ Schäfte vor Kälte und Nässe. Auch für die Orthopädieschuh­technik gibt es vereinzelte Produkte im Handel. Von Hartmut Seidich

Kälte und Feuchtigkeit im Schuh sind nicht nur unangenehm (ein feuchter Fuß wird als „kalt“ empfunden), sie können auch zu Erkrankungen führen. Daher sollten Schuhe, die auch bei schlechtem Wetter getragen werden sollen, bestimmte Kriterien erfüllen. Um die Füße trocken zu halten, sollte das Futterleder möglichst viel Schweiß aufnehmen können. Dies erreicht man zum einen durch ein offenporiges Futter, zum anderen durch eine ausreichende Stärke der Futterleder. Je stärker das Futterleder, desto höher die Menge an Feuchtigkeit (Schweiß), die aufgenommen werden kann. Ein dünnes, leichtes Futterleder kann kaum Schweiß aufnehmen.

Ein Schuh, der häufiger auf feuchten Untergründen oder bei Regen und Schnee getragen wird, sollte möglichst wenig Feuchtigkeit von außen eindringen lassen. Das Eindringen von Feuchtigkeit kann man sehr gut durch eine Sättigung der Leder mit Fett verhindern – das geht am besten mit recht starkem und robus­tem Leder. Solche schweren gefetteten Schäfte lassen zudem bei kalten Temperaturen weniger Körperwärme entweichen.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von hydrophobierten Ledern. Hier wurde dem Leder gleich vom Gerber eine wasserabweisende Eigenschaft verliehen. Solche Leder werden zum Beispiel häufig für Golfschuhe verwendet, da diese oft stundenlang in feuchtem Gras getragen werden. Die wasserabweisenden Eigenschaften von hydrophobierten Ledern sind jedoch nicht vergleichbar mit der Wirkung einer modernen atmungsaktiven Membran. Das Einarbeiten einer solchen Membran ist die effektivste Methode, um Schäfte aus feinerem Leder gegen Kälte und Nässe auszurüsten. 

Unter dem Begriff „atmungsaktiv“ versteht man, dass ein Stoff kein Wasser in den Schuh lässt, aber Schweiß in Form von Wasserdampf nach außen befördert werden kann. Mit allen atmungsaktiven Membranen lässt sich eine hohe Wasserdichtigkeit erreichen, so dass die Füße bei Regen und Schnee trocken bleiben. Dies erreicht man auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt hydrophile Kompaktmembranen aus PU (Polyurethan) und PES (Polyethersulfon) sowie hydrophobe mikroporöse Membranen aus ­ePTFE (Polytetrafluorethylen). Aber nicht nur die Materialien unterscheiden sich voneinander, sondern auch ihre Wirkung.

Am bekanntesten sind die Membranen der Systeme Gore-Tex® und Sympatex®. Leider können beide Produkte nicht in kleinen Mengen erworben werden. Aus lizenzrechtlichen Gründen werden die Membranen nur an Hersteller verkauft, die gleichzeitig auch Lizenznehmer sind. Aber an ihrem Beispiel lassen sich die Funktionsweisen gut erklären – und von beiden Systemen gibt es abgewandelte Membran-Typen, die auch dem Handwerk als Meterware zur Verfügung stehen.

Gore-Tex®

Gore-Tex® wurde 1969 von Robert W. Gore entwickelt. Es ist eine mikroporöse Membran aus Polytetrafluorethylen (in der Küche als „Teflon“ bekannt). Die Oberfläche von Gore-Tex® weist rund 1,3 Milliarden mikroskopisch kleine Öffnungen beziehungsweise Poren pro Quadratzentimeter auf. Diese Poren sind 20000-mal kleiner als ein Wassertropfen, jedoch 770-mal so groß wie ein Wasserdampfmolekül. So kann kein Wasser durch die Membran eindringen, aber Schweiß in Form von Wasserdampf abgeführt werden. Gore-Tex® enthält allerdings halogenierte Kohlenwasserstoffe, wodurch es problematisch in der Entsorgung wird [2].

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