11. Juli 2022

Die Urkunde hängt jetzt im Laden

Besonders stolz ist Joe Topel auf den gestreiften Boden. Den Absatz baute er abwechselnd aus schwarzem und rotem Material auf und schliff diesen nach jedem Farbwechsel in Form. Foto: C. Maurer Fachmedien

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CHRISTINA BAUMGARTNER 

Mit einem Paar sportlicher Schuhe wurde Joe Topel zweiter Preisträger im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“. Eines war für den Berliner von Anfang an klar: Sein Gesellenstück sollte den Prüfern auch durch Farbe ins Auge fallen.

Im September 2016 startete Joe Topel seine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher bei Daniel Bürkner in Berlin: „Ich habe damals nach zwei Wochen Praktikum einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen und ihn angenommen. Inzwischen habe ich diesen Beruf einfach lieben gelernt – den Kundenkontakt, aber auch, mich handwerklich austoben und auch mal kreativ sein zu können“. Kreativ sein konnte Joe Topel auch bei der Gestaltung seines Gesellenstücks, einem sportlichen Schuh in den Farben Schwarz und Rot, mit dem er den zweiten Platz im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ gewann.

„Ich durfte meinen Fall für die Prüfung komplett selbst gestalten. Da ich mehr der sportliche Typ bin, wollte ich auf jeden Fall in Richtung Sportschuh gehen“, erzählt Joe Topel. Die Schuhe fertigte er für einen fiktiven Kunden mit einem Spitzfuß und einer Verkürzung von 2,5 Zentimetern rechts an. Die Planung begann mit einem schwarz-roten Laufmaterial: Nach einigen Überlegungen entschied er sich schließlich dagegen, dieses in der Prüfung zu verwenden. „Es lässt sich schwer verkleben und das habe ich mir für die Stresssituation Prüfung nicht zugetraut“. Auch wenn dieses Material letztendlich keine Verwendung fand – die Farben des Schuhes standen nun fest.

Die Arbeitsschritte

„Ich wollte auf jeden Fall was mit Farbe machen, damit den Prüfern der Schuh ins Auge fällt“, meint Joe Topel. Doch bevor diese sein Gesellenstück begutachten konnten, waren viele Arbeitsschritte notwendig. „Nach dem Rangieren der Brandsohle wurde zuerst ein Modell für die Knöchelkappe und die Vorderkappe erstellt. Die Hinterkappen wurden ausgeschnitten, „eingeweicht”, ausgeschärft und die Knöchelkappe vorgewalkt, beschreibt der Orthopädieschuhmacher detailliert die ersten Schritte. Dann hieß es warten, bis die Knöchelkappe trocken war und die Versteifung aufgebracht und verschliffen werden konnte. Im nächsten Schritt wurden die Vorderkappen ebenfalls ausgeschnitten und ausgeschärft, danach die Hinterkappen mit Hirschkleber eingestrichen, in die Schäfte gelegt und bis zum Gelenk gezwickt. Nach dem Zwicken und Einkleben des Blattfutters, sowie dem Aufzwicken der Vorderkappe konnte er diese in Form bringen. Anschließend wurde die Überstemme angebracht, dann das Oberleder für das Blatt gezwickt, eingeklebt und geklopft, bis keine Unebenheiten mehr zu sehen und eine Linie entstanden war.

Der Bodenbau startete folgendermaßen: „Als erstes habe ich den Rahmen gelegt und ausgeballt, dann die Ballenrolle in Form eines roten Aufbaumaterials aufgeklebt und geschliffen“, erklärt Joe Topel. Den Absatz baute er abwechselnd mit dem schwarzen und roten Material auf und schliff diesen nach jedem Farbwechsel in Form, denn es sollte ein Keilabsatz mit einer Höhe von 1,5 Zentimetern entstehen. Zum Schluss wurde an der Seite noch leicht ausgekehlt und ein kleiner Abrollabsatz eingeschliffen. Nach dem Aufbringen der Sohle, dem Ausputz sowie dem Ausleisten war dann endlich alles fertig.

Joe Topel machte seine Ausbildung im Orthopädieschuhtechnik-Betrieb von Daniel Bürkner in Berlin, inzwischen arbeitet er dort als Geselle. Foto: Mauro HuthHerausforderungen in der Prüfung gemeistert

Besonders auf den gestreiften Boden ist Joe Topel stolz: Zwar habe er in der Prüfung einen Streifen nochmals neu aufbauen müssen, ließ sich aber dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Auch weitere Herausforderungen konnte er gut meistern: „Der Schaft ist mir seitlich eingerissen, direkt an der Naht, das war ein kurzer Panikmoment. Zum Glück ist es nicht weiter aufgegangen und ich konnte den Defekt gut verstecken“, erinnert sich der Geselle. „Und ich habe die gleiche Höhe nicht ganz hinbekommen, die Schuhe haben ein paar Millimeter Unterschied“.

Anschließend war die Freude dann riesengroß, als er erfuhr, dass er als zweiter Preisträger in dem Wettbewerb ausgezeichnet wird. „Die Urkunde hängt jetzt im Laden“, sagt der Orthopädieschuhmacher stolz.

Seine Pläne für die Zukunft? „Zunächst einmal würde ich mich gerne noch weiterentwickeln, um irgendwann den Meister machen zu können“, meint Joe Topel, der weiterhin in seinem Ausbildungsbetrieb tätig ist. Als Alternative zur Arbeit in der Werkstatt könne er sich aber auch vorstellen, als Lehrer die nächste Generation Orthopädieschuhmacher auszubilden.

 

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