14. Juli 2016

Schuhgeschichte: Vom Leisten zum Schaft

Kein Schuh ohne Schaft. Doch die Art der Schaftherstellung hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. Vor allem die Entwicklung des Modellwinkels und die Leistenkopie veränderten die Art der Schaftgestaltung. Über die richtige Methode, wie man vom Leisten zum passenden Schaft kommt, kann man auch heute noch lange Fachgespräche führen, weil kein System sich endgültig durchsetzen konnte.
Von Hartmut Seidich

Zur Zeit der wendegenähten Schuhe im Mittelalter, war die Passform der Schäfte nicht so relevant wie heute. Das Leder war weich und formte sich schnell an den Fuß an. Mit der Entwicklung haltbarer Befestigungstechniken und stabilerer Sohlen im 15. Jahrhundert wurden neben Leder jedoch auch gewebte Stoffe für die Schäfte verwendet. Diese passten sich dem Fuß nicht so leicht an wie Leder, weshalb man schon beim Zuschnitt auf die richtige Form des Schaftes achten musste.
Es gibt wenige Informationen, wie die Schuhmacher oder die sich damals schon entwickelnden Schäftemacher zu ihren Formen und Schnitten kamen und mit welcher Technik sie arbeiteten. Das Wissen um das Handwerk wurde lange Zeit ausschließlich in den Werkstätten weitergegeben. Es gab weder Schulen noch Fachliteratur und die alten Meister gaben ihr Wissen und ihre Fertigkeiten über die Schaftherstellung auch nicht gerne weiter, um sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Eine Haltung, die sich bis in die Neuzeit erhielt. Noch 1910 beklagte Heinrich Meier, Fachbuchautor und erster Direktor der Schuhmacherfachschule in Siebenlehn: „Die alten Meister behüteten diese Kunst des Mus­terschneidens auf das Sorgfältigste; in der Regel verrichteten sie diese Arbeit hinter verschlossenen Türen, damit der Geselle ja nicht einen Teil ihrer Weisheit und Kunst ablauschen konnte.“
In der 1767 von Francois A. de Garsault verfassten Abhandlung über das Schuhmacherhandwerk, die 1769 in deutscher Übersetzung erschien, ist erstmals von  „Mustern von Papieren, welche die Gestalt der Oberleder und Quartiere haben“ die Rede. Es ist der älteste Hinweis auf Schaftmodelle, welchen der Autor gefunden hat. Allerdings wird im Buch nicht darauf eingegangen, wie man diese Muster angefertigt hat.

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