05. Oktober 2017

Zeha-Sportschuhe: „Wir waren sportgerechter“

Sportschuhe
Foto: M. Hoppe

Karl Häßner, Enkel des Firmengründers von Zeha, war von 1950  an Mitbesitzer der Schuhfabrik Carl Häßner Hohenleuben, bis der Betrieb 1972 verstaatlicht wurde. Im Jahr 2009 traf Nike Breyer den Anfang 2017 verstorbenen Karl Häßner am Gründungsort Weida in Thüringen und hatte ­Gelegenheit, mit ihm über Wettbewerb, Markenbewusstsein und Handlungsspielräume für Privatunternehmer in der DDR zu sprechen. Von Nike Breyer

Im Jahr 1950 trat der 1925 geborene Karl Häßner in die väterliche Schuhfabrik Carl Häßner Hohenleuben ein und leitete diese zusammen mit seinem Vater und zwei Schwagern die nächsten zwanzig Jahre. Die Fabrik wurde 1897 durch Häßners Großvater Karl Hermann Eduard Hässner (1862 – 1935) als kleine Fertigung für Hausschuhe gegründet und war kontinuierlich gewachsen.

Um 1900 beschäftigte man schon zehn Mann und arbeitete mit Transmissionsriemen. Durch eine Fotografie von 1925, auf der rund sechzig Personen zu sehen sind, ist auch der Markenname „Zeha“ (abgeleitet von den Initialen von Carl Häßner) seit dieser Zeit belegt. Nach der Zwangsenteignung 1972 blieb Karl Häßner noch ein Jahr im nunmehr volkseigenen Betrieb Spezialsportschuhe ­Hohenleuben, bevor er einen neuen Einsatzbereich als Leiter der „Erzeugnisgruppe Sportschuhe“ fand. Hier arbeitete er bis zur Wiedervereinigung, die eine Riesenenttäuschung brachte: Die beantragte Rückerstattung des Betriebes und der Warenzeichenrechte wurde von der Treuhand verweigert.

Den Zuschlag bekamen stattdessen die VEB-Genossen, die die neue Zeha-Schuhfabrik GmbH zügig herunterwirtschafteten. Bei Über­nahme sämtlicher GmbH-Schulden von 5 Mio. DM hätte Häßner das Unternehmen nun „haben“ können, was für ihn natürlich unmöglich war. Der Betrieb wurde geschlossen, ein Investor soll die Liegenschaft unlängst gekauft haben. Seit 2003 werden unter dem Namen „Zeha“ erneut Schuhe produziert, allerdings ganz ohne Beteiligung der Gründerfamilie. Zwei Berliner Jung­unternehmer haben sich verschiedene Patente und die Markenrechte gesichert und stellen seither in Kleinserien Sportschuhe im DDR-Retro-Look her.

Herr Häßner, als Sie 1950 in die väterliche Fabrik einstiegen, war diese ein Privatbetrieb. Welchen Spielraum hatten Sie im Sozialismus?

Karl Häßner: Einmal kam die VVB, die Vereinigung Volkseigener Betriebe, die es dann gab und wollte da etwas lenkend eingreifen. Aber unter Berücksichtigung der politischen ­Situation konnten wir im Prinzip weitestgehend frei entscheiden.

Sie haben dann von Arbeitsschuhen bald auf Sportschuhe umgestellt …

Mein Vater war erster Vorsitzender vom 1. FC Thüringen Weida, damals ein sehr bekannter Fußballclub. Einer meiner Schwager und ich selbst waren begeis­terte Fußballspieler. Da wir alle keine passenden Schuhe hatten, fingen wir um 1950 an, welche herzustellen. Aus den wenigen wurden mehr, bis wir sie auch auf der Submission vorgestellt haben. Das war die Branchenmesse für den Bedarf im Inland DDR, im Unterschied zur Leipziger Messe, die für das Ausland gedacht war.

Welches Geschäft interessierte sich zuerst für Ihre Zeha-Fußballschuhe?

Das lief alles über den Großhandel Deutsche Handelszentrale. Dazu kamen ein paar sogenannte Sonderbedarfsträger, der „Konsum“, eine Zeit lang auch noch Warenhäuser, die einkaufen durften. Einzelgeschäfte durften das nicht. Trotzdem sprach sich schnell herum, wenn einer attraktive Ware hatte. Dann stürzte sich alles auf diesen Betrieb. Andere hatten manchmal am Ende nichts verkauft. Auch das gab’s in der DDR. Die bekamen dann später … was weiß ich, einen Zwangsauftrag.

Stellten um 1950 auch andere DDR-Betriebe Fußballschuhe her?

Die Firma Mücklich in Dresden beispielsweise. Auch Vorwärts in Weißenfels hat um 1957, 1958 eine Zeit lang Fußballschuhe produziert. 1957 kam dann die Schraubstollenproblematik auf und auch der neue Nockenschuh. Damit lagen wir übrigens zeitlich vor Adidas und Puma. Unsere Besonderheit war die Vielzahl der Formen, vielleicht 20 bis 25. Wir hatten etwa auch Winkel. Das war ideal für trockenes, hartes Untergrundgelände.

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