29. August 2008

Neue Meisterprüfungsordnung

(29.8.08) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat am 24. Juni 2008 die Verordnung über das Meisterprüfungsberufsbild (MPVO) und über die Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacherhandwerk erlassen. Die Verordnung wurde am 30. Juni 2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt zum 1. September 2008 in Kraft. Die Struktur der alten Verordnung, die aus dem Jahr 1983 stammt, wurde komplett überarbeitet, so dass die einzelne Paragraphen nicht direkt miteinander vergleichbar sind. So genannte "Sperrfächer" gibt es künftig nicht mehr. Das Pflicht-Prüfungsfach "medizinische Fußpflege" heißt jetzt "Fußpflege". Neu in der neuen MPVO ist die Erweiterung des Berufsbildes, wie es unter § 2, Punkt 8 und 10 beschrieben ist. Danach sind zum Zwecke der Meisterprüfung folgende Fertigkeiten und Kenntnisse als ganzheitliche Qualifikationen zu berücksichtigen: - orthopädische Hilfsmittel zur Versorgung von Fuß und Unterschenkel nach ärztlicher Verordnung, insbesondere Fußprothesen und Unterschenkelorthesen, anmessen, konstruieren und anfertigen, - vorgefertigte sowie konfektionierte Fuß-, Knöchel- und Knieorthesen anpassen und einstellen; Fuß- und Kniebandagen sowie medizinische Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen anmessen und anpassen.

Neu ist auch das Meisterprüfungsprojekt, das die Meisterprüfungsarbeit ablöst. Dabei muss der Prüfling ein Meisterprüfungsprojekt durchzuführen, das einem Kundenauftrag unter Einbeziehung der ärztlichen Verordnung entspricht. Als Meisterprüfungsprojekt ist auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung ein Paar orthopädische Schuhe mit Bettungs- und Korrekturelementen unter Berücksichtigung von Biomechanik, Lotaufbau und Bodentechnik zu planen, zu konstruieren, anzufertigen und anzupassen. Die Planungsarbeiten umfassen einen Versorgungsvorschlag, Konstruktionszeichnungen und eine Kalkulation. Die Anpassung der orthopädischen Schuhe erfolgt am Kunden; die Fertigung sowie die Anpassung sind zu dokumentieren.

Die auftragsbezogenen Anforderungen werden vom Meisterprüfungsausschuss festgelegt. Auf dieser Grundlage erarbeitet der Prüfling ein Umsetzungskonzept einschließlich einer Zeit- und Materialbedarfsplanung. Dieses hat er vor der Durchführung des Meisterprüfungsprojekts dem Meisterprüfungsausschuss zur Genehmigung vorzulegen.

Die neue Meisterprüfungsordnung soll an allen Meisterschulen im Land einheitlich angewendet werden. Im Juli 2008 trafen sich deshalb Vertreter aller Meisterschulen in Hannover. Bei dieser Sitzung wurden die die Unterschiede zur alten Verordnung herausgearbeitet und beraten, wie die neuen Vorgaben im praktischen Unterricht und bei der Prüfung umgesetzt werden. Im Oktober soll es ein weiteres Treffen geben. Dann sollen auch die Meisterprüfungsausschüsse dabei sein.