29. August 2008

ELSID-Studie: Diabetiker im DMP leben länger

(29.08.08) Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, kurz DMP) teilnehmen, gibt es deutlich weniger Todesfälle als bei Patienten, die nicht in ein solches Programm eingeschrieben sind. Das ist das Ergebnis der bundesweit ersten kontrollierten Studie zum Vergleich zwischen DMP-Teilnehmern und Patienten in der Regelversorgung, die von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband durchgeführt wird. Die Daten der Patienten waren über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet worden. Nach den ersten Endergebnissen der sogenannten ELSID*-Studie lag die Sterblichkeitsrate bei den älteren Diabetikern im DMP mit 10,9 Prozent deutlich niedriger als bei den Patienten in der Regelversorgung mit 18,8 Prozent. Bei weiteren Überprüfungen der Daten bestätigte sich dieser Unterschied. So verglichen die Heidelberger Wissenschaftler eine Teilgruppe von DMP-Patienten und Patienten in der Regelversorgung mit gleichem Alter und gleichem Geschlecht, die ähnlich schwer erkrankt waren und unter den gleichen Begleiterkrankungen litten. Auch hier zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate ein deutlicher Unterschied: Während unter den DMP-Teilnehmern 9,5 Prozent der Patienten verstarben, waren es in der Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer 12,3 Prozent.

"Wir führen dies auf die Kombination der verschiedenen Maßnahmen zurück, die im DMP für Typ-2-Diabetiker vorgesehen sind", sagte Prof. Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag in Berlin. "Die regelmäßigen Untersuchungstermine und die Vereinbarung von Therapiezielen in Kombination mit Schulungen und gezielten Informationen für Patienten und Ärzte tragen möglicherweise besonders dazu bei, dass gesundheitliche Komplikationen und Probleme bei den Patienten vermieden oder schneller erkannt werden."

Ausgewertet wurden die Daten von 2.300 älteren DMP-Teilnehmern, die in 85 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz behandelt wurden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer umfasste 8.779 Diabetiker aus 337 Praxen. Alle Patienten wurden mit antidiabetischen Medikamenten behandelt.

In die ELSID-Studie, die Ende 2005 gestartet ist, fließen sowohl medizinische Daten als auch gesundheitsökonomische Parameter wie Verordnungen oder Klinikeinweisungen ein. Weitere Auswertungsergebnisse, unter anderem zu den Kosten der Behandlung, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden. Laut Szecsenyi erfüllt die Studie die höchsten internationalen Anforderungen an die Transparenz. Die AOK habe keinen Einfluss auf die Planung und Durchführung sowie die Präsentation der Ergebnisse gehabt.

Die Disease-Management-Programme sind in Deutschland seit 2003 eingeführt worden, um die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu verbessern. Insgesamt nehmen derzeit knapp 2,3 Millionen Versicherte an den Behandlungsprogrammen der AOK teil. Mit fast 1,4 Millionen bilden die Zuckerkranken die größte Gruppe unter den Teilnehmern der AOK, gefolgt von Herzpatienten (580.000) und Patienten mit COPD (150.000).

*ELSID = Evaluation of a Large Scale Implementation of Disease Management Programmes