07. April 2009

Zentralverband: Wahlen verschoben

(7.4.09) Die Delegierten der Mitgliedsinnungen des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik haben sich bei der Mitgliederversammlung am 4. April in Hannover entschieden, die für diesen Tag geplanten Wahlen zu verschieben. Auf der Tagesordnung hatten die Wahl des Präsidenten, des Vizepräsidenten, des Vorstandes und der Ausschussmitglieder gestanden.

Die Initiative zur Verschiebung der Wahl kam von Daniel Bürkner, Obermeister der Innung Berlin, der mit der Verschiebung der Wahl auf einen späteren Termin einer Spaltung des Berufsstandes vorbeugen wollte. Unmittelbar vor dem Wahlvorgang war die Sitzung für eine Stunde unterbrochen worden. Während dieser Zeit wurde intensiv in unterschiedlichen Konstellationen diskutiert und vermittelt. Die Delegierten suchten nach einem Ausweg aus dem Dilemma, das sich schon vor der Wahl abgezeichnet hatte.

Nach den Auseinandersetzungen um den Abschluss des Vertrages zur PG 31 mit der DAK sowie den Diskussionen um die künftige Struktur und Ausrichtung des Zentralverbandes hatten sich Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland mit Christoph Wallenborn, stellvertretender Obermeister des Landesinnungsverbandes Nordrhein-Westfalen, auf einen eigenen Kandidaten für den Präsidenten und eine Liste mit Kandidaten für den Vorstand geeinigt.

Von Seiten des alten Vorstandes wollten der Präsident Werner Dierolf, Vizepräsident Reiner Schumacher und Vorstandsmitglied Uwe Petters wieder kandidieren. Hermann Perick und Herbert Türk hatten schon vor längerer Zeit angekündigt, dass sie sich nicht mehr zur Wahl stellen wollten.

Im Vorfeld hatten Nordrhein-Westfalen und Bayern angekündigt, den Zentralverband zu verlassen, sollten sich ihre Kandidaten bei der Wahl nicht durchsetzen. Bei einem Wahlerfolg der fünf Innungen wäre nicht absehbar gewesen, wie sich die anderen neun Innungen verhalten.

Wer sich bei der Wahl durchsetzen würde, war nicht abzusehen. Es gebe zwei Lager im Verband, konstatierte Daniel Bürkner. Und unabhängig davon, welches Lager gewinne, bestehe die Gefahr, dass das Handwerk gespalten werde. Deshalb schlage er vor, die Wahl zu verschieben. Damit stieß er bei seinen Kollegen auf offene Ohren. Der zum Wahlleiter bestellte Ehren-Bundesinnungsmeister Albrecht Breymann stellte Bürkners Vorschlag zur Abstimmung, der bei elf Gegenstimmen von den Delegierten angenommen wurde.

Die Chance, die Lagerbildung der letzten Monate zu überwinden, wurde von ZVOS-Präsident Werner Dierolf sehr begrüßt. Jetzt müsse man wieder aufeinander zugehen und miteinander reden. Er kündigte an, gleich nach der Sitzung den Landesinnungsmeister von Nordrhein-Westfalen, Ludwig Vorholt, anzusprechen, um das weitere Vorgehen zu planen.

Ein neuer Termin für die Wahl wurde bei der Sitzung nicht vereinbart. Zunächst sollen Gespräche zwischen dem jetzigen Vorstand - der zunächst im Amt bleibt - und den fünf Innungen stattfinden. Darin will man sich über die strittigen Punkte bezüglich der Verträge und der Struktur des Verbandes auf sachlicher Ebene austauschen. Dabei will man auch einen externen Schlichter oder Mediator hinzuziehen.

Bei der Delegiertenversammlung wurde auch über den strittigen Vertrag mit der DAK abgestimmt. Auf der von den fünf Landesinnungen einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung am 25. März in Kassel hatten die Delegierten mehrheitlich das Zustandekommen des Vertrages kritisiert. Aus diesem Grund hatte der Vorstand diesen Vertrag der Delegiertenversammlung zur Abstimmung vorgelegt, mit der Frage, ob der Vertrag fristlos oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt werden soll. Dies wurde mit 57 von 59 Delegiertenstimmen abgelehnt.

Allerdings fand ein in der Sitzung von Rechtsanwalt Hans Wenzelburger eingebrachter Antrag eine Mehrheit. Danach soll mit der DAK über die haftungsrechtlichen Bedenken verhandelt werden. Gelinge keine Einigung, so solle der Vertrag fristgerecht gekündigt werden. Dafür stimmten 31 Delegierte. Der bereits im vergangenen Jahr abgeschlossene Vertrag mit der BEK/TK wurde bei sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen bestätigt.