02. Februar 2009

NRW tritt aus Zentralverband aus

Am 10. Januar beschloss die Delegiertenversammlung des Landesinnungsverbandes Nordrhein-Westfalen den Austritt aus dem Zentralverband Orthopädieschuhtechnik. Auch in Bayern bahnt sich ein Austritt an. Beim Zentralverband in Hannover kann man die Entscheidungen nicht nachvollziehen. Präsident Werner Dierolf warnt vor einer Schwächung des gesamten Berufsstandes, sollten die beiden Innungen tatsächlich eigene Wege gehen.

„Wir hatten den Eindruck, dass wir beim Zentralverband nichts mehr bewirken können", begründet Landesinnungsmeister Ludwig Vorholt den Austritt. In einem Rundschreiben an ihre Mitglieder nennt der Landesinnungsverband verschiedene Problemfelder, welche die Delegierten zu diesem Votum veranlasst hätten. In der Vergangenheit habe es mehrere Alleingänge des Präsidenten oder des Vorstandes gegeben. Es fehle an der Transparenz im Verband, vor allem bei Entscheidungen mit bundesweiter Tragweite. Die Ländervertreter, so das Rundschreiben, würden nicht im Vorfeld einbezogen, sondern oft zu spät oder gar nicht informiert. Unzufriedenheit wurde auch mit der Geschäftstelle des Zentralverbandes in Hannover geäußert. Auch in Bayern denkt man über einen Austritt nach. Der Vorstand der Landesinnung Bayern hat den Beschluss gefasst, den Mitgliedern den Austritt aus dem Zentralverband zu empfehlen. Darüber informierte die Landesinnung ihre Mitglieder in einem Rundschreiben vom Januar 2009. Auf Nachfrage erklärte der bayerische Landesinnungsmeister Martin Mitterer, dass die Beweggründe ähnlich gelagert seien wie in Nordrhein-Westfalen. Auch in Bayern sei man der Ansicht, dass man in der Arbeitsgemeinschaft mit Nordrhein-Westfalen mehr für die Mitglieder erreichen könne, als im Zentralverband. In der Innungsarbeit wolle man den Schwerpunkt wieder vermehrt auf die Dienstleistungen für die Mitglieder legen. Der Vorstandsbeschluss in Bayern ist nicht gleichbedeutend mit dem Austritt. Darüber entscheiden in Bayern die Innungsmitglieder in der Innungsversammlung. Abgestimmt werden soll über den Austritt in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die voraussichtlich anlässlich des Kongresses der Innung in Garmisch (8. - 10. Mai 2009) stattfinden wird.

ZVOS: Kritik nur teilweise berechtigt
Beim Zentralverband zeigt man sich geschockt vom Austritt des größten Mitgliedsverbandes und über die Ankündigung aus Bayern, austreten zu wollen. Enttäuscht und traurig sei er über die Entscheidung der Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, sagt ZVOS-Präsident Werner Dierolf. „Die Kritik aus NRW wollen wir nicht als völlig unbegründet zurückweisen, auch wenn wir einige Kritikpunkte anders beurteilen“, so Dierolf. Er wolle auch nicht behaupten, dass im Zentralverband im letzten Jahr alles optimal gelaufen sei. Doch man sei, so Dierolf, politisch doch sehr erfolgreich gewesen. Trotz der großen Arbeitsbelastung sei es dem Zentralverband gemeinsam mit den Landesverbänden und den anderen Gesundheitshandwerken gelungen, mit den Neuregelungen der aktuellen Gesundheitsreform wesentliche Verbesserungen für die Mitgliedsbetriebe zu erreichen.
Man habe die Kritik aus Nordrhein-Westfalen auch nicht ignoriert. Seit 1. Januar beschäftige der Zentralverband mit Christiane Mahnke eine Referentin für Kommunikation, die sich speziell um die unzureichende Kommunikation innerhalb des Verbandes und um die Außendarstellung des Handwerks gegenüber Politik und Kassen kümmern soll. Umso unverständlicher, so Dierolf, sei der Austritt zu diesem Zeitpunkt. Er hätte sich gewünscht, dass die Innungsführung noch die Delegiertenversammlung im April abwartet.

Rückkehr oder Zusammenarbeit?
Noch bis Ende des Jahres ist der Landesinnungsverband Mitglied im Zentralverband, so lange läuft die Kündigungsfrist. Zeit, es sich vielleicht noch mal anders zu überlegen? Er sehe derzeit keine Perspektive für eine Rückkehr, sagt Ludwig Vorholt, betont aber gleichzeitig, dass man den Zentralverband nicht als Gegner sehe. Man strebe einen fairen Umgang miteinander an und werde sich um ein konstruktives Verhältnis bemühen. In Zukunft, so Vorholt, werde es sicher Punkte geben, bei denen man im Sinne des Berufsstandes zusammenarbeiten werde. Werner Dierolf hat den Landesinnungsverband aus Nordrhein-Westfalen und die Landesinnung Bayern jedoch noch nicht abgeschrieben. Der Zentralverband habe ja schon mit dem Ausbau seiner Geschäftstelle begonnen und werde seine Leistungsfähigkeit noch weiter verstärken. Bis Mitte des Jahres soll die neue Ausrichtung des Zentralverbandes erkennbar sein. Die Punkte, an denen sich die Kritik entzündete, sollen dann verbessert worden sein. Und dann, so hofft Dierolf, müssten sich eigentlich auch die Kollegen in NRW und Bayern wieder für einen einheitliche, bundesweite Vertretung des Berufsstandes entscheiden. Seine große Sorge ist die Zersplitterung des Handwerks. „Mit einem schwachen Zentralverband“, so Dierolf, „wird auch das Handwerk insgesamt schwächer“.