12. März 2009

Orthopäden und Unfallchirurgen: Wohnortnahe Patientenversorgung durch Honorarreform gefährdet

Gestern startete die Aktionskampagne "Gesundheitspolitik macht krank. Wehren und beschweren Sie sich" des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) mit einem Aktionstag. Bundesweit hatten fast alle 4205 orthopädisch-unfallchirurgischen Praxen geschlossen. Der Berufsverband möchte mit seinem Protest auf die Auswirkungen der Honorarreform auf Patienten, Ärzteschaft und Gesellschaft aufmerksam machen.  

"Viele Praxen müssen jetzt schon bis zu 40 Prozent der Versorgung ihrer Patienten aus dem eigenen Budget zahlen. Mit der weiteren Absenkung der Honorare im nächsten Quartal droht zahlreichen Niedergelassenen das wirtschaftliche Aus", erklärte Dr. med. Siegfried Götte, Präsident des BVOU, anlässlich der gestrigen Pressekonferenz zum Kampagnenauftakt in Berlin.

Statt einer Deckelung der Honorare fordert der BVOU eine Bezahlung der tatsächlich erbrachten Leistungen. Denn seit Inkrafttreten der Honorarreform bekommt ein niedergelassener Orthopäde/Unfallchirurg nur noch einen Bruchteil der Behandlungskosten von den Kassen erstattet: rund 10,67 Euro pro Monat im Bundesdurchschnitt. Pro Quartal sind das somit nur 32,01 Euro. Hochkomplexe Behandlungen und Therapien, wie sie bei Patienten nach Brüchen und Unfällen oder gar bei Osteoporose und Arthrose zwingend notwendig sind, sind damit nicht mehr zu leisten. "Zum Supermarktpreis kann es keine zufriedenstellende orthopädische Facharztbehandlung geben, das muss jedem Gesundheitspolitiker doch verständlich sein", so Götte weiter. Der BVOU ruft deshalb nicht nur seine Mitglieder auf, sich zu wehren und zu beschweren. Der Appell geht auch an die Patienten. Diese haben die Gelegenheit, sich auf der Internetseite www.gesundheitspolitik-macht-krank.de für einen Erhalt der vertrauten und wohnortnahen fachärztlichen Versorgung und für medizinisch notwendige Untersuchungen und Behandlungen auszusprechen. "Patienten und Ärzte müssen sich gemeinsam dafür stark machen, dass die zur Verfügung stehenden Beiträge beim niedergelassenen Facharzt ankommen. Denn 95 Prozent der Behandlungsfälle werden ambulant, also in der Praxis versorgt. Gelingt es nicht, Ärzte leistungsgerecht zu honorieren, bricht die fachärztliche wohnortnahe Versorgung zwangsläufig zusammen", warnt Götte.