24. März 2009

Studie: Madentherapie bei Ulcis cruris nicht wirksamer als Standardbehandlung

Der Einsatz von Fliegenlarven fördert zwar das Débridement bei einem Ulcus cruris, die Wundheilung ist einer Studie im Britischen Ärzteblatt zufolge jedoch nicht schneller als bei einer konventionellen Wundauflage mit Hydrogel. Die Larven von Lucilia sericata ernähren sich fast ausschließlich von nekrotischem Gewebe und verzehren Wundbeläge innerhalb kurzer Zeit, ohne das darunter liegende durchblutete Gewebe zu schädigen. Dem Speichel der Maden werden außerdem antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben, die auch vor Infektionen mit multiresistenten Keimen schützen sollen. Die medizinische Evidenz der Madentherapie ist bislang jedoch noch schwach, die vorliegende Studie ist die erste größere randomisierte Studie zur Wirkung der Madentherapie auf die Wundheilung.

Teilnehmer der Studie waren 267 Patienten mit einem venösen oder gemischt venös-arteriell bedingten Ulcus cruris, das mindestens zu einem Viertel mit nekrotischem Gewebe belegt war. Sie wurden nach dem Los auf drei Gruppen aufgeteilt. In der ersten Gruppe wurden die Larven frei auf die Wundoberfläche aufgebracht, in der zweiten Gruppe waren sie in ein Gazenetz verpackt, in der dritten Gruppe erfolgte die Wundbehandlung ohne Larven, aber mit einem Hydrogel. Primärer Endpunkt war die Dauer bis zur Abheilung des größten Ulcus.

Wie die Studie feststellte, reduziert die Madentherapie die Zeit des Débridement signifikant. im Vergleich zum Hydrogel, die Wundheilung wurde durch sie jedoch nicht verkürzt. Die Hälfte der Patienten, die mit Maden behandelt wurden, wurden innerhalb von 236 Tagen geheilt, in der Hydrogel-Gruppe waren es 245 Tage. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Allerdings hatten die Maden die nekrotischen Beläge weitaus schneller beseitigt: Die freien Larven hatten die Arbeit nach 14 Tagen, die verpackten nach 28 Tagen erledigt, während unter der Hydrogelwundauflage 72 Tage vergingen, bis die Wunde frei von abgestorbenen Geweberesten war. Die Unterschiede waren signifikant, aber für die abschließende Wundheilung offenbar nicht von Bedeutung. Es gab auch keine Unterschiede in der Lebensqualität oder in der bakteriellen Besiedlung der Wunden, einschließlich der multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die allerdings zu selten waren, um Unterschiede signifikant belegen zu können. Ein möglicher Nachteil der Larven waren etwas stärkere Schmerzen in den ersten 24 Stunden vor dem ersten Verbandswechsel. In einer zusätzlichen Studie haben die Forscher die Wirtschaftlichkeit der Madentherapie vor dem Hintergrund des britischen National Health Service untersucht. Sie kommen auf Mehrkosten der Madentherapie von etwa 100 Pfund pro Jahr, die aber nicht stark ins Gewicht fallen. Die Autoren empfehlen, es den Patienten zu überlassen, welche Form der Therapie sie bevorzugen.