28. April 2009

Ärztemangel trotz steigender Arztzahlen

Die Bundesärztekammer hat gefordert, die Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung wieder attraktiver zu gestalten. Trotz steigender Arztzahlen seien freie Arztsitze und unbesetzte Stellen in Krankenhäusern Realität.

„Das ist kein Widerspruch, sondern eine natürliche Folge gesellschaftlicher Veränderungen und einer unzureichenden politischen Antwort darauf“, erklärte Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer. Politiker und Krankenklassen sollten nicht alle Defizite als „reine Verteilungsprobleme“ der Ärzteschaft abtun.

Die Ärzteschaft forderte mehr Stellen in den Krankenhäusern sowie eine bessere Bezahlung, den Abbau von Überstunden, Angebote für Kinderbetreuung, eine bessere Anerkennung und Vergütung der Arbeit der niedergelassenen Ärzte und eine Würdigung der Leistung der Selbstverwaltung.

Wie die Ärztestatistik 2008 erkennen lässt, stieg die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte 2008 um 1,5 Prozent auf etwa 320 000. Nach wie vor ist die Abwanderung ins Ausland sehr hoch; gleichzeitig jedoch auch die Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland. Ein weiterer Trend ist die Feminisierung des Arztberufs: Mittlerweile stellen die Frauen einen Anteil von 58 Prozent bei den Erstmeldungen bei den Landesärztekammern. Unter den insgesamt berufstätigen Ärztinnen und Ärzten waren 2008 41,5 Frauen.

Als Ursachen für den vermeintlichen Widerspruch zwischen den steigenden Arztzahlen und dem Ärztemangel nannte der Leiter der gemeinsamen Statistikabteilung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, Thomas Kopetsch, den medizinischen Fortschritt, der zu neuen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten führt, und den demografischen Wandel. Weitere Faktoren sind die zunehmende Feminisierung der ärztlichen Profession, die zwischen 2000 und 2007 bei Anstieg der Arztzahlen um 6,9 Prozent zu 1,6 Prozent weniger Arbeitsangebot führte, sowie der allgemeine Trend zur Arbeitszeitverkürzung.