02. Juni 2009

ZVOS: Neuausrichtung nach den Wahlen

Am 1. Juli finden die Neuwahlen des Präsidenten und des Vorstandes des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik in Hannover statt. Damit werden die Wahlen nachgeholt, die ursprünglich für die Mitgliederversammlung am 4. April geplant waren.

Bei der Versammlung am 4. April hatten die Delegierten der Mitgliedsinnungen des Zentralverbandes eine Verschiebung der Wahlen beschlossen. Durch den Verzicht auf Wahlen zu diesem Termin sollte eine Lagerbildung im Zentralverband vermieden werden. Vor allem die Mitgliedsinnungen Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland und auch Delegierte aus Baden-Württemberg hatten sich für eine personelle Neubesetzung der Verbandsführung stark gemacht. In der Versammlung hatte sich jedoch abgezeichnet, dass es für einen neuen Präsidenten und einen neuen Vorstand – unabhängig davon, welche Seite sich durchsetzen sollte – jeweils nur eine knappe Mehrheit geben würde.

Mit der Verschiebung der Wahl sollte Zeit gewonnen werden, um sich mit Hilfe eines Mediators oder Schlichters über die Differenzen innerhalb des Verbandes auszutauschen und möglichst einen gemeinsamen Weg für die künftige Verbandsarbeit zu finden. Die Chancen dafür schienen nicht schlecht zu stehen. Eine Präsentation der Vorstellungen der fünf Innungen über die künftige Verbandsausrichtung zeigte, dass beide Parteien in den grundsätzlichen Zielen nahe beieinander liegen.

Doch offenbar schienen der Landesinnung Bayern und dem Landesinnungsverband Nordrhein-Westfalen die Differenzen zu groß. Der LIV Nordrhein-Westfalen, dessen Delegierte schon im Januar den Austritt aus dem Zentralverband beschlossen hatten, schickte wenige Tage nach der Mitgliederversammlung die schriftliche und offizielle Kündigung der Mitgliedschaft. Die Mitglieder der Landesinnung Bayern beschlossen bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 8. Mai in Garmisch-Partenkirchen, aus dem Zentralverband auszutreten.

Bei dieser Versammlung hatte Werner Dierolf, Präsident des Zentralverbandes, noch einmal versucht, die Mitglieder der Landesinnung von einem Verbleib zu überzeugen. Über das Für und Wider einer weiteren Mitgliedschaft beziehungsweise des Austritts wurde – so war nach der Versammlung zu erfahren – intensiv diskutiert. Es habe durchaus auch Mitglieder gegeben, die sich für einen Verbleib im Zentralverband einsetzten. Das Abstimmungsergebnis fiel dann jedoch recht eindeutig aus. Von 152 anwesenden Mitgliedern stimmten 141 für den Austritt. Sechs Mitglieder stimmten dagegen, fünf enthielten sich der Stimme.

„Diese Austritte bedeuten eine Schwächung unseres Handwerks“, kommentierte Werner Dierolf die beiden Austritte. In einer Zeit da gerade gegenüber der Politik und den Krankenkassen Einigkeit gefordert sei, werde es für das Gesundheitshandwerk nun sehr viel schwieriger, die eigenen Interessen zu vertreten. Selbstverständlich, so Dierolf, werde der Zentralverband weiterhin das Gesundheitshandwerk Orthopädieschuhtechnik auf Bundesebene vertreten und den Schulterschluss mit den anderen Gesundheitshandwerken suchen. Es gebe viele Aufgaben, wie zum Beispiel die Entwicklung des Präqualifizierungsverfahrens, bei denen man auf Bundesebene die Fahne des Handwerks hochhalten müsse, um für alle Betriebe in Deutschland bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu erreichen. Bis zum Wahltermin im Juli werde der alte Vorstand keine grundsätzlichen Entscheidungen mehr fällen. Die Ausrichtung der Arbeit des Zentralverbandes unter den neuen Gegebenheiten sei Aufgabe des neuen Vorstands. Dazu gehöre auch, so Dierolf, die Aufgaben für die Geschäftsstelle zu definieren und die entsprechenden personellen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Christiane Mahnke, seit Januar Referentin für Kommunikation, hat den Zentralverband auf eigenen Wunsch wieder verlassen. Es sei sehr bedauerlich, sagte Dierolf, dass Frau Mahnke nach der Probezeit, das Arbeitsverhältnis nicht verlängert habe. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Position nach den Wahlen in gleich hoher Qualität wieder besetzt werden kann. Nach den Wahlen soll auch das Thema Mediation wieder angepackt werden. Für die Rolle des Mediators war es dem Zentralverband gelungen, Rechtsanwalt Hans-Jürgen Aberle, zu gewinnen. Aberle, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, hatte bereits an der Sitzung des Hauptausschusses am 13. Mai in Hannover teilgenommen. Angesichts der aktuellen Entwicklungen hatte er jedoch vorgeschlagen, die ursprünglich für die Zeit bis zur Neuwahl geplanten Gespräche auf die Zeit nach den Wahlen zu verlegen.