01. März 2020

Kinderschuhe: Raus aus der Schräglage

Foto: AdobeStock/Andrey Volokhatiuk

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CHRISTINA BAUMGARTNER

Was macht einen guten Kinderschuh aus? Ist ein Fußbett wirklich notwendig? Diese Fragen beschäftigen Eltern spätestens bei den ersten Schritten ihrer Kinder. Antworten finden sie auf dem Blog „Kidfoot“ von Dr. Kerstin Bosch-Stroot.

Im Interview erklärt sie, was bei der Auswahl und dem Kauf von Kinderschuhen beachtet werden sollte, welche Fehler häufig gemacht werden und ob Schnürer oder Schuhe mit Klettverschlüssen die bessere Wahl sind.

Welche Kriterien sollte ein guter Kinderschuh erfüllen?
Grundvoraussetzung ist natürlich, dass der Schuh in Länge und Breite passt. Die Sohle sollte weich und flexibel sein, gerne auch dünn. Wichtig ist auch ein flexibles Obermaterial und dass der Schuh innen wie außen eine flache Sohle hat, also kein Fußbett und auch keine Fersensprengung oder Fersenerhöhung drin ist.

Die Ferse sollte also auf gleicher Höhe mit dem Rest des Fußes stehen. Warum ist das aus biomecha­nischer Sicht sinnvoll und welchen Einfluss hat die Fersensprengung auf den Kinderfuß?
Wenn die Ferse etwas höher steht, befindet sich der Fuß immer in leichter Schräglage. Leider ist das bei fast allen Schuhen der Fall: Die meisten Leisten sind so aufgebaut, dass die Ferse ein paar Millimeter höher steht. Wenn der Fuß schräg steht, bedeutet das, dass man eine schiefe Position einnimmt und mehr Belastung auf den Fußballen kommt. Auch die weiteren Strukturen des Fußes, andere kleine Knochen und Gelenke, stehen unter „Stress“. Die Wadenmuskulatur ist immer leicht kontrahiert, was dazu führen kann, dass diese verkürzt und nicht richtig genutzt bzw. gedehnt wird. Die Sehnen adaptieren diese Verkürzung. Das kann dazu führen, dass die Stoßdämpfung, die bei einem normalen Schritt passiert – wenn man mit der Ferse aufsetzt und in die leichte Abrollung kommt– nicht mehr ausreichend stattfinden kann. Hinzu kommt, dass die Schräglage des Fußes sich in die höheren Segmente fortsetzt – ins Knie, das Becken, den Rücken – bis zum Kopf. Das Knie ist stärker gebeugt und das Becken kippt häufig leicht nach vorne, wodurch der Rücken eine stärkere Lendenlordose einnimmt und die Brustwirbelsäule mehr in die Kyphose geht. Auch die Kopfhaltung gleicht sich an, weil man natürlich das Bestreben hat, sich gerade hinzustellen, sonst würde man ja nach vorne umfallen. Das müssen die höheren Segmente dann ausgleichen. Im Schuh sind das meist nur ein paar Millimeter. Aber bei einem kleinen Körper sind ein paar Millimeter auch schon eine gewisse Höhe, die ein Erwachsener eventuell gar nicht so wahrnimmt, weil er einfach schon längere Hebel hat.

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