10. September 2020

Geeignete Schuhe für den Rheumafuß

Foto: Adobe Stock/lesterman

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CHRISTINA BAUMGARTNER

Bei Fußbeschwerden auf Grund von Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis ist die Wahl des richtigen Schuhes besonders wichtig. Was ist dabei zu beachten? Welche Modelle sind für Rheumapatienten geeignet?

 

 

Der Begriff „Rheuma“ stammt aus dem Griechischen („rheo“ = ich fließe). Die Beschwerden gehen mit fließenden, reißenden oder ziehenden Schmerzen einher. Da es sich bei Rheuma nicht um ein einheitliches, sondern um viele verschiedene Krankheitsbilder handelt, sprechen Mediziner von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Dazu zählen entzündliche rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, mit Symptomen wie Schmerzen, Schwellungen, Funktionseinschränkungen und Steifigkeit. In vielen Fällen ist auch der Fuß betroffen: Durch den verformten Fuß, auch „Rheumafuß“ genannt, kann es zu Bewegungseinschränkungen und Gangveränderungen kommen. Rheumatoide Arthritis am Fuß. Foto: Adobe Stock/kolesnikovsergHäufig ist beim rheumatischen Fuß der Vorfuß verbreitert, darüber hinaus können weitere Zehen- und Fußfehlstellungen, zum Beispiel Hallux valgus oder Hammer- und Krallenzehen, auftreten. Diese können Veränderungen der Haut, wie Schwielen, 
Hühneraugen oder Hautperforationen, begünstigen. Ein für Rheumatiker geeigneter Schuh muss deshalb besondere Eigenschaften aufweisen. „Rheumatisch entzündliche Erkrankungen im Fuß- und Zehenbereich verlangen nach besonderen Schuheigenschaften, wie zum Beispiel weichen Obermaterialien und stoßdämpfenden Laufsohlen“, weiß Jens Thomsen, Produktmanager Schuhe bei der Schein Orthopädie Service KG. Wichtig aber sei: Die Schuhe müssen den medizinischen Anforderungen bzw. dem jeweiligen Krankheitsbild genügen. Grundsätzlich gebe es bei der Vielzahl der unterschiedlichen Krankheitsformen keine generell gültige Therapie. „Es benötigt auch nicht jeder Rheumatiker Spezialschuhe“, so Thomsen. „Manchmal reichen Einlagen“. Ralf Riek, Vertriebsleiter bei FinnComfort, empfiehlt Orthopädieschuhmachern darauf zu achten, dass Schuhe für Rheumapatienten im Zehenbereich weit genug sind, Polster an Lasche und Schaftabschluss und wenige Nähte im Vorfußbereich haben. Sie sollten genügend Raum für eine dicke Polstereinlage bieten. An der Ferse empfiehlt Riek eine Einlagenstärke von mindestens einem Zentimeter. Die Schuhe sollten gut zurichtbar, das heißt die Laufsohle leicht abtrennbar und Aufbaumaterial gut zu verkleben sein. „Bei einigen rheumatischen Erkrankungen am Fuß ist eine Schuhzurichtung häufig erforderlich. Hierzu gehören unter anderem Ballen-, Mittelfuß- und Schmetterlingsrolle“, sagt Thomsen. Um diese sinnvoll zu verbauen, sei eine Sohlenversteifung zwingend notwendig. Bei diesem Konstruktionselement handele es sich um ein anerkanntes Mittel zur Druckentlastung und Schmerzreduktion. Aufgrund der genannten Eigenschaften werden von vielen Herstellern in der Regel auch Diabetikerspezialschuhe für Rheumapatienten empfohlen.

Kostenerstattung durch die Krankenkassen
„Im Hilfsmittelverzeichnis findet man aktuell keine Position zur Abrechnung von konfektionierten Spezialschuhen bei Rheuma, obwohl die Krankheit das Kassenbudget deutlich belastet. Im Rahmen seiner Therapiehoheit ist es dem Arzt aber möglich, ein nicht gelistetes Produkt zu verordnen“, sagt Jens Thomsen. In diesen Fällen müsse der Arzt ausführlich Diagnose sowie Therapieziel begründen und darlegen, warum er dieses Produkt für einen rheumatisch erkrankten Menschen verschreibe. Formulierungen wie „Herstellung oder Erhaltung der Mobilität“ oder „Herstellung der Arbeitsfähigkeit“ könnten die Krankenkasse gegebenenfalls überzeugen. „Die Genehmigung ist von der Ausführlichkeit der Begründung des Verordners abhängig – und vom Sachbearbeiter bei dem jeweiligen Kostenträger“, meint auch Ralf Riek. „Zu empfehlen ist ein Einzelkostenvoranschlag mit Nennung des jeweiligen Schuhpreises und der notwendigen Zusatzpositionen“. „Es bleibt eine Einzelfallentscheidung der Krankenkasse, die hoffentlich im Sinne des erkrankten Menschen erfolgt“, so Thomsen. Bei orthopädischen Maßschuhen stelle sich die Sachlage etwas einfacher dar. Diese werden meist auf Grund von schweren Fußdeformationen und weiteren rheumatoiden Begleiterscheinungen verschrieben und in der Regel auch von der Krankenkasse übernommen.

Darco (Europe) GmbH
Der „AllRound Shoe“ von Darco. Fotos: Darco (Europe) GmbHDarco bietet, speziell abgestimmt auf die Pathophysiologie des Rheumafußes und die dadurch auftretenden Fußdeformitäten, den „AllRound Shoe“ an. Der geschlossene Verbandschuh mit geringem Gewicht besteht aus einem weichen, atmungsaktiven, nahtfreien Material. Die weite Öffnung ermöglicht ein einfaches Anziehen und durch die große Zehenbox sollen zusätzlich Druckstellen auf die häufig deformierten Zehen verhindert werden. Falls eine individuell gefertigte Einlage notwendig wird, bietet der „AllRound Shoe“ durch die herausnehmbare Einlegesohle genügend Platz hierfür. Durch den speziellen Aufbau der stoßdämpfenden und rutschhemmenden Laufsohle findet mit der langsohligen Versteifung eine zusätzliche Entlastung der Fußgelenke statt. Die Außensohle kann von einem Techniker beschliffen und individuell bearbeitet werden. Der „AllRound Shoe“ ist im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und besitzt die Hilfsmittelnummer 31.03.03.4089.

Florett GmbH
Die Modelle „Perpignan“ und „Lausanne“ von Florett. (Fotos: Florett GmbH)Die Florett GmbH empfiehlt für Rheumapatienten ihre Prohylaxeschuhe. Durch den nahtfreien Innenraum, die weich gepolsterten Schäfte und die Verarbeitung von flexiblen, weichen Materialien im Vorfußbereich seien die Modelle sehr gut für empfindliche rheumatische Füße geeignet. Generell sind alle Modelle von Florett mit Stretchmaterial für Rheumapatienten geeignet, so der Bequemschuhhersteller aus Cham, beispielsweise die Modelle „Perpignan“ und „Lausanne“ mit bequemem Einstieg und Stretchvorderblatt.

Ganter Shoes GmbH
„Karla-Luise“ und „Karl-Ludwig“ von Ganter. (Fotos: Ganter Shoes GmbH)Ganter bietet für Diabetiker und auch für Rheumatiker die Modelle „Karla-Luise“ und „Karl-Ludwig“ an. Sie sollen den extrem empfindlichen Füßen von Diabetikern und Rheumatikern Schutz und Entlastung und gerade im Vorfußbereich viel Platz bieten. Zudem sind beide Modelle geeignet für diabetesadaptierte Fußbettungen und in Weite K und L erhältlich, wahlweise mit Sohlenversteifung. Sie sind zudem mit Absatz- und Mittelfußrolle, teilweise mit dehnbaren Blatteinsätzen, einem „Spacer“ zum Weitenausgleich und einer extra steifen, verlängerten Hinterkappe ausgestattet.

Podartis
Der Podartis-Sneaker „Venezia Classic S“ und das Modell „Velcrone Classic“. 
(Fotos: Podartis)Podartis bietet Spezialschuhe an, die sich auch für rheumatische Patienten eignen. Aufgrund von Deformitäten, Schmerzen bei Reibung mit dem Obermaterial, Einstell- und Schließschwierigkeiten bei Rheumapatienten bieten die Modelle zusätzliches Volumen, ein druckausgleichendes Fußbett, selbstformbares Obermaterial und einen Klettverschluss. Die biomechanische „Timing Rocker“-Sohle der Modelle soll die Druckspitzen auf den Mittelfußköpfen verringern. Die meisten der von Podartis empfohlenen Schuhe für den rheumatischen Fuß, besonders die Diabetiker-Schuhe, sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet.
 
Schein Orthopädie Service KG
„Actiflex“ mit Klettverschluss und Spezialschuh „LuCro“ von Schein. 
(Fotos: Schein Orthopädie Service KG)  Die „Actiflex“-Produkte von Schein eignen sich besonders für Rheumapatienten mit leichten Funktionsstörungen. Sie sind gut zurichtbar, bieten auf Grund des elastischen Schafts genügend Platz bei leichten Zehendeformationen, verfügen über eine gut ausgeformte und stabile Hinterkappe, eine schockabsorbierende Laufsohle, sind für Einlagen geeignet und können nachträglich bei Bedarf teilweise oder komplett versteift werden. Der „LucRo“-Schuh kommt bei schwereren Funktionsstörungen zum Einsatz und wird in bis zu vier verschiedenen Weiten je Modell angeboten. Ulzerationen soll die komplette Schaftpolsterung und das nahtfreie Futter vorbeugen. Schuhe von Schein sind ab Werk mit einer Ballenrolle und der häufig notwendigen Sohlenversteifung ausgestattet. Gleiches gilt für die Keilsohle, die zum Stützen von Mittel- und Rückfuß dient.

Waldi Schuhfabrik GmbH
FinnComfort „Prophylaxe“-Schuhe. (Fotos: Waldi Schuhfabrik GmbH)Die Waldi Schuhfabrik bietet für Rheumapatienten „Prophylaxe“-Schuhe und orthopädische Artikel mit und ohne Sohlenversteifung an. Die FinnComfort „Prophylaxe“-Modelle sind besonders flexibel, innen durchgehend gefüttert und mit einer verstärkten Polsterung im Knöchelbereich, einem Fußbett mit Weichpolsterung, einer beidseitig verlängerten Hinterkappe und einer gepolsterten und verstärkten Lasche zur Entlastung des Ristbereiches ausgestattet. Auch der mit großzügigem Volumen versehene Vorfußbereich ist komplett gepolstert, die weiche Vorderkappe soll ein hartes Anstoßen der Zehen verhindern.

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