20. Oktober 2009

Spectaris warnt vor Leistungskürzungen im Hilfsmittelbereich

Im vergangenen Jahr konnten die knapp 90 Hersteller medizinischer Hilfsmittel (mit 50 Beschäftigten und mehr) ihren Gesamtumsatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Euro steigern. Dieses Ergebnis hat der Industrieverband Spectaris anlässlich der Fachmesse Rehacare veröffentlicht. Trotz dieser Bilanz hat die Branche mit rund 13.000 Mitarbeitern nach Spectaris-Einschätzung von dem demographisch bedingten Wachstum des Marktes nur bedingt profitiert.

Das Verhältnis von Produktionsmenge und Produktionswert habe sich beispielsweise im Rollstuhlmarkt über die letzten sechs Jahre kontinuierlich um zehn Prozent verschlechtert. Die Ursache für die schwache Entwicklung sieht Spectaris bei der "Sparwut" der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Die GKV haben im vergangenen Jahr 4,9 Mrd. Euro für die Hilfsmittelversorgung ausgegeben und damit 3,8 Prozent mehr als 2007. Insgesamt sind ihre Ausgaben jedoch um 4,5 Prozent auf 151 Mrd. Euro gestiegen. Der Anteil der Hilfsmittelausgaben lag damit bei 3,2 Prozent, im ersten Quartal 2009 ist er auf drei Prozent gefallen, so Spectaris.

"In Zeiten knapper Kassen wird der Rotstift schnell bei der Hilfsmittelversorgung angesetzt. Die Krankenkassen haben die Preisschraube weiter angezogen", meint Spectaris-Geschäftsführer Sven Behrens. Kurzfristige Einspareffekte könnten jedoch schnell Mehrausgaben verursachen. "Wer Gelder in der Hilfsmittelversorgung kürzt, braucht sich über sinkende Versorgungsqualität nicht zu wundern", so Behrens. Was bei der Atemtherapie gespart werde, zahle man bei späteren Schlaganfällen oder Herzinfarkten mehrfach drauf.

Besonders kritisch sieht der Verband Leistungskürzungen. Eine Erhöhung von Zuzahlungen oder Eigenanteilen oder gar der Ausschluss ganzer Versorgungsbereiche aus dem Leistungskatalog könnten gravierende Auswirkungen nicht nur für die einzelnen Versicherten haben. Erfahrungen im Ausland hätten gezeigt, dass solche Maßnahmen im Ergebnis nicht zu Einsparungen, sondern zu Mehrkosten führten, da Therapien nicht angetreten oder verzögert wurden. Darüber hinaus müssten die Innovationen, die die Unternehmen schaffen, auch allen Versicherten zugutekommen können.

Spectaris vertritt im Fachverband Medizintechnik rund 160 deutsche Unternehmen des Investitionsgüter- und Hilfsmittelsektors, die vor allem Hightech-Produkte produzieren und stark exportorientiert sind. Die deutschen produzierenden Medizintechnikunternehmen erzielten 2008 einen Gesamtjahresumsatz von rund 18 Milliarden Euro und beschäftigten mehr als 100.000 Menschen in 1.250 Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten.