10. Juli 2017

Wenn der Fuß den Kopf in Bewegung bringt

Verbesserung oder Verschlechterung der Kopfrotation als Indikator für den Erfolg oder Misserfolg der Versorgung

Wie kann man die Wirkung von Einlagen messen? Eine neu entwickelte Messtechnik misst die Rotation des Kopfes. Ausgehend von der Annahme, dass sich Einlagenversorgungen nicht nur auf den Fuß, sondern auf den ganzen Körper auswirken, gilt eine Verbesserung oder Verschlechterung der Kopfrotation als Indikator für den Erfolg oder Misserfolg der Versorgung.

Hintergrund für die Entwicklung des Messgerätes war auch, endlich etwas Handfestes zu haben, was einem bei Versorgungen am Patienten Sicherheit gibt. Von Michael Weiß

In den vergangenen Jahren haben sich Ansätze in der Einlagenversorgung entwickelt, die über das bislang übliche Betten, Stützen und Entlasten hinausgehen. Diese „ganzheitlichen“ Betrachtungsweisen gehen davon aus, dass Veränderungen unter dem Fuß den Haltungsapparat und die Bewegungsabläufe aktiv beeinflussen können und so nicht nur auf die Fußstellung, sondern auf den ganzen Körper wirken.

Inzwischen gibt es viele positive Erfahrungen in der Praxis mit diesen Einlagen. Sowohl von wissenschaftlicher Seite als auch von Krankenkassenseite wird allerdings bemängelt, dass der Nachweis für den Nutzen dieser Einlagen noch nicht erbracht ist.

Wie alle therapeutischen Ansätze, die mit dem Patienten arbeiten und nicht ein Medikament verabreichen, tun sich sensomotorische, neurologische oder podo-ätiologische/-orthesiologische Einlagenversorgungen schwer damit, ihre Wirkung nach den derzeit geltenden wissenschaftlichen Kriterien nachzuweisen. Dies gilt im Übrigen auch für die klassischen Einlagen. Hier liegen auch nur für einige Indikationen ausreichend wissenschaftliche Nachweise vor.

Kopf und Fuß sind miteinander verbunden

Auch wenn der umfassende wissenschaftliche Nachweis noch fehlt, gibt es doch in der Medizin und Biomechanik inzwischen viele Arbeiten und Erkenntnisse, die Erklärungen zu den neuen Versorgungsansätzen bieten. Als erstes seien hier die Arbeiten zu den myofaszialen Ketten von Thomas Myers genannt, der die Funktion dieser Leitbahnen, die im Körper praktisch alles mit allem verbinden, beschrieben hat. Für die Wirkungsweise einiger der wichtigsten Leitbahnen für Bewegung und Haltung des Körpers liegen inzwischen auch wissenschaftliche Nachweise vor (Wilke, 2015).

Die Studien von Kirsten Götz-Neuman (Götz-Neumann, Gehen verstehen, 2006) haben gezeigt, dass der „Initial Contact“ der beim Aufsetzen des Fußes quasi als Initialzündung für die Muskulatur funktioniert, nicht mit zu weichen Materialien weggepolstert werden darf, da sonst das Zusammenspiel der Muskulatur zur Schrittabwicklung gestört wird. Ähnliches gilt auch für zu hohe Längs-, und Quergewölbestützen, da sie möglicherweise eher eine blockierende Wirkung haben.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Arbeiten von René Jacques Bourdiol, Dr. Bernard Bricot, Karel Breukhoven, Lydia Aich, Wolfgang Schallmey & Ina ter Hamsel erwähnt werden. Sie alle haben sich intensiv mit der Wirkung von Einlagen auf die Körperstatik auseinandergesetzt und Konzepte für Versorgungen entwickelt, die den gesamten Körper mit einbeziehen.

Einen wissenschaftlichen Nachweis für den genauen Wirkmechanismus sensomotorischer oder neurologischer Einlagen kann auch dieser Beitrag nicht ­leisten. Es soll jedoch eine Methode vorgestellt werden, mit der einfach und schnell überprüft werden kann, ob Einlagen tatsächlich eine Wirkung vom Fuß bis zum Kopf haben.

Aufsteigende und absteigende Ursachen

Auch wenn wir Orthopädieschuhmacher am Fuß arbeiten, müssen wir uns be­wusst sein, dass wir nicht alle Probleme und Schmerzen am Fuß, auch vom Fuß her therapieren können!

Kommt zum Beispiel ein Patient mit „Kreuzschmerzen“ zum Arzt, wird dieser ihn untersuchen und dabei vielleicht einen Beckenschiefstand finden. Hier stellt sich dann die Frage, ob dieser von einer anatomischen Beinlängendifferenz her­rührt oder durch Dysbalancen, eingeschränkte Beweglichkeit in Gelenken oder durch Fehlstellungen und Blockaden im Halswirbel- oder Kieferbereich verursacht wird.

Bei einer anatomischen Beinlängendifferenz – einer aufsteigenden Ursache – ist der Längenausgleich durch Schuh oder Einlage möglicherweise die richtige Therapie. Steht das Becken jedoch bei anatomisch gleich langen Beinen schief, liegt die Ursache woanders. Einschränkungen und Fehlstellungen am Kiefer oder der Halswirbelsäule, ebenso viszerale Probleme, sogenannte absteigende Ursachen, können dafür verantwortlich sein, dass die Stellung der Hüfte verändert wird und die Beinachsen und damit auch die Füße aus dem Lot geraten. Dann wird das eigentliche Problem mit einem „Längenausgleich“ nicht adressiert.

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