07. Dezember 2009

Kosten-Nutzen-Bewertung für Heil- und Hilfsmittel?

Für Behandlungen wie Sprachtherapien oder den Einsatz von Sauerstoffgeräten geben die Krankenkassen rund neun Milliarden Euro pro Jahr aus. Einer neuen Studie zufolge ist der Heil- und Hilfsmittelmarkt aber viel zu undurchsichtig. Es fehle eine Kosten-Nutzen-Analyse und ein offener Wettbewerb, bemängelte der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske. Das gehe aus dem „GEK Heil- und Hilfsmittel-Report 2009“ hervor, den Glaeske mit Kollegen für die Gmünder Ersatzkasse (GEK) geschrieben hat.

Die Bedeutung der Heil- und Hilfsmittel im Gesundheitswesen wird nach Ansicht der Experten zunehmen. Dieser Bereich wachse bereits jetzt jährlich um mehrere Prozent, sagte Glaeske. „Und die Demografie trägt dazu bei, dass Hilfsmittel wie Rollatoren wichtiger und mehr werden“. Doch dazu sei es nötig, genau auf die Kosten und den sinnvollen Einsatz der Mittel zu achten.

Glaeske sagte, es gebe immer noch Fälle wie zu kleine Hörgeräte, die in Schubladen verschwinden, weil die älteren Patienten nicht mit ihnen zurechtkämen. Hilfen wie Sauerstoffgeräte für Menschen mit der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose seien dagegen lebensnotwendig. Sie erhöhten die Lebenserwartung der Patienten. Auch bei hyperaktiven Kindern seien Therapien oft besser als Medikamente, aber teurer.

„Analog zu den Arzneimitteln müsste es auch für die Heil- und Hilfsmittel eine genaue Kosten-Nutzen-Bewertung geben”, sagte der GEK-Vorstandsvorsitzende Rolf-Ulrich Schlenker. Bei Medikamenten wird der Nutzen neuer, teurer Mittel bewertet. Wenn dieser gering ist, müssen die Kassen nicht den ursprünglichen Preis erstatten. Der GEK Heil- und Hilfsmittel-Report basiert auf den Zahlen der Kasse, die rund 1,75 Millionen Versicherte zählt (2008). Rund 290000 von ihnen erhielten Hilfsmittel, genau so viele wurden mit Heilmitteln versorgt. Anfang 2010 will die Gmünder mit der Barmer Ersatzkasse zur Barmer/Gmünder fusionieren, die dann mit 8,6 Millionen Versicherten die größte Kasse Deutschlands wird.