08. Dezember 2009

Ärzteverbände bieten Krankenkassen Gespräche zu Selektivverträgen an

MEDI Deutschland, der Bundesverband der Ärztegenossenschaften (BVÄG) und der NAV Virchow-Bund haben den gesetzlichen Krankenkassen Verhandlungen über Selektivverträge angeboten. Die Verbände sehen in den Vollversorgungsverträgen für Fachärzte nach § 73c SGB V eine notwendige Ergänzung zu den Hausarztverträgen nach
§ 73b SGB V und zum Kollektivvertrag.  

„Die niedergelassenen Ärzte brauchen zur Sicherung ihrer Praxen in Zukunft ein Nebeneinander zwischen Kollektiv- und Selektivverträgen, denn ohne die bessere Vergütung in den Haus- und Facharztverträgen stehen insbesondere die Versorgerpraxen vor dem finanziellen Aus, weil mit dem Regelleistungsvolumen aus dem Kollektivvertragssystem die Praxen definitiv nicht finanzierbar sind“, betont der MEDI Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner. Der einzelne Arzt und die Patienten müssten wählen können, ob sie im Kollektivvertrag bleiben möchten oder stattdessen an einer haus- und fachärztlichen Versorgung ohne die Beteiligung einer Kassenärztlichen Vereinigung teilnehmen möchten. Und der Vorsitzende des BVÄG, Dr. Joachim Wagner fügt hinzu: „Im Kollektivvertrag wechseln andauernd die Rahmenbedingungen. Das nimmt unseren Praxen jegliche Planungssicherheit und gefährdet die wohnartnahe ambulante Versorgung unserer Patienten.“

„Unabhängig vom Regierungswechsel, mit dem viele Erwartungen und Hoffnungen verbunden sind, wird eine zukunfts- und qualitätsorientierte Versorgungskonzeption allein im Kollektivvertragssystem nicht gelingen“, erklärt NAV Chef Dr. Klaus Bittmann. Als Vorreiter für Selektivverträge gilt Baden-Württemberg, wo bereits Anbietergemeinschaften zwischen regionalen Facharztverbänden und der MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH bestehen. In anderen Regionen könnten ähnliche Vertragsgemeinschaften mit Facharztverbänden und fachübergreifenden Ärzteorganisationen gebildet werden, so die drei Verbände.