22. Dezember 2009

BKK-Faktenspiegel: Gesundheit in der Krise

Im vergangenen Jahr kam es zu einem erneuten Anstieg der Fehlzeiten bei den Beschäftigten – die Krankenquote lag bei 3,7 Prozent . Dies berichtet der BKK-Faktenspiegel, der auch detaillierte Zahlen zu einzelnen Krankheiten zur Verfügung stellt. Der BKK- Bundesverband erfasst und analysiert jährlich die gesundheitlichen Befunde jedes vierten Beschäftigten in Deutschland und möchte damit repräsentativ das Krankheitsgeschehen in der Arbeitswelt abbilden.

Während zum Beispiel Herz- und Kreislauferkrankungen eine immer geringere Rolle spielen, nehmen die psychischen Störungen zu. Unsichere Arbeitsplätze in wirtschaftlich schwierigen Zei­ten, permanente Restrukturierungen in den Unternehmen bei gleichzeitig wachsenden Leistungsanforderungen erhöhen die psychischen Belastungen an vielen Arbeitsplätzen – so erklärt der BKK-Faktenspiegel diese Entwicklung.

Im vergangenen Jahr sind die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) zum zweiten Mal in Folge nach 2007 wieder angestiegen. Durchschnittlich waren 2008 Beschäftigte 13,4 Tage arbeitsunfähig. 2006 war es mit nur 12,4 Tagen ein ganzer Tag weniger: Der niedrigste Stand seit Beginn der BKK Statistik über Krankheitsarten 1976. Im Jahr 1991, dem ersten Jahr der gesamtdeutschen Erhebung, fehl­ten die Beschäftigten mit knapp 25 Tagen doppelt so lange.

Mit 26,3 Prozent entfielen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage im vergangenen Jahr wie in den Jahren zuvor auf Muskel- und Skeletterkrankungen. Mehr als zwei Drittel aller AU-Tage entfielen auf nur vier Krankheitsgruppen. Auf Platz zwei lagen Atemwegserkrankungen (7 Prozent), auf Platz drei Verletzungen und Vergiftungen (1 Prozent). An vierter Stelle folgten die psychischen Störungen (0 Prozent). 1976 lag ihr Anteil noch bei zwei Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.

Männer waren 2008 in den meisten Altersgruppen öfter krank als Frauen. Dies führt der BKK-Faktenspiegel vor allem auf dem höheren Anteil der Männer in gewerblichen Berufen zurück. Lediglich die unter 20-jährigen sowie die 25- bis unter 30-jährigen männlichen Pflichtversicherten weisen geringere Krankheitszeiten auf als Frauen der gleichen Altersgruppe. Be­rufs­anfänger unter 25 sind relativ häufig krank, jedoch mit nur kurzen Ausfallzeiten. Im Alter sind zugrunde liegende Erkrankungen meist schwerer, das heißt, die Krankheitsdauer wird länger. Eine durchschnittliche Erkrankung dauerte 2008 bei den unter 25-Jährigen etwas mehr als eine Woche, bei den über 50-Jährigen drei Wochen.

Arbeitslose hatten auch 2008 die meisten AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen. Männer kamen auf 527, Frauen auf 709 Tage je 100 Mitglieder. Arbeitslose Männer waren damit rund fünf mal so häufig wegen dieser Diagnose arbeitsunfähig wie der Durchschnitt aller beschäftigten Männer mit 94 Tagen.

Jeder dritte AU-Fall war 2008 bereits nach drei Tagen beendet, weitere 30 Prozent der Fälle dauerten maximal eine Woche. Die Fälle bis zu einer Woche machten damit zwar zwei Drittel der Fälle, aber weniger als 18 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage aus. Größeren Einfluss auf die Höhe des Krankenstandes hatten Langzeitfälle mit über sechswöchiger Krankheitsdauer. Obwohl sie nur vier Prozent der Fälle ausmachten, verursachten sie fast 45 Prozent der Krankentage.

Mit weniger als 10 AU-Tagen im Jahr 2008 waren die Beschäftigten in kleineren Betrieben am wenigsten von Krankheit betroffen. Mit den Betriebsgrößen steigen dann auch die Krankenstände. In Unternehmen zwischen 2000 und 5000 Beschäftigten liegt die Arbeitsunfähigkeit bei 15,8 Tagen je Beschäftigten. Ab 5000 Mitarbeitern sind die Krankenstände wieder leicht rückläufig. Allerdings liegen auch Betriebe mit über 10000 Mitarbeitern mit 14,3 Tagen über dem Bundesdurchschnitt von 13,4 Tagen je beschäftigtem Pflichtmitglied.

(Quelle: BKK-Faktenspiegel Dezember 2009)