15. Juni 2010

Designierter IQWiG-Leiter Windeler: auch Medizinprodukte sollen auf den Prüfstand

Der Vorstand des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 8. Juni über die Nachfolge des bisherigen Institutsleiters Prof. Peter Sawicki entschieden. Der Mediziner Prof. Jürgen Windeler tritt vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesgesundheitsministeriums am 1. September sein neues Amt an.

Jürgen Windeler gilt als Wunschkandidat der gesetzlichen Krankenkassen für die Nachfolge von Sawicki. Windeler ist derzeit leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Zuvor war er unter anderem an den Universitätskliniken Göttingen, am Klinikum Wuppertal-Elberfeld, am Zentrum für Sozialmedizin der Ruhr-Universität Bochum sowie am Institut für medizinische Biometrik und Informatik der Universität Heidelberg tätig. Zudem ist er außerplanmäßiger Hochschullehrer an der Ruhr-Universität Bochum.

Gegenüber "Spiegel online" äußerte Windeler, er wolle anders als sein Vorgänger agieren und das Institut in ruhigeres Fahrwasser leiten.  Zuletzt sei das IGWiG in einer permanenten Verteidigungsrolle gewesen. Er selbst möchte sich in seinem neuen Amt als Person zurücknehmen. Im "Weser-Kurier" sagte Windeler, er wolle das IQWiG zu einer festen Institution im Gesundheitswesen machen. Die bislang starke Fokussierung auf den Sektor Arzneimittel solle durch andere Bereiche relativiert werden. Wichtig seien die Überprüfung des medizinischen Nutzens von Untersuchungsmethoden, unter anderem zur Früherkennung und Vorsorge.

In der "Frankfurter Rundschau" erklärte Windeler, dass erhebliche Summen für ungeeignete Behandlungen ausgegeben werden. Hier gehe es um "Milliardenbeträge, und nicht nur einstellige", die es in die richtigen Bahnen zu lenken gelte. Im „Stern“ vom 10. Juni äußerte Windeler, er könne sich vorstellen, dass sich das Institut in Zukunft auch mit nichtmedikamentösen Methoden und Produkten beschäftigen wird - etwa mit Medizinprodukten. In diesem Bereich gebe es „noch nicht mal eine Erstbewertung, wie sie durch das Arzneimittelzulassungsverfahren für Medikamente besteht. Medizinprodukte brauchen keine Zulassung, sie müssen weder Wirksamkeit noch Sicherheit belegen. Wir müssen also auch dahin schauen, wo noch gar nichts geprüft wird“.

Das IQWiG wurde im Jahre 2004 in der Rechtsform einer privaten Stiftung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gegründet. Es untersucht und bewertet den Nutzen von Arzneimitteln und medizinischen Leistungen und gibt Erstattungsempfehlungen für die Krankenkassen ab. Der amtierende IQWiG-Leiter Peter Sawicki war aufgrund seiner Bewertungen und Empfehlungen in den vergangenen Monaten mehrfach in Kritik geraten.