18. Juni 2010

BVMed: Festzuschüsse ungeeignet für den Hilfsmittelbereich

In seinem neuen „Schlüsselpapier für den Bereich der Hilfsmittelversorgung” fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), nicht nur den Preis-, sondern auch den Qualitätswettbewerb wieder stärker in den Fokus zu rücken. Festzuschüsse seien dazu nicht das richtige Konzept.

Der BVMed hingegen spricht sich in seinem Schlüsselpapier eindeutig gegen Festzuschüsse aus. So würden Festzuschüsse eine Abkehr vom Sachleistungsprinzip hin zur Kostenerstattung bedeuten. Zwischen den Krankenkassen würde kein Preiswettbewerb mehr stattfinden.
Der Leistungserbringer könne den „Endpreis” nur über den Eigenanteil des Versicherten regulieren und habe somit einen starken Anreiz, dem Versicherten Produkte anzubieten, die mit einem hohen Eigenanteil verbunden seien. Produktinnovationen würden den Versicherten nur bei Produkten mit einem hohen Eigenanteil zur Verfügung gestellt werden, so der BVMed.
In zahlreichen Versorgungsbereichen, vornehmlich bei schwerkranken Versicherten, wäre der Patient mit der Auswahl der Produktalternativen überfordert. Dies könnte Fehlversorgungen zur Folge haben, warnt das Schlüsselpapier. Es bestehe die Gefahr, dass der Pa­tient unterversorgt werde, weil er sich den Eigenanteil nicht leisten könne. Könne der Versicherte nicht mit den medizinisch notwendigen Produkten versorgt werden, sei davon auszugehen, dass sich die Erkrankung verschlimmere und das Gesundheitswesen mit zusätzlichen Kosten belastet würde.
In Bezug auf die Leistungserbringer warnte der BVMed davor, dass das Inkassorisiko allein bei ihnen liege. Die Einforderung von ausstehenden Zahlungen bedeute einen erhöhten administrativen Aufwand. Ein System der Festzuschüsse erfordere neue Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgungsqualität und zur sachgerechten Verwendung der finanziellen Mittel durch die Krankenkasse.

Zwar streitet der BVMed nicht ab, dass Festzuschüsse für einzelne Teilbereiche in der Gesundheitsversorgung sinnvoll sein können. Aufgrund der Heterogenität und des betroffenen Personenkreises hält er Festzuschüsse jedoch im Hilfsmittelbereich für „grundsätzlich ungeeignet, eine qualitätsgerichtete Patien­ten­versorgung zu gewährleis­ten.” Festzuschüsse könnten den Einstieg in eine „Zwei-Klassen-Medizin bedeuten, so der BVMed.