05. Juli 2010

RWI-Studie: Krankenkassen könnten Verwaltungskosten in Milliardenhöhe einsparen

Allein durch mehr Effizienz in der Verwaltung könnten gesetzliche Krankenkassen jährlich 1,4 Milliarden Euro einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), die die Direktkrankenversicherung BIG direkt gesund in Auftrag gegeben hatte.

Die 1996 gegründete BIG direkt gesund ist Deutschlands erste gesetzliche Direktkrankenversicherung. Die BIG nutzte die Publikation der Studienergebnisse, um die eigene, nach eigenen Angaben kostengünstigere Verwaltung herauszustellen.

Für die BIG direkt gesund untersuchten die Wissenschaftler des RWI die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen und sahen dabei ein Einsparpotenzial in Milliardenhöhe . Die durchschnittlichen Verwaltungskosten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könnten demnach allein durch effizientere Verwaltungsstrukturen um 13 Prozent jährlich gesenkt werden, so die Studie. Statt derzeit 10,5 Milliarden Euro müsste die GKV der Studie zufolge nur 9,09 Milliarden Euro pro Jahr für Verwaltung ausgeben.

Der Vorstandsvorsitzende der BIG, Frank Neumann, sieht durchaus Handlungsbedarf: "Das Ergebnis macht deutlich, dass bei den Diskussionen um Sparpotenziale im Gesundheitswesen auch die Kassen ihren Teil beitragen können - ohne die Versicherten zu belasten". Vor allem aber könne die Studie dazu dienen, die Debatte um die Verwaltungskosten zu versachlichen und die tatsächlichen Kosten transparent zu machen.

In der GKV fallen nach Angaben der BIG durchschnittlich 149,44 Euro Verwaltungskosten pro Versichertem an. Nach Berücksichtigung der Steuerbarkeit einzelner Verwaltungskosten und eines Morbiditätseffekts in der Versichertenstruktur wurde aus den Zahlen der BIG ein Referenzwert (Benchmark) von 129,42 Euro gebildet, der von der durchschnittlichen Kasse erreicht werden sollte. Damit könnten die Verwaltungsausgaben um 20,02 Euro pro Versichertem jährlich gesenkt werden. Die BIG direkt gesund liegt nach eigenen Angaben mit ihren Verwaltungsaufwendungen in Höhe von 104,87 Euro pro Versichertem unter dem Referenzwert von 129,42 Euro.

"Die Studie zeigt deutlich, dass die Verwaltungskosten einiger Krankenkassen bei gleichem Leistungsniveau viel höher sind als bei anderen. Die Kassen haben demnach bei ihren Verwaltungskosten einen größeren Gestaltungsspielraum als bisher angenommen", so Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit des RWI.

Die Studie basiert auf anonymisierten Daten des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahr 2008. Die Datengrundlage umfasst die Rechnungsergebnisse sowie die Angaben zum Ausgleich der Krankenversicherung der Rentner (Beitragspflichtige Einnahmen). Die BIG legte ihre Verwaltungskosten für die Studie offen, so dass ein Referenzwert errechnet werden konnte. Dieser Wert ergibt sich aus den Verwaltungskosten der BIG zuzüglich der nicht beeinflussbaren Verwaltungskosten, wie Pensionslasten, Ruhegehälter, Versorgungsbezüge, und dem morbiditätsbedingten Mehraufwand in der Verwaltung.