06. Juli 2010

Rettung für Sioux: Übernahme durch Square Four

Der Schuhhersteller Sioux ist von dem Investor Square Four übernommen und damit vor der Insolvenz bewahrt worden. In einer gemeinsamen Pressekonferenz am 2. Juli stellten die neuen Eigentümer ihre Zukunftsstrategie vor.

"Dies ist ein besonderer Tag für Sioux und für mich ganz persönlich", erklärte Klaus Schinle, Geschäftsführer von Sioux. "Die Rettung und der Erhalt von Sioux war mir eine Herzensangelegenheit. Ich freue mich, dass nun endlich die Weichen für die Zukunft gestellt sind."

In einem fast zwei Jahre dauernden Überlebenskampf des schwäbischen Schuhherstellers konnte mit Square Four ein Investor gefunden werden, der auf Unternehmenstransaktionen in Krisenzeiten spezialisiert - unter anderem hat. Square Four 2008 den Schuhhersteller Erich Rohde GmbH aus der Insolvenz gekauft. Im April 2009 hatte Square Four die Kaufverträge zur Übernahme von Sioux unterzeichnet. Aufgrund der schwierigen Ausgangslage wurde jedoch ein Jahr benötigt, um alle aufschiebenden Bedingungen zu erfüllen und die Transaktion zu vollziehen.

In Bedrängnis geraten war Sioux durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Egana Goldpfeil. Diese hatte ihre internationale Expansion über die Aufnahme von fast 200 Millionen Euro finanziert und dafür sämtliche Tochtergesellschaften in die Mithaftung genommen. Nach dem Zerfall der Gruppe blieben die Tochtergesellschaften mit hohen Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern zurück. Im Zuge der Übernahme von Sioux durch Square Four kam es zu Verhandlungen mit den Altgläubigern, die letztlich auf ihre Altverbindlichkeiten verzichtet haben.

Durch diesen Verzicht und die Einzahlung neuer Eigenmittel steigt die Eigenkapitalquote zukünftig auf 45 Prozent, teilte Sioux mit, "Wir haben nun also eine sehr gesunde Finanzierungsstruktur und ein für Mittelständler sehr hohes Eigenkapitalpolster".

Management-Team neu besetzt
Chief Operations Officer (COO) wird Paul Janssen (45), der bisher Geschäftsführer von Hugo Boss Shoes und Accessoires war. Er wird für die Bereiche Produktion, Kollektion, Verkauf, Einkauf und Logistik verantwortlich sein. Janssen bringt ein komplettes Team von Hugo Boss zu Sioux mit, das sich um die Kollektionen von Sioux und Joop! kümmern wird. Zudem hat Sioux ein neues Designbüro in Norditalien gegründet. In Portugal, wo Sioux bislang hauptsächlich produzierte, soll ein neues Entwicklungszentrum entstehen.

Der bisherige Sioux-Geschäftsführer Klaus Schinle (63) wechselt Ende September in den Beirat. Sein Nachfolger wird Stephan Krug (45), der die Bereiche Vertrieb, Marketing, Personal und Finanzen übernimmt. Krugs letzte Stationen waren Managementpositionen bei Stride Ride und Wolverine, die Deutschlandgeschäftsführung von Clarks und die Verkaufsleitung bei Timberland.

Verjüngung der Kollektion
Wesentlicher Eckpfeiler der Zukunftsstrategie von Sioux ist die Verjüngung der Kollektion. Neben den bewährten Modellen sollen stufenweise für jüngere Zielgruppen attraktive Designs in die Kollektion aufgenommen werden und modischere Akzente setzen. Bereits in der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2011 wird dies in einigen Modellen umgesetzt.

Ob der Unternehmensstandort in Walheim erhalten bleibt, ist derzeit fraglich, erklärte Lewin Berner, Geschäftsführer von Square Four. "Die Räumlichkeiten in Walheim lassen eine Erweiterung des Standorts nicht zu, da das Unternehmen mitten in einem Wohngebiet liegt. Außerdem sind die Gebäude alt." Dennoch werde man in der Region bleiben.
Zudem hat Square Four vor, Kostenstrukturen im Unternehmen "anzupassen" und die Organisation zu straffen - in diesem Bereich sind also Einsparungen an bisherigen Strukturen zu erwarten.