30. Juli 2010

Heranreifen eines Ersatzgelenks aus körpereigenem Gewebe im Tierversuch gelungen

US-Forschern ist ein Schritt in Richtung eines autologen Gelenktransplantates gelungen, bei dem das defekte  Gelenk durch körpereigenes Gewebe ersetzt wird. Wie das Deutsche Ärtzeblatt berichtet, implantierten sie Kaninchen einen Humeruskopf aus resorbierbarem Material, dessen Gelenkfläche sich innerhalb weniger Wochen so weit regenerierte, dass die Tiere wieder normal laufen konnten. Die Forscher im Lancet prognostizierten, werden der gesamte künstliche Knochen langfristig durch körpereigenes Gewebe ersetzt werden. 

Der Kunstknochen, den die Gruppe um Jeremy Mao vom Columbia University Medical Center in New York entwickelt hat, besteht zu 80 Prozent aus Polycaprolacton, einem biologisch abbaubaren Kunststoff. Er enthält keine lebenden Zellen, doch nehmen die Forscher an, dass das Gerüst für den Humeruskopf nach der Transplantation allmählich von körpereigenen Zellen besiedelt wird. Dann würde aus dem Kunstgelenk ein biologischer Knochen.

Das Gerüst enthält zahlreiche Mikrokanäle, über die später die Regeneration in einen körpereigenen Knochen erfolgen soll. Nach der Transplantation soll sich hier eine neue Knorpelschicht bilden. Um die BIldung der Knorpelschicht zu stimulieren, wurde das Gelenk mit einem Kollagengel imprägniert, das körpereigene Vorläuferzellen anlockt, die den Knochen nach und nach neu aufbauen.

Alle zehn Kaninchen, denen das Implantat eingesetzt wurde, konnten es nach vier Wochen benutzen und sich normal bewegen. Auf den Röntgenbildern war nach vier Monaten zu sehen, dass sich ein Gelenkspalt gebildet hatte, der einem normalen Gelenkspalt ähnelte. Das Gerüst war mit Knorpel überzogen und hatte sich bereits teilweise in einen normalen Knochen verwandelt.

Mao sieht darin den Beweis, dass Gelenke regenerierbar sind. Der Kieler Kieferchirurg Patrick Warnke ist der Auffassung, dass die Methode theoretisch auch am Menschen angewandt werden könnte. Er selbst hatte vor Jahren einen Knochen in der Rückenmuskulatur eines Menschen wachsen lassen, der später zur Rekonstruktion eines Unterkiefers eingesetzt wurde. Dennoch stelle der Ersatz eines Gelenks beim Menschen weitaus höhere Anforderungen als bei einem Kaninchen, eine klinische Anwendung sei daher noch nicht in Sicht. Auf absehbare Zeit hält Warnke die Implantation eines Metallgelenks für die bessere Alternative.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt (zum Bericht)