13. August 2010

DIHK: Ausbildungsmarkt zeigt sich robust

Die Zahl der bei den Industrie- und Handelskammern registrierten Ausbildungsverträge liegt Ende Juli – trotz rückläufiger Schulabgängerzahlen – ebenso hoch wie ein Jahr zuvor.

"Der Ausbildungsmarkt zeigt sich kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres in robuster Verfassung. Die Unternehmen in Industrie, Handel und Dienstleistungen haben bis Ende Juli dieses Jahres 227.760 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Damit ist das Niveau des Vorjahresmonats erreicht – und das bei deutlich rückläufigen Schulabgängerzahlen", erklärt Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). In Westdeutschland gibt es einen Zuwachs von 0,6 Prozent an Ausbildungsverträgen; in Ostdeutschland ist demografiebedingt ein Minus von 3,7 Prozent zu verzeichnen.

"Die gute Lehrstellensituation zeigt, dass die Unternehmen bei anziehender Konjunktur Vorsorge treffen. Sie wissen, dass Lehrstellenbewerber immer knapper werden. In diesem Jahr gibt es fast drei Prozent weniger Schulabgänger als noch im letzen Jahr", so Driftmann. "Im Osten Deutschlands hat der Rückgang bereits dramatische Ausmaße angenommen. Hier haben in diesem Jahr 13 Prozent weniger Jugendliche die Schulen verlassen als 2009. Viele Unternehmen suchen hier händeringend nach qualifizierten Bewerbern.Noch immer gibt es in den Lehrstellenbörsen der IHKs zahlreiche Ausbildungsangebote in fast allen Branchen und Berufen."

Angesichts der demografischen Entwicklung macht die mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber den Betrieben noch mehr Sorgen. Denn etwa 20 Prozent der Schulabgänger können nur unzureichend lesen, schreiben und rechnen. Mehr als die Hälfte der ausbildenden Unternehmen muss daher mit Nachhilfe gegensteuern. Allerdings können die Betriebe nur begrenzt ausgleichen, was in Elternhäusern und Schulen versäumt wurde. Zusätzliche Möglichkeiten für die Betriebe, passende Bewerber auch im Ausland zu finden, bietet die ab Mai nächsten Jahres in Kraft tretende vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen EU-Mitgliedsländer. Hiervon dürften gerade Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern profitieren.

"Im Herbst soll der neue Ausbildungspakt geschlossen werden. Dieser muss sich angesichts der veränderten Herausforderungen am Ausbildungsmarkt auf die Schwerpunkte Ausbildungsreife, Berufsorientierung und Integration konzentrieren. Denn wir müssen alle unsere Potenziale nutzen, um die Fachkräfte von morgen zu gewinnen", fordert Driftmann.