06. Oktober 2010

Krankengymnastik und Schmerzmittel schon für Kinder

Die Medizinisierung der Kindheit schreitet voran. Laut Barmer GEK Heil- und Hilfsmittel-Report 2010 erhielten 2009 rund 4,7 Prozent aller Kinder im Alter bis 13 Jahren Physiotherapie. Gleichzeitig sind unter den häufigsten Diagnosen im Verordnungszeitraum die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zu finden, wovon Rückenbeschwerden rund 47 Prozent ausmachen.

Noch auffälliger: Rund 29 Prozent der Kinder mit entsprechender Diagnose erhalten Physiotherapie, 51 Prozent auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Barmer GEK Vorstandsvize Dr. Rolf-Ulrich Schlenker: "Kinder mit unspezifischer Rückenschmerz-Diagnose und Krankengymnastik-Verordnung müssen stutzig machen. Hier drängt sich die Frage auf, inwieweit die Gründe auch im sozialen Umfeld und in erzieherischen Defiziten zu suchen sind."

Die Hilfsmittelversorgung von Kindern zeigt aus Sicht der Barmer GEK Tendenzen zur Überversorgung: So lag 2007 der Anteil der in der ehemaligen GEK versicherten Kinder bis 13 Jahren mit mindestens einer Einlagenverordnung bei 4,9 Prozent. Dagegen ist die Anzahl der Kinder mit objektivem medizinischen Bedarf deutlich geringer: Nur 1,3 Prozent dieser Kinder wurde ein "Plattfuß" diagnostiziert. Einlagen machen bei Kindern rund 40 Prozent aller verschriebenen Hilfsmittel und 24 Prozent der Hilfsmittelgesamtausgaben aus.