01. Dezember 2010

Präqualifizierung kurz vor dem Start

Anfang November veröffentlichte der GKV Spitzenverband die Eignungskriterien für die Präqualifizierung - lediglich die Fortbildungsanforderungen fehlen noch. Außerdem wurden die Anforderungen an die Präqualifzierungsstellen präzisiert. Bis Ende des Jahres soll der Startschuss fallen.

„Bei den inhaltlichen Kriterien gibt es aus unserer Sicht nur wenig Überraschendes”, meint Bernd Rosin-Lampertius, Geschäftsführer der Innung für Ortho­pädie-Schuhtechnik Berlin sowie der Innung Mecklenburg-Vorpommern, der für den ZVOS an den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband beteiligt war. „Die Eignungskriterien orien­tieren sich recht nah an den alten Zulassungsvoraussetzungen und konkretisieren sie. Da gibt es nichts, was unsere Betriebe umhauen dürfte.” Anders als zunächst befürchtet, dürfen die Orthopädieschuhtechnik-Betriebe weiterhin alle bisherigen Versorgungen übernehmen, inklusive Gehhilfen und bis zum Knie reichende Orthesen. Auch eine weitere Befürchtung ist nicht eingetreten: Zertifizierungen werden für die Präqualifizierung nicht gefordert.

Räumliche Anforderungen erweitert
Bezüglich der räumlichen Anforderungen ist es bei der ursprünglichen Planung geblieben, dass für Neubetriebe oder beim Bezug neuer Räumlichkeiten barrierefreie Eingänge und Toiletten geschaffen werden müssen. Bestehende Betriebe sind davon nicht betroffen.
Anders sieht es jedoch mit den neu hinzugekommenen Anforderungen an den Laufgang beziehungs­weise Ganganalysebereich aus – diese muss jeder Betrieb erfüllen. Für die Produktgruppe 31 (Schuhe) wird gefordert, dass der „Laufgang/Ganganalysebereich optisch und akustisch abgegrenzt” ist . „Inbesondere die akustische Abgrenzung dürfte Betriebe, die bislang mit Vorhängen operiert haben, vor Probleme stellen”, meint Rosin-Lampertius. Allerdings ist noch nicht genau konkretisiert, wie die akus­tische Abgrenzung zu erfolgen hat, zumal es sich zunächst einmal um eine aktenmäßige Prüfung handelt.

Betriebsbegehungen geplant
Anders als anfangs geplant, werden Betriebsbegehungen Bestandteil der Präqualifizierung. Allerdings steht noch nicht fest, ob dies nur bei Neuanträgen obligatorisch ist oder auch für Betriebe mit alter Zulassung gilt. Der GKV-Spitzenverband hat nach Produktgruppen geordnete Bögen für die Betriebsbegehungen entwickelt, die auf seiner Homepage eingesehen werden können. Nach Auffassung von Rosin-Lampertius zeichnet sich ab, dass das Präqualifizierungsverfahren durch die Betriebsbegehungen deutlich teurer wird als ursprünglich anvisiert.

Unwägbarkeiten für Präqualifzierungsstellen
Noch sind die Präqualifizierungsstellen vom GKV-Spitzenverband nicht benannt, doch die Antragsverfahren sind ins Rollen gekommen. Stellen, die bereits vor Monaten formlose Anträge gestellt haben, sind inzwischen vom GKV-Spitzenverband dazu aufgefordert worden, die fehlenden Unterlagen bis zum 30. November 2010 einzureichen. An einem „noch festzulegenden Stichtag im Dezember” werden voraussichtlich die ersten Präqualifizierungsstellen benannt, so Carla Grienberger vom GKV-Spitzenverband. „Wenn sich vor der Benennung durch uns schon jemand als „Präqualifizierungsstelle” bezeichnet, dann ist das eine Fehlinformation. Sobald die Präqualifizierungsstellen benannt sind, werden sie auf der Homepage des GKV-Spitzenverbandes bekannt gegeben”, stellte Grienberger klar.

"Es lässt sich schwer abschätzen, wieviele Betriebe tatsächlich schon im ersten Quartal 2011 einen Antrag auf Präqualifizierung stellen werden”, meint Rosin-Lampertius, der sich mit der GO GmbH selbst als Präqualifizierungsstelle beworben hat. Dies sieht er vor allem darin begründet, dass mit den großen Krankenkassen – Barmer GEK, TK, den meis­ten AOKen und der DAK – bereits Verträge existieren. Der Nachweis der Eignung durch ein Präqualifizierungsverfahren sei bei diesen Krankenkassen nicht mehr nötig. Derzeit seien lediglich Vertragsverhandlungen mit der KKH Allianz abzusehen. In diesem Falle könne der Leis­tungserbringer seine Eignung auch individuell nachweisen – denn diese Möglichkeit wird es neben der Präqualifzierung weiterhin geben.

Für die Präqualifizierungsstellen ist derzeit also nicht abzusehen, wie viel Arbeit auf sie zukommen wird – eine sichere Planung von Investitionen ist so kaum möglich . Für Präqualifizierungsstellen, die von vornherein mit einer starken personellen Besetzung starten, ist dies ebenso risikoreich wie für kleinere Stellen, die mit zu wenig Personal der Nachfrage möglicherweise nicht nachkommen können. „Ich gehe davon aus, dass das erste Quartal überhaupt erst einmal dafür benötigt wird, dass die Präqualifizierungsstellen arbeitsfähig werden”, prognostiziert Rosin-Lampertius.

Präqualifizierungsstellen müssen unabhängig sein
Beworben haben sich vor allem Stellen aus dem Umfeld des ZDH, zahlreiche Zertifizierungsstellen sowie Tochterunternehmen von Leistungserbringerverbänden – der Verband der Hörge­räteakustiker hat beispielsweise eigens ein Tochterunternehmen gegründet. Die Leistungserbringer-Verbände selbst dürfen keine Präqualifizierungsstellen sein, 100-prozentige Töchter aber schon. Von den Präqualifzierungsstellen wird gefordert, dass sie unabhängig und überparteilich sind.

Keine Obergrenze für Entgelte
Die Entgelte für die Präqualifizierung dürfen die Präqualifizierungsstellen selbst festlegen. Damit eine Vergleichbarkeit der Angebote gewähr­leis­tet ist, müssen sie jedoch Entgelte für einheitliche, vom GKV-Spitzenverband vorgegebene Leistungspakete bestimmen und auf ihrer Homepage veröffentlichen. Für die Entgelte gibt es keine begrenzenden Vorgaben. Sollte es jedoch zu überzogenen Entgeltforderungen kommen, behalte sich der GKV-Spitzenverband vor, eine Obergrenze festzulegen, so Carla Grienberger. sw

Eignungskriterien und Betriebsbegehungsbögen finden sich unter http://www.gkv-spitzenverband.de/Hilfsmittel_Praequalifizierung.gkvnet.