13. Dezember 2010

Altersvorsorge, Zusatzbeiträge und mehr: Was sich 2011 ändert

Jahr für Jahr werden zahllose Gesetze und Verordnungen geändert oder neu eingeführt – meistens mit Wirkung zum Jahreswechsel. Anno 2010 ist das nicht anders. Wolfgang Büser informiert über einige der wichtigsten Neuerungen – von der Altersvorsorge bis hin zu Zusatzbeiträgen.

Altersvorsorge erneut angehoben

Arbeitnehmer können auch 2011 wieder einen höheren Anteil ihrer Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung als Sonderausgabe vom steuerpflichtigen Einkommen absetzen. Für 2011 sind 72 statt bisher 70 Prozent der Einzahlungen bis zu einem Höchstbetrag von 14.400 Euro absetzbar. Allerdings wird bei Arbeitnehmern der Arbeitgeberanteil zunächst als Beitrag mit erfasst, davon wird ein Anteil von 72 Prozent angesetzt und dann in voller Höhe wieder abgezogen. Unterm Strich verbleibt ein absetzbarer Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung von 44 Prozent in 2011.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag erhöht, aber...
Von 920 auf 1.000 Euro jährlich steigt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag zum 1. Januar 2011. Die betroffenen Arbeitnehmer mit Werbungskosten in diesem 80-Euro-Rahmen brauchen ihre Aufwendungen dem Finanzamt nicht mehr durch Belege nachzuweisen. Das heißt: Wer Werbungskosten von maximal 920 Euro aufzuwenden hatte, der bekam bisher auch schon den höheren Betrag angerechnet – aber eben nur per Nachweis. Ein finanzielles Plus ergibt sich aus der Neuregelung also für diese Arbeitnehmer nicht. Finanziell im Vorteil sind Arbeitnehmer mit Werbungskosten von weniger als 920 Euro im Jahr, weil sie nun 1.000 Euro pauschal vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen bekommen. (Zum Vergleich: Die Werbungskosten-Pauschale für Bundestagsabgeordnete macht unterm Strich rund 50.000 € im Jahr aus – ohne Belegnachweis.)

Arbeitszimmer zu Hause wieder abzugsfähig
Vor drei Jahren wurden die meisten Nutzer eines häuslichen Arbeitszimmers von dessen steuerlichen Berücksichtigung ausgeschlossen, was vom Bundesverfassungsgericht jedenfalls in dieser generellen Form gekippt worden ist. Der Gesetzgeber hat nun nachgebessert: Jetzt können wieder bis zu 1.250 Euro pauschal geltend gemacht werden (neben dem dienstlich benutzten Material und dem Mobiliar). Bedingung: Für die betriebliche oder – bei Arbeitnehmern – berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Soweit Steuerzahler ihre Steuerbescheide aus den vergangenen Jahren „offen gehalten“ haben, kann der Steuerabzug noch rückwirkend ab 2007 beansprucht werden.

Behinderten-Parkausweis europaweit
Die vor 2011 ausgestellten Parkausweise für Behinderte werden ungültig. Ab 2011 ist das Parken auf Behindertenparkplätzen nur noch mit dem EU-Parkausweis erlaubt. Er kann bei der örtlichen Straßen-verkehrsbehörde beantragt werden.

Entfernungspauschale vereinfacht
Nutzt ein Arbeitnehmer die Wege zur Arbeitsstelle und zurück abwechselnd mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einem Pkw, so hat er dem Finanzamt eine tageweise Gegenüberstellung zu liefern, da die Fahrkarten für Bus oder Bahn steuerlich anders berücksichtigt werden als der auf andere Weise zurückgelegte Weg, für den 30 Cent pro Entfernungskilometer angesetzt werden. Künftig ist nur noch eine Jahresrechnung erforderlich.

Lohnsteuerkarte 2010 gilt auch 2011
Für das Jahr 2011 wurde den Arbeitnehmern keine neue Steuerkarte ausgestellt. Alle Eintragungen auf der Steuerkarte 2010 gelten auch in 2011, also Familienstand und Steuerklasse. Änderungen – etwa wegen der Geburt eines Kindes oder eines längeren Arbeitsweges – werden nicht mehr von den Gemeinden, sondern unmittelbar von den Wohnsitzfinanzämtern vorgenommen. Ab 2012 gilt ein elektronisches Verfahren für die Lohnsteuerabrechnung. Beim Wechsel der Arbeitsstelle erhält der neue Arbeitgeber die 2010er Steuerkarte. Wer 2011 erstmals eine lohnsteuerpflichtige Beschäftigung aufnimmt, der erhält von seinem Finanzamt – auf Antrag – eine Ersatzbescheinigung. Die Ausnahme für in 2011 frischgebackene Auszubildende: Sie werden vom Arbeitgeber automatisch in der Steuerklasse I geführt.

Private Krankenversicherung – leichterer Übergang
Gut verdienende Arbeitnehmer, die gesetzlich krankenversichert sind, konnten bisher in die private Krankenversicherung wechseln, wenn sie drei Jahre hintereinander mehr verdienten als die so genannte Versicherungspflichtgrenze (im Jahr 2010: 49.950 € = 4.162,50 € im Monatsdurchschnitt). Vom 1. Januar 2011 an gilt wieder die frühere Regelung, nach der es ausreicht, wenigstens ein Jahr lang mehr als den Grenzwert verdient zu haben. Und dies kann von den Betroffenen bereits ab Januar 2011 genutzt werden. Haben sie 2010 mehr als 49.950 Euro verdient, so steht ihnen der Wechsel frei – wenn sie die Zusatzbedingung erfüllen, dass ihr Verdienst auch 2011 höher ist als die dann geltende Versicherungspflichtgrenze von nur noch 49.500 € (Absenkung infolge geringerer Durchschnittsverdienste).

Renten-Besteuerung vereinfacht
Für das seit 2005 bestehende „Rentenbezugsmitteilungsverfahren“ durch die Zahlstellen (gesetzliche Rentenversicherer, Versorgungskassen, Pensionszahlstellen) wird den Rentnern schrittweise eine „vorausgefüllte Steuererklärung“ angeboten. Die Erklärung wird dabei von der Renten-Zahlstelle so vorbereitet, dass ein ‚Nur-Rentner’, der außer seiner Rente keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte hat, die Erklärung im Regelfall – mit seiner Unterschrift versehen – unverändert an sein Finanzamt weiterleiten kann.

Rürup-Rente – mehr Beitrag möglich
Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen, können per „Rürup-Rente“ („Basis-Rente“) relativ hohe Steuervorteile erzielen. Ab 2011 haben sie das Recht, 72 (statt bisher 70) Prozent ihrer Beitragszahlungen bis maximal 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 €) vom steuerpflichtigen Einkommen abzuziehen. Das ergibt begünstigte Einzahlungen bis zu 14.400 (28.800) Euro. Zahlt ein verheirateter Unternehmer beispielsweise 15.000 Euro auf einen Rürup-Rentenvertrag ein, so kann er 10.800 Euro absetzen, bei 30.000 Euro Einzahlung folglich 21.600 Euro.

Sozialversicherung: rauf, gleich, runter
Für Sozialabgaben gelten ab 2011 neue Bemessungsgrenzen: In der gesetzlichen Krankenversicherung sinkt sie von 3.750,00 Euro auf 3.712,50 Euro pro Monat. Die Versicherungspflichtgrenze beträgt nur noch 4.125,00 Euro statt 4.162,50 Euro. Entsprechendes gilt in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Das gilt im gesamten Bundesgebiet. - In der gesetzlichen Rentenversicherung bleibt die Beitragsbemessungsgrenze im Westen mit 5.500 Euro monatlich gleich. Im Osten steigt sie von 4.650 Euro auf 4.800 Euro pro Monat, so dass der „Abstand“ zum Westen nur noch 700 Euro beträgt. Entsprechendes gilt für die Arbeitslosenversicherung.

In der gesetzlichen Krankenversicherung steigt bundesweit der Beitragssatz von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent des Bruttoverdienstes. Die Erhöhung betrifft ausschließlich die Arbeitnehmer, die nunmehr 8,2 Prozent ihres Verdienstes als Beitrag zu berappen haben, die Arbeitgeber tragen unverändert 7,3 Prozent. Da die Beitragsbemessungsgrenze allerdings sinkt (siehe vor), hält sich die Beitragsmehrbelastung in Grenzen.

Zusatzbeiträge einkommensunabhängig
Die den gesetzlichen Krankenversicherern erlaubte Berechnung von Zusatzbeiträgen (neben den 15,5 % von Arbeitsverdienst oder Rente, die ohnehin fällig werden) kann künftig unabhängig vom Einkommen und ohne feste Obergrenze erhoben werden. Als Richtschnur für den maximalen Extrabeitrag gelten 2 Prozent der Bemessungsgrundlage, für höhere Beträge wird ein Ausgleichsverfahren installiert.

Spenden leichter absetzbar
Für Spenden in Katastrophenfällen (Beispiele: Tsunami, Haiti) wurden bisher jeweils nur in Einzelfällen vereinfachte „Zuwendungsnachweise“ erlaubt (etwa dass Spenden bis zu einer gewissen Höhe per Überweisungsbeleg oder Kontoauszug steuermindernd anerkannt wurden, eine Bescheinigung des Empfängers also nicht erforderlich war). Diese Vereinfachung ist jetzt gesetzlich festgeschrieben.

Steuererklärung alle zwei Jahre
Arbeitnehmer („nicht unternehmerisch tätige Bürger“) sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Einkommensteuererklärung wahlweise nur noch alle zwei Jahre beim Finanzamt einzureichen. Dadurch können sie vermeiden, sich in jedem Jahr erneut mit dem Steuerrecht auseinandersetzen zu müssen, so das Bundesfinanzministerium. An das einmal ausgeübte Wahlrecht sind die Steuerzahler nicht gebunden: Sie können jederzeit zum Jahresrythmus zurückkehren. Profitieren von diesem Angebot können Arbeitnehmer, Bezieher von Altersrenten und Personen mit Einkünften aus Vermögensverwaltung „im normalen Umfang“. Es geht also vornehmlich um Steuerzahler mit - über die Jah-re – im Wesentlichen gleich bleibenden Einkünften – egal, ob sie eine Steuererstattung erwarten (was den Übergang auf die „zwei Jahre“ möglicherweise nicht lukrativ erscheinen lässt) oder aber sich auf eine Nachzahlung einstellen müssen. (Der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass die Zwei-Jahres-Regelung nicht von zusammen veranlagten Eheleuten genutzt werden kann – es sei denn, in den beiden Jahren seien die Einnahmen und Ausgaben exakt gleich hoch.)

Verbindliche Auskünfte billiger
Unternehmer, die vom Finanzamt eine „verbindliche Auskunft“ haben möchten, wie sie einen Steuersachverhalt zu beurteilen haben (um bei einer Prüfung nicht gegebenenfalls hohe Nachzahlungen leisten zu müssen, weil die eigene Beurteilung falsch war), müssen dafür bezahlen. Und dies unabhängig davon, ob es um kleinere Investitionen geht oder um Millionenwerte, bei denen der Steuerzahler Planungssicherheit haben möchte. Die ab 2011 vorgesehene Neuregelung beschränkt die Gebührenpflicht für verbindliche Auskünfte „auf wesentliche und aufwändige Fälle“. Dazu ist eine Bagatellgrenze in Höhe von 10.000 Euro eingeführt worden – gemessen an der Höhe des „Gegenstandswertes“.

Quelle: Redaktionsbüro Wolfgang Büser