13. Januar 2011

Studie: Ärzte rationieren Leistungen

Mehr als jeder zweite Arzt hat nach eigener Aussage bereits aus Kostengründen auf eine Behandlung verzichtet. Dieses Ergebnis des neuen Gesundheitsreports des Finanzdienstleisters MLP und der Bundesärztekammer hat den Spitzenverband der deutschen Krankenversicherung (GKV) zu ernsthaften Mahnungen veranlasst.

"Wenn Leistungen medizinisch notwendig sind, werden sie von der gesetzlichen Krankenversicherung auch bezahlt - ohne Wenn und Aber. Ärzte, die dennoch Leistungen verweigern, müssen sich fragen lassen, ob das mit ihrem Berufsethos vereinbar ist", sagte GKV-Chefin Doris Pfeiffer. Sie forderte Patienten auf, sich an ihre Krankenkasse zu wenden, wenn ihnen medizinisch notwendige Leistungen verweigert werden. Laut MLP-Gesundheitsreport befürchten immerhin 42 Prozent der Patienten, dass ihnen notwendige Leistungen aus Kostengründen bereits vorenthalten wurden. Gleichzeitig meinen aber sowohl Patienten wie Mediziner, dass die Deutschen oft unnötig zum Arzt gehen würden.

Insgesamt hat sich die Meinung über das deutsche Gesundheitssystem aber verbessert. 70 Prozent der Patienten und 88 Prozent der Ärzte loben seine Leistungsfähigkeit. Dennoch schneidet das deutsche System schlechter ab als die Gesundheitsversorgung in Niederlande, Schweiz und Schweden. Und diese Tendenz scheint sich zu verstärken: Mit 51 Prozent haben deutlich mehr Deutsche in den vergangenen zwei, drei Jahren eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung festgestellt als die Bürger in den Vergleichsländern (Niederlande: 34%, Schweden: 20%, Schweiz: 15%). Viele Deutsche sind auch mit der aktuellen Gesundheitsreform unzufrieden. Sie kritisieren vor allem, dass die Lasten ungerecht verteilt seien. So finden 82 Prozent die einkommensunabhängigen Zusatzbeiträge ungerecht. Mehr als die Hälfte (53%) fänden es gerechter, wenn bei den Krankenkassenbeiträgen auch Miet- und Zinseinnahmen berücksichtigt würden.