04. April 2011

Handwerk als neues Wahlfach am beruflichen Gymnasium

Ab dem neuen Schuljahr können die beruflichen Gymnasien in Baden Württemberg das Wahlfach Handwerk in ihren Fächerkanon aufnehmen. Damit nimmt eine Empfehlung der Enquetekommission des Landes zur beruflichen Bildung Konturen an.

Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle sieht darin eine große Chance, gut qualifizierte junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen: „Wir wollen zeigen, wie modern, innovativ und attraktiv Handwerk heute sein kann.“

Wie Wirtschaftslehre, Sport oder Religion wird das Wahlfach Handwerk zweistündig unterrichtet und kann an allen Fachrichtungen der beruflichen Gymnasien angeboten werden. Die Inhalte werden derzeit vom Kultusministerium im Rahmen der Lehrplanarbeit zusammengestellt „Das Themenspektrum kann von der Unternehmensführung über Gestaltungskompetenz und Marketing bis hin zu Qualifikation und Technik reichen“, sagte Möhrle. Der Unterricht könne auch durch spannende Praxiskontakte bereichert werden. Das Handwerk bringe sich mit seinen Ideen ein und wolle dieses Fach beispielsweise mit Bildungs- oder Patenschaften durch Handwerksbetriebe mit Leben erfüllen, wie die erste Resonanz zeigt.

Das Handwerk wirbt nun bei Schulleitern dafür, das Wahlfach anzubieten sowie Schüler und Eltern aktiv über diese Möglichkeit zu informieren. Gleichzeitig appelliert Möhre an die Betriebe, sich einzubringen und die Einführung des Wahlfachs an den Schulen anzustoßen. Damit die duale Ausbildung für gut qualifizierte Schulabgänger attraktiv bleibe, forderte Möhrle, müsse die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung weiter gestärkt werden. Das Handwerk, betonte Möhrle in diesem Zusammenhang, sei aber nach wie vor für alle Bewerber offen: „Wir brauchen die qualifizierten, wollen aber auch die schwächeren mitnehmen.“ Gemeinsam mit der Landesregierung habe der Handwerkstag deshalb vor kurzem das Projekt „Brücke ins Handwerk“ ins Leben gerufen. Damit sollen noch nicht ausbildungsreife Jugendliche in kurzer Zeit das nötige Rüstzeug erhalten, um direkt in eine duale Berufsausbildung zu starten und diese erfolgreich absolvieren zu können.